Wenn Schimmelpilze die Augen befallen

Wenn Schimmelpilze die Augen befallen

 

Pilzkeratitis kennt man vor allem aus tropischen Ländern. Nun sind mehrere Fälle in Deutschland bekannt geworden. Der Auslöser für die Krankheit wurde schnell gefunden: weiche Kontaktlinsen.

Ob man nun die Brille putzt oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Und wenn man es nicht tut, ist das höchstens störend. Bei Kontaktlinsen jedoch kann die mangelnde Hygiene schwerwiegende Folgen haben, zum Beispiel Pilzkeratitis. Dabei handelt es sich um eine Hornhautentzündung, die durch eine Infektion durch einen Pilz verursacht wird.

Laut dem Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie der Universität Würzburg ist der Schimmelpilz der Gattung Fusarium einer der wichtigsten Erreger der Pilzkeratitis. Das Problem bei diesen Pilzen ist, dass sie sich kaum behandeln lassen, denn gemäss dem Lehrstuhl «sind diese Pilze häufig resistent gegen die verfügbaren Medikamente.» Oftmals seien Hornhauttransplantationen deshalb nötig, in schlimmen Fällen bestehe der letzte Ausweg gar darin, das infizierte Auge operativ zu entfernen und durch ein Glasauge zu ersetzen.

Bislang kam die Pilzkeratitis in dieser Form tatsächlich vor allem in tropischen Ländern vor. Doch Mitte August 2017 wurden auch in Deutschland mehrere solcher Fälle entdeckt. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass es die Krankheit in Deutschland vorher nicht gab. Dass man erst vor Kurzem auf sie aufmerksam wurde, hängt vielmehr damit zusammen, dass das Nationale Register für Pilzkeratitiden, also Hornhaut-Infektionen durch Pilze erst im Jahr 2016 eingerichtet wurde. Davor gab es in Deutschland gar keine Möglichkeit, Fälle von Pilzkeratitis zu melden.

Hygiene ist das Wichtigste

Vom neuen Instrument wurde rege Gebrauch gemacht. 15 Fälle von Pilzkeratitis wurden so bekannt. Bei ihren Analysen, so der Lehrstuhl der Universität Würzburg, haben die Experten verschiedene Schimmelpilze der Gattung Fusarium als Verursacher identifiziert. Neun Patienten bedurften einer Hornhauttransplantation, bei drei Patienten musste das Auge operativ entfernt werden. Anders gesagt: Nur bei drei der ursprünglich 15 Patienten schlugen die Medikamente gegen die Pilzkeratitis erfolgreich an.

Die Frage, die sich als nächstes stellte, war: Woher kommt die Pilzkeratitis? Die Antwort war schnell gefunden: von den weichen Kontaktlinsen. Denn von den 15 Patienten, die tatsächlich Pilzkeratitis hatten, trugen die meisten weiche Kontaktlinsen. Doch warum ausgerechnet weiche Kontaktlinsen so problematisch sind, ist laut den Experten noch unklar. In einem Punkt sind sich die Fachleute jedoch einig. So schreibt der Lehrstuhl an der Universität Würzburg auf seiner Website: Wer die Hygieneregeln im Umgang mit weichen Kontaktlinsen nicht beachtet, nimmt eine Gefahr in Kauf: Schimmelpilze können die Linsen kontaminieren und die Hornhaut des Auges infizieren. Und weiter: Ob man betroffen ist, merkt man meist durch eine starke Rötung des Auges, teils erhebliche Schmerzen und eine Sehverschlechterung.

Regeln zur Hygiene bei Kontaktlinsen

  • Unbedingt die Hände waschen vor dem Anfassen der Linsen
  • Linsen gründlich reinigen, bevor sie in das Reinigungsbad kommen
  • Das Reinigungsmittel nie mehrmals verwenden
  • Linsen nicht länger tragen, als vorgesehen

Inwiefern sich die Pilzkeratitis in unseren Gefilden verbreitet hat, ist noch ziemlich unklar. Augenärzte sind deshalb angehalten, Fälle zu melden, denn nur anhand dieser Daten können die Erreger analysiert, Therapien verbessert und eine statistische Basis erstellt werden. Für Träger von Kontaktlinsen gilt es, einfache Regeln zu beachten, um die Hygiene bei den Kontaktlinsen zu verbessern.

Florencia Figueroa

 

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Gut sehen und gut aussehen – beides ist wichtig

Gut sehen und gut aussehen – beides ist wichtig

„Ich wollte immer manuell tätig sein und ich bin detailverliebt.“ Mit so einfachen Worten kann Robert Katamay erklären, warum er ophthalmologischer Chirurg werden wollte. „Aber es war ein langer Weg mit ein paar interessanten Umwegen“, fährt der Oberarzt der Vista Klinik fort. Die Ausbildung führte ihn von Wien über Basel in die USA zurück nach Binningen.

Wenn es um Operationen des Grauen Stars, an der Augenhöhle, dem Lid, den Tränenkanälen und dem Gesichtsbereich rund um die Augen geht, gilt er als ein renommierter Experte. „Es bereitet mir sehr viel Freude, meinen Patienten helfen zu können, denn die visuelle Welt ist für uns Menschen extrem wichtig. Das Auge hat aber noch eine zweite, sehr grosse Bedeutung. Der optische Eindruck ist für unser Leben bedeutend. Als erstes schaut man sich in die Augen und dieser erste Blick ist entscheidend für den Eindruck, den die Menschen voneinander bekommen“, sagt Robert Katamay.

Ästhetische Aspekte sind immer von Bedeutung

Die meisten Patientinnen und Patienten kommen mit einem klar definierten Leiden in die Vista Klink. Dazu gehören Fehlstellungen des Lids und Tränenwegverschlüsse ebenso wie Beschädigungen des Lids durch Unfälle oder Tumore“, erklärt Robert Katamay sein Tätigkeitsgebiet. „Bei einem Eingriff gibt es immer auch den ästhetischen Aspekt zu berücksichtigen und der Übergang zur rein ästhetischen Chirurgie ist fliessend.“

Aesthetische Sprechstunde in der Vista bei Dr. Robert Katamay

Robert Katamay führt plastische Eingriffe rund um das Auge durch.

Es gibt viele Patienten, die unter den Veränderungen im Augenbereich des Gesichts leiden, die durch das Alter oder durch eine familiäre Disposition hervorgerufen werden können. Ein Hautüberschuss am Oberlid kann zu einem Schweregefühl und zu einer Ermüdung führen. Eine solche funktionelle Einschränkung des Auges können wir korrigieren. Andere Patientinnen und Patienten leiden beim Blick in den Spiegel wegen des müden, älteren scheinenden Gesichtsausdrucks. Auch ihnen möchte ich helfen.“

Minimalinvasive Eingriffe – sanfte Resultate

Der erfahrene Augenchirurg hat den (selbst-)kritischen Blick auf die ästhetische Chirurgie bewahrt. „Die Wahrnehmung, was normal, was schön und wünschenswert ist, ist sehr subjektiv. Ärzte, die sich ganz auf Schönheitschirurgie spezialisiert haben, laufen Gefahr, dass sich ihr Massstab verschieben könnte, weil sie täglich Vergleichsbildern begegnen, die sich bereits von der Norm abheben.”

Die Aufteilung seiner Tätigkeiten in der Vista Klinik sei ideal. „Ich verbringe einen grossen Teil meiner Zeit mit medizinischen Patienten. So laufe ich sicher nicht in Gefahr, die Balance und den Blick für die Norm zu verlieren. Als Arzt muss ich den Wunsch des Patienten nachvollziehen können und ich werde einen Eingriff nur dann durchführen, wenn ich ihm damit etwas Gutes tun kann.“

Laser, Botox und Hyaluronsäure ersetzen das Skalpell

Als Spezialist für ophthalmologische und okuloplastische Chirurgie führt Robert Katamay plastische Eingriffe im und rund um das Auge durch. Der häufigste Eingriff ist die Oberlidstraffung. Eine optimierte Schnittführung und der Gebrauch besonders schonender moderner Instrumente ermöglichen, dass üblicherweise bereits eine Woche nach der Operation keine sichtbare Narbung und Schwellung mehr bemerkt werden.

„Es ist wie mit dem Rahmen um ein schönes Bild. Das Gesicht muss zu den Augen passen. Mimische Falten spielen eine entscheidende Rolle, wie eine Person wahrgenommen wird. Wunderschöne Oberlider kommen nicht zur Wirkung, wenn eine tiefe Zornesfalte stört.“ Zur Verringerung solcher Falten sind injizierbare Substanzen sehr beliebt. „Wir bieten eine solche Behandlungen in einer speziellen Sprechstunde mit angenehmen Ambiente an“, sagt Robert Katamay.

Unter allen minimalinvasiven ästhetischen Behandlungsverfahren ist der Gebrauch von Muskelrelaxanzien zur Anpassung des Tonus eines Muskels an den Tonus der Haut am bekanntesten. Dieses injiziert Robert Katamay mit extrem dünnen Nadeln. Man geht nach Hause oder zur Arbeit, als wäre nichts gewesen. Eine solche Behandlung hält fünf bis sechs Monate an und man kann selber entscheiden, ob man die Behandlung auffrischen möchte.

Hyaluronsäure bietet die Möglichkeit, einen Substanzverlust der Haut aufzufüllen. „Diese körpereigene Substanz ist in der Haut mit zunehmendem Alter weniger vorhanden. Mit einer Injektion können wir die Haut polstern und kleine Täler ausgleichen. Die Hyaluronsäure wird in die Haut eingebaut und die Wirkung hält ein bis zwei Jahre an.“

Immer öfter setzt Robert Katamay zur Hautstraffung im Gesichts- und Halsbereich den Laser ein, der die Haut glättet und strafft, ohne Narben zu hinterlassen. Auch feine Fältchen, Pigmentflecken und andere störende Hautveränderungen bringt er mit dem Laser zum Verschwinden.

Fadenlifting liefert erstaunliche Ergebnisse

Eine weitere Methode ist das Fadenlifting, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Über einen einzigen Einstich werden feine Fäden aus resorbierbarem Material unter die Haut gezogen. Diese Fäden haben ganz feine Widerhaken. „Damit kann man die Haut ein paar Millimeter entgegen der Schwerkraft bewegen. So können zum Beispiel abgesunkene Augenbrauen wieder in die frühere Position gebracht und dort fixiert werden, ohne dass ein chirurgischer Eingriff nötig ist“, erklärt Robert Katamay. „Der Faden löst sich in den kommenden sechs Monaten langsam auf. Während dieser Zeit wächst das Hautgewebe an und stabilisiert sich in der gewünschten, vorteilhaften Position.“

Das Fadenmaterial löst zudem die Bildung von Kollagengewebe aus, wodurch die Haut wieder an Festigkeit gewinnt. „Bei feinen, durchscheinenden Augenlidern erzielen wir mit dem Fadenlifting ganz tolle Resultate. Auch bei der Verjüngung der Kinnlinie und der Reduktion der sogenannten Marionettenfalten im Mundwinkel, die durch das Absinken der Wangen unvorteilhaft wirken, spielen Fäden die entscheidende Rolle. Mit dem Fadenlifting können abgesunkene Wangen sanft wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht werden.“

Dr. Robert Katamay

Oberarzt und Stellvertretende Leitung Lid- und Tränenwegschirurgie der Vista Klinik

In Österreich aufgewachsen schloss Robert Katamay 2005 sein Medizinstudium in Wien ab. Danach forschte er an der Uni Basel auf seinem heutigen Spezialgebiet, der Ophthalmologie – und er wurde Augenarzt. Fast zwei Jahre widmete er in den USA den Studien im Gebiet der Immunologie des Auges.

Seit 2011 arbeitet er für die Vista Klinik in Binningen, wo er unter seinem Mentor Armin Koestinger die Ausbildung zum okuloplastischen Chirurgen abschloss. Robert Katamay ist verheiratet, Vater von drei Kindern und er lebt mit seiner Familie im Baselbiet.

Zu Beginn jeder Behandlung will Robert Katamay seine Patientinnen und Patienten im persönlichen Gespräch kennenlernen und mit ihnen die Wünsche und Erwartungen, die Möglichkeiten und die Grenzen eines Eingriffs detailliert besprechen. „Das Risiko muss vor jeder medizinischen Intervention, und sei sie noch so klein, seriös abgeklärt werden. Der Nutzen muss das potenzielle Risiko deutlich übertreffen. Bei uns in der Vista Klinik bieten wir die modernsten Methoden an und wir verfügen über die beste Technologie. Deshalb können wir für viele Probleme sehr sichere Behandlungen anbieten.“

Hans Peter Schläfli

Warum wir uns morgens den Schlaf aus den Augen reiben

Warum wir uns morgens den Schlaf aus den Augen reiben

Was ist das für sandiges Zeug, das wir am Morgen in den Augenwinkeln haben? Wie und warum der Augensand entsteht: Eine Spurensuche.

«Es ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und wirft ihnen Hände voll Sand in die Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen.» So blutig geht es in der Geschichte «Der Sandmann» von E. T. A. Hoffmann (1816) zu und her. Hier erscheint der Sandmann als Unhold und Kinderschreck, der die Kleinen zum Gehorsam ängstigt. Das ist keine Erfindung von Hoffmann, denn Gestalten, die müden Menschen Sand in die Augen streuen, finden sich in vielen Mythologien und literarischen Bearbeitungen.

Der Schlafbringer

Den meisten ist der Sandmann jedoch als harmloser Schlafbringer bekannt. So kennen wir ihn zumindest aus dem Radio und Fernsehen, wo «Unser Sandmännchen» schon seit 60 Jahren zum Abschluss des Tages eine Gute-Nacht-Geschichte mit sich bringt. Die freundliche Figur streut Kindern magischen Sand in die Augen, um sie einschlafen zu lassen. Die krümeligen Körnchen, die wir morgens in unseren Augen finden, zeugen vom Besuch des Sandmännchens. So süss diese Idee auch ist, gibt es natürlich auch eine wesentlich plausiblere medizinische Erklärung.

Der Abendgruss

Das Gutenachtlied «Der Abendgruss» ist seit DDR-Zeiten fixer Bestandteil der Sendung. Die meisten werden das Lied wohl gleich mitsingen können:

«Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht soweit,
wir lauschen erst dem Abendgruss,
ehe jedes Kind ins Bettchen muss,
du hast gewiss noch Zeit!»

Mikroorganismen statt Märchenfiguren

Diese hat mit Mikroorganismen zu tun statt mit Märchenfiguren. In der Nacht sammelt sich Tränenflüssigkeit auf dem Inneren der geschlossenen Augen. Diese bleibt als Film auf dem Auge liegen. Die Wärme und Feuchtigkeit bilden ideale Bedingungen für das Gedeihen von Bakterien.

Tagsüber verhindert das Auge durch den Blinzel-Mechanismus das Liegenbleiben des Tränenfilms. Ein Schutzmechanismus, der in der Nacht jedoch nicht einsetzt, da wir die Augen geschlossen halten. So können sich Staubpartikel und Sekrete ansammeln, wodurch der «Sand», den wir am Morgen im Augenwinkel finden, entsteht.

Nichts mit Märchen, Mythen und weissen Blutkörperchen zu tun hat die Redewendung «Jemandem Sand in die Augen streuen». Dieser Ausdruck geht zurück auf einen Trick römischer Gladiatoren: um den Gegner zu blenden, warfen sie ihm Sand in die Augen.

Wie schön ist es, dass das unser Sandmännchen meistens eine friedliche Figur ist, die schlimmstenfalls mal den Anfang macht zu einem bösen Traum. Ein böser Traum, dessen Hinterlassenschaften man wir uns am Morgen gähnend aus den Augen reiben können.

Gregor Szyndler

Sehen und doch nicht sehen

Sehen und doch nicht sehen

Es gibt eine Form der Blindheit, gegen die Sie in keiner Augenklinik Abhilfe finden: Gesichtsblindheit.

«Bei mehreren Gelegenheiten habe ich mich dafür entschuldigt, dass ich fast in einen großen, bärtigen Mann hineingelaufen bin, und dann habe ich bemerkt, dass ich das selbst im Spiegel bin.» – So berichtet es der Hirnforscher, Autor und von Gesichtsblindheit betroffene Oliver Sacks. Er hatte so grosse Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen, dass er nicht mal sein eigenes Spiegelbild erkannte. Ein Extremfall, zugegeben.

Gesichter und Geschichten verbinden

Gesichtserkennung ist das Resultat komplexer Gehirn-Vorgänge. Wir erkennen nicht das Einzelgesicht, sondern die Abweichung es Einzelgesichts vom Durchschnitt der täglich gesehenen Gesichter. Ausserdem geht es nicht «nur» ums Gesicht, sondern das Gesicht muss mit einer Geschichte verbunden werden – mit einer Erinnerung.

Personen mit Gesichtsblindheit sind ausserstande, andere Menschen anhand ihres Gesichts zu erkennen. Die damit verknüpften Herausforderungen im Alltag können im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich Betroffene nicht mehr getrauen, soziale Kontakte zu pflegen.

Gehirnschäden als Ursache

Der Prosopagnosie liegen Gehirn-Schäden zugrunde. Als Ursache angeborener Gesichtsblindheit wird eine Genmutation vermutet. Betroffene, die seit Geburt gesichtsblind sind, merken gar nicht unbedingt, dass ihnen etwas fehlt. Sie entwickeln schon früh Strategien, damit umzugehen. Auffallender ist die erworbene Gesichtsblindheit, die nach Schädeltraumata, Kreislaufstillständen oder Hirntumoren auftreten kann. Eine Heilung ist in beiden Fällen nicht möglich. Folgende drei Arten der Gesichtsblindheit werden unterschieden:

Apperzeptive Prosopagnosie
Sie tritt nach Unfällen oder Schlaganfällen auf. Betroffene können weder Alter noch Geschlecht des Gegenübers aus dem Gesicht lesen und auch nicht vom Gesicht auf die Stimmungslage schliessen.

Assoziative Prosopagnosie
Auch sie ist erworben. Betroffene erkennen Gesichter, können sie aber nicht mit den Erinnerungen an bestimmte Menschen verbinden (assoziieren).

Kongenitale Prosopagnosie
Angeborene Gesichtsblindheit ist eine Teilleistungsschwäche. Betroffene behelfen sich, indem sie sich an Stimmen, Bewegungen, oder Kleidung orientieren. Ärzte diagnostizieren statt angeborener Gesichtsblindheit oft Autismus oder Asperger, da die Symptome, wie zum Beispiel Vermeidung von Augenkontakt, ähnlich sind. So entsteht durch diese Beeinträchtigung und durch die falsche Diagnose viel psychischer Stress.

Auch hierzu gibt es ein eindrückliches Zitat von Oliver Sacks, das hilft, sich die Gefühlslage betroffener Menschen vorzustellen: «Ich vermeide Konferenzen, Partys und große Menschenansammlungen, so gut ich kann, weil ich weiß, dass sie zu Ängstlichkeit und peinlichen Situationen führen werden. Ich scheitere nicht nur daran, Leute wiederzuerkennen, die ich gut kenne – ich begrüße auch Wildfremde, als wären sie alte Freunde.»

Während sich Wildfremde eventuell geschmeichelt fühlen, wenn sie wie alte Freunde begrüsst werden, ist es im umgekehrten Fall total anders. Wie Wildfremde begrüsste Freunde werden zumindest eine Zeit lang daran knabbern, Gesichtsblindheit hin oder her.

Gregor Szyndler

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Schneeblindheit – was ist das?

Nachtblind ist so gut wie niemand

Nachtblind ist so gut wie niemand

So ziemlich jeder glaubt, nachtblind zu sein, weil er in der Nacht weniger gut sieht als am Tag. Dabei kommt die echte Nachtblindheit sehr selten vor.

In den buntesten Farben präsentiert sich uns die Welt. Doch sobald es dunkel wird, sehen wir plötzlich nicht mehr gut. Die Strassenschilder verschwimmen, Fahrradfahrer sowie Fussgänger sind nur noch Schemen und die Lichter blenden – wir sind nachtblind. Falsch, denn die echte, sprich die essentielle Nachtblindheit kommt äusserst selten vor und wird nur durch Erbkrankheiten oder Mangelerscheinungen ausgelöst.

Dass man nachts nicht so gut sieht wie tagsüber ist normal und hat damit zu tun, dass menschliche Sehvermögen eigentlich nicht für die Nacht konzipiert wurde. Völlig verloren sind wir in der Nacht aber dennoch nicht. So sind unsere Augen imstande, sich an die veränderten Lichtverhältnisse anzupassen.

Die Augen bestehen nämlich aus verschiedenen Lichtsinneszellen: den Zapfen und den Stäbchen. Während am Tag die Zapfen dafür sorgen, dass wir Farben sehen, ermöglichen die Stäbchen das Hell-Dunkel-Sehen in der Nacht, sobald es dämmert, werden sie aktiv – allerdings nicht bei Menschen, die nachtblind sind.

Eine echte oder unechte Nachtblindheit?

Der Grund ist ganz einfach: Ihre Stäbchen sind beschädigt. Folglich sehen sie in der Dunkelheit schlecht oder überhaupt nichts mehr. Die Frage ist, warum die Stäbchen kaputt gehen. Es gibt mehrere Ursachen. Dazu muss man zuerst wissen, dass man zwischen zwei Arten der Nachtblindheit unterscheidet – der angeborenen (sprich der echten, essentiellen) und der erworbenen. Tatsächlich sind die angeborenen Formen der Nachtblindheit nicht therapierbar. Zum Glück kommen sie nur selten vor.

Gegen die erworbenen Formen der Nachtblindheit hingegen kann wohl etwas unternommen werden. Beispiele für die erworbene Nachtblindheit sind Diabetes oder Grauer Star. Auch Vitamin-A-Mangel kann zu einer Nachtblindheit führen – doch das kommt heute fast nur noch in Entwicklungsländern vor. Hat man die Ursache der erworbenen Nachtblindheit einmal erkannt und die Behandlung eingeleitet, bildet sich diese häufig zurück – ohne bleibende Schäden zu hinterlassen.

Die Umstellung dauert eine Weile

Die Photorezeptoren befinden sich auch auf der Netzhaut und setzen sich zusammen aus den Zapfenzellen und Stäbchenzellen. Die Zapfenzellen sorgen dafür, dass wir Farben erkennen, die Stäbchenzellen, dass wir in der Nacht zwischen hell und dunkel unterscheiden können. Die Zapfen arbeiten also vor allem tagsüber und die Stäbchenzellen in der Nacht.

Da die Umstellung nicht schlagartig geschieht, sieht jeder Mensch im Dunkeln erstmal gar nichts. Nach und nach schalten sich die Zapfen aus, damit die Stäbchen aktiv werden können. Die Umstellung kann bis zu einer halben Stunde dauern. Sind die Stäbchen erst einmal «an», können sie rund 500 unterschiedliche Schattierungen wahrnehmen.

Nur der Facharzt bringt Gewissheit

Doch woran erkennt man, dass man an einer Form der Nachtblindheit leidet? Nun, wenn man merkt, dass man in der Dunkelheit nur sehr schlecht oder gar nichts mehr sieht. Unwillkürliches Augenzittern, Blendeempfindlichkeit und eine verminderte Sehschärfe können auch Anzeichen für eine Nachtblindheit sein. Ob man nachtblind ist und an welcher Form der Krankheit man leidet, findet man allerdings nur heraus, wenn man einen Facharzt aufsucht.

Mit einem sogenannten Adaptometer untersucht der Augenarzt, inwieweit sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Dank der Stäbchen können die Augen nämlich innert 20 bis 25 Minuten von hell auf dunkel umstellen. Sind diese Stäbchen aber kaputt, stellen die Augen entweder überhaupt nicht oder viel langsamer um. Überprüft werden unter anderem auch die Sehschärfe, das Farbsehen und das Gesichtsfeld. Es ist auch möglich, dass man bloss eine Nachtkurzsichtigkeit hat. Sie wird durch erweiterte Pupillen verursacht und hat bloss zur Folge, dass man eine Brille für die Nacht verpasst bekommt.

Die meisten Menschen haben also gar nichts zu befürchten, wenn sie in der Nacht weniger gut sehen als am Tag. Man sollte seine Augen aber dennoch kontrollieren gehen, wenn man den Verdacht hegt, nachtblind zu sein – vor allem, wenn es eine erworbene Nachtblindheit ist, gilt es, etwas dagegen zu tun.

Florencia Figueroa

Dauerwelle für die Wimpern

Dauerwelle für die Wimpern

Ein schöner Augenaufschlag ist nicht zu unterschätzen. Damit dieser seine volle Wirkung entfaltet, wird auch gerne mal künstlich nachgeholfen. Dabei ist Frau erfinderisch: Von künstlichen Wimpern über Wimpernverlängerung bis zur Wimperndauerwelle gibt es so einiges – doch was sind die Folgen für unsere Augen?

Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind die künstlichen Wimpern im Einsatz – damals noch vor allem als Verschönerung der Schauspielerinnen in Stummfilmen. Im Jahrhundert des Instagram angekommen, gehört die künstliche Verdichtung und Verlängerung durch falsche Wimpern nun auch zum Alltag.

Falsche Wimpern

Das dünne Bändchen mit den einzelnen Wimpernsträngen wird über der eigenen Wimpernlinie angebracht. Doch wie bei allem, das ins, ans oder ums Auge geht, ist auch hier Vorsicht geboten. Vor allem der Leim, mit dem die Wimpern angeklebt werden, kann für das Auge unverträglich sein und auf dem Lid oder sogar im Auge Irritationen verursachen. Zudem bleibt der Leim auch nach dem Abschminken gerne noch fest am Augenlid kleben, was wiederum das Entfernen der falschen Wimpern zur Tortur machen kann. Den Leim dann wieder abzubekommen erfordert mehr Krafteinsatz, als bei den Augen jemals angewendet werden sollte.

Aufgrund dieses Problems hat die Beauty-Welt mittlerweile eine Alternative erfunden: Falsche Wimpern, die sich am Auge halten, indem sie die natürlichen Wimpern zwischen winzigen Magneten einklemmen. Diese anzubringen ist wohl aufgrund der Grössenskala eher ein Gepfriemel – ob das angenehmer ist, als Wimpern anzukleben, muss wohl jeder für sich entscheiden.

Wimpern-Extensions

Auch sehr beliebt ist mittlerweile die künstliche Wimpernverlängerung beim Profi. Dabei verlängert der Wimpernstylist jede einzelne Wimper – das dauert auch gerne mal über zwei Stunden und hat, wie jede Schönheitsbehandlung, so seinen Preis.
Doch auch hier kann einiges schief gehen: Werden die Wimpern nicht einzeln verlängert, sondern mehrere zusammengeklebt, kann dies das Wachstum behindern und dazu führen, dass die natürlichen Wimpern ausfallen. Zudem können falsch angebrachte Extensions die Sicht behindern oder das Auge verletzen.

Wimpern-Dauerwelle – Drama, Baby

Wer sich nicht mit dem Anbringen (lassen) von künstlichen Wimpern herumschlagen möchte, kann den eigenen Wimpern mit dem sogenannten Wimpern-Lifting frischen Schwung verleihen. Gerade kurze und feine Wimpern wirken so gleich dramatischer.
Dabei werden die natürlichen Wimpern mit speziellen Gels behandelt und über eine kleine Silikonrolle nach oben gezogen. Durch die Wirkstoffe im Gel übernehmen sie die Wölbung der Rolle, ähnlich wie bei einer Dauerwelle fürs Haar.

Seit geraumer Zeit werden dafür sogar Do-It-Yourself-Sets verkauft, die die schnelle und günstige Wimpernwelle für zuhause versprechen. Was in Video-Anleitungen auch schnell und einfach aussieht, ist jedoch nicht ganz ohne. Werden die Wimpern nämlich nicht gerade über das Silikonröllchen gezogen oder überkreuzen sich, dann bleiben sie auch genauso stehen und zwar so lange, wie auch die richtig durchgeführte Wimpernwelle hält: nämlich sechs bis acht Wochen. Das Resultat: Ein eher gewöhnungsbedürftiger Look, der wohl nie im Trend sein wird.

Solche Anwendungsfehler beeinträchtigen zum Glück nur das Äussere – schlimm wird es aber, wenn die fürs Lifting angewandten Substanzen mit dem Auge in Berührung kommen. Wenn auch deutlich milder als bei der Dauerwelle für die Haare, verursachen sie doch Verätzungen und Reizungen, die sehr unangenehm sind und einige Zeit für schlechte Sicht, trockene Augen sowie Juckreiz und Brennen sorgen können.

Da auch die schönsten und schwungvollsten Wimpern nicht von einem knallroten Auge ablenken können, ist bei den verschiedenen Methoden zur Wimpernverlängerung immer der Verstand gefragt. Damit das mit dem Augenaufschlag klappt, macht es Sinn, sich nur von professionell und hygienisch arbeitenden Kosmetikstudios die Wimpern krümmen zu lassen und dem Auge auch öfters eine Pause von falschen Wimpern zu gönnen.

Shannay Zynamon