Schau mir in die riesengrossen Augen, Kleines

Schau mir in die riesengrossen Augen, Kleines

Manga und Anime sind japanische Begriffe für „Zeichentrickfilm“ und „Comic“. Mangas und Animes leben von Figuren, die riesengrosse Augen haben. Sie geniessen auch bei uns eine sehr grosse Anhängerschaft – was sich am Angebot der Kontaktlinsenhändler zeigt.

Es gibt Kontaktlinsen, die in grellen Farben, auffallenden Designs und mit einem grösseren Durchmesser als herkömmliche Linsen einen „Big Eyes“-Effekt bewirken. Die Augen erscheinen grösser und leuchtender, wie bei Puppen – oder eben in Mangas und Animes.

Die Hersteller überbieten sich gegenseitig mit Motiven: Von Blutstropfen über tierische Muster bis hin zu Batman-Fledermäusen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Schon die Namen der Kontaktlinsen machen das klar: „BigEyes Enchanter“, „BlueComic Eye“ und „Avatar“ nennen sie sich – und so grell ihre Namen, so grell sind die Effekte, die sie mit sich bringen.

Rein dekorativ

Es gibt sogar „Manga“-Kontaktlinsen mit Sehschwächen-Korrektur. Diese sind aber in der Minderheit, so dass Leute, die diese Linsen zu rein dekorativen Zwecken einsetzen, die grössere Auswahl haben. Der Begriff „rein dekorative Zwecke“ sagt schon alles: es handelt sich bei diesen Linsen um reine Accessoires, etwa für die Verkleidung bei Treffen von Manga- und Anime-Freaks, für Halloween oder die Fasnacht.

Das betonen auch die Hersteller, wenn sie bei den Produkte-Beschreibungen der Linsen warnen, dass die Motiv-Kontaktlinsen das Sichtfeld einschränken und nicht zum Autofahren zugelassen sind.

Der ultimative Big-Eye-Effekt

Eine neue Spielart dieser Trend-Linsen sind Sclera-Kontaktlinsen. Aufmerksame VistaEinblick-LeserInnen wissen, was die Sklera ist, nämlich der lederige, weisse Teil der Augenhaut. Sclera-Kontaktlinsen sind noch grösser als die oben beschriebenen Linsen und bedecken das ganze Auge, samt Sklera. So gibt es noch grössere „Big Eye“-Effekte. Sclera-Linsen sind teurer als andere Motivlinsen und sind bis heute nur ohne Korrekturen erhältlich.

Solche Motiv-Kontaktlinsen dürfen nur während maximal acht Stunden getragen werden. Sie sind keine Wegwerflinsen, mit der richtigen Pflege und Wartung können sie immer wieder getragen werden. Am besten eignet sich eine All-in-one-Lösung. Auf keinen Fall darf das Mittel Peroxid enthalten, da die Linsen-Farbe sonst zerstört wird.

Gregor Szyndler

Abenteurer unterstützt Rettung der Weltmeere

Abenteurer unterstützt Rettung der Weltmeere

Matthias Eigenmann segelte durch die Ozeane dieser Welt, um auf die starke Verschmutzung der Meere aufmerksam zu machen. Nachdem der 36-jährige Business Analyst nach einem Jahr auf offener See in seine Schweizer Heimat zurückkehrte, ist er erst recht entschlossen, sich auch weiterhin für die Säuberung der Meere einzusetzen.

Die Clipper Round the World Regatta ist das grösste Amateur-Segelrennen der Welt. Matthias Eigenmann hat seine Teilnahme an diesem Rennen zum «Race of my life» gemacht und damit eine öffentliche Plattform geschaffen, um auf seine Mission aufmerksam zu machen. Er will die Meere retten und hat zu Spenden aufgerufen.

Auch der Laser Vista liegt eine klare Sicht der Dinge am Herzen – nicht nur was die Augen anbelangt. Das Projekt des Seglers hat sie deshalb gerne finanziell unterstützt. Dank modernster Linsenchirurgie konnte sie es dem Abenteurer zudem ermöglichen, seine Mission ohne Sehhilfe zu starten. «Die zurückgewonnene Sehschärfe ist Lebensqualität pur. Ich habe lange gezögert – am Ende jeden versäumten Tag bereut. Das Leben ohne Brille und Kontaktlinse erlaubt mir, an die Grenzen zu gehen. Für weniger Plastik in den Meeren um die Welt zu segeln, wäre ohne Laser Vista ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.»

Über 40‘000 Seemeilen haben die Segler der Clipper Round the World Regatta in elf Monaten zurückgelegt. Dabei konnte sich Eigenmann selbst ein Bild zum aktuellen Zustand der Meere machen. «Speziell in den asiatischen Gewässern ist der Abfall omnipräsent, aber auch in sämtlichen anderen Meeren sieht’s erschreckend aus.»

Angst macht die Tatsache, dass ein Grossteil der im Meer vorhandenen Plastikteilchen beim Segeln fürs Auge gar nicht sichtbar sind. Versuche zeigen aber, dass egal wo man feinmaschige Netze durch die Meere zieht, darin Mikroplastik zu finden ist.» Um gegen diese Verschmutzung vorzugehen, lässt Eigenmann einen Teil der Spenden dem Projekt «The Ocean Cleanup», des Niederländers Boyan Slat zugutekommen.

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Das Projekt The Ocean Cleanup hat eine Technologie entwickelt, um die Meere vom Plastikmüll zu befreien

Slat und sein Team haben eine neue Technologie entwickelt, die den Plastikmüll im Ozean zusammenträgt. Die Technologie wird aktuell vor der Küste San Franciscos getestet und nach erfolgreichen Tests im Great Pacific Garbage Patch eingesetzt. Bis 2040 sollen mit dieser Technologie, die an fünf verschiedenen Stellen der Weltmeere treibt, 90 Prozent des Plastikmülls entfernt werden.

Dies lässt darauf hoffen, dass Verschmutzungszustände, wie sie Eigenmann auf seinem Blog, beschreibt bald der Vergangenheit angehören. Denn für die Meeresbiologie sind sie eine absolute Katastrophe. Gemäss der Weltnaturschutzorganisatio IUCN sterben rund eine Million Seevögel und 100‘000 Meeressäuger jährlich an den Folgen der Verunreinigung.

Nach seiner Reise und den unzähligen Berührungspunkten mit dem einzigartigen Ökosystem der Meere, will Eigenmann seine Mission fortsetzen. Für ihn heisst es «jetzt erst recht!». Er denkt auf Hochtouren darüber nach, wie er seinen Kampf gegen die Plastikverschmutzung weiterführen soll und erinnert daran, dass jeder etwas tun kann.

Falls Sie sich Matthias Eigenmann anschliessen und «The Ocean Cleanup» mit einer Spende unterstützen möchten, finden sie alle Angaben dazu hier.

Simone Weber

Netzhaut: Sehen und gesehen werden

Netzhaut: Sehen und gesehen werden

Ohne gesunde Netzhaut leidet die Sehkraft. Erkrankungen der Netzhaut müssen operativ behandelt werden. Wir stellen Ihnen die häufigsten Erkrankungen vor.

Mit mehr als 130 Millionen Zellen ist die Netzhaut ein extrem feines Nervengewebe. Sie kleidet das Augeninnere aus und liegt am Augenhintergrund lose auf. Unser Sehvermögen hängt von einer intakten Netzhaut ab. Sie erzeugt die Bilder, die der Sehnerv ans Gehirn weiterleitet. Stoffwechselstörungen können der Netzhaut Schaden zufügen und zu Sehbeeinträchtigungen und schlimmstenfalls zur Blindheit führen. Netzhauterkrankungen können operativ behandelt werden, wenn früh gehandelt wird.

Die häufigsten Netzhauterkrankungen

Netzhautablösung
Liegt die Netzhaut nicht am Untergrund an, spricht man von Netzhautablösung. Gründe sind Netzhautrisse, entstanden durch eine Abhebung des Augenglaskörpers. Bei Diabetes oder nach Venenverschlüssen kann es sein, dass Bindegewebemembranen an der Netzhaut ziehen und diese vom Untergrund abheben. Schliesslich können auch Entzündungen zu Netzhautablösungen führen.

Makulalöcher
Die Makula ist die wichtigste Struktur des menschlichen Auges. Sie ist von zentraler Bedeutung beim Lesen, beim Sehen von Details und bei der Farbwahrnehmung. Durch Zugkräfte in der Netzhaut oberhalb der Makula kann sich ein Loch in der Makula bilden. In diesem Loch hat es keine Sinneszellen mehr, was Betroffene als dunklen Fleck im Sehfeld wahrnehmen.

Epiretinale Fibroplasie
Das ist eine feine Bindegewebsschicht, die sich auf der Makula bilden kann. Sie tritt nach Netzhautablösungen, Netzhautrissen oder diabetischen Netzhauterkrankungen auf. Diese Bindegewebsschicht kann zur Verfälschung des Gesehenen führen – beispielsweise nehmen Betroffene gerade Linien als verbogen wahr.

Hintere Glaskörperabhebung
Diese Netzhauterkrankung wird oft auch mit «Mücken im Auge» umschrieben. Der Glaskörper des Auges schrumpft im Laufe des Lebens, wobei er sich von der Netzhaut abhebt. Betroffene sehen Mücken, Fäden und Rauchschwaden, die sich im Auge bewegen, im Dunkeln sogar Blitze. Der durch die Abhebung entstandene Zug auf die Netzhaut kann zu Rissen führen, die als Schattenbildung im oberen Gesichtsfeld wahrgenommen werden. Wenn Mücken, Blitze oder Schatten auftreten, muss die Netzhaut rasch untersucht werden.

Eventtipp

Rund ums Auge

Besuchen Sie zu diesem Thema den Vortrag:
“Netzhaut: Sehen und gesehen werden“ am 4.10.2018, um 19.00 Uhr, im Bürgerlichen Waisenhaus Basel.
Teil der Einblick-Vortragsreihe “Rund ums Auge”.

 

Grüner Star: Wenn der Abfluss verstopft ist

Grüner Star: Wenn der Abfluss verstopft ist

Der grüne Star oder das Glaukom ist eine Erkrankung des Auges, die sich meist unbemerkt über viele Jahre anbahnt. Wir geben Ihnen eine kurze Übersicht über die wichtigsten Ausprägungen und was Sie tun können.

Das Glaukom, im Volksmund «grüner Star» genannt, ist eine Erkrankung des Sehnerven, welcher meist bei Leuten mit zu hohem Augendruck vorkommt. Gewisse Patienten haben jedoch stets einen Augendruck im Normbereich und dennoch einen typischen Schaden am Sehnerven. Der Sehnerv ist die Verbindung zwischen Augen und Sehzentrum im Hirn. Wenn dieses “Datenkabel” Defekte aufweist kommt es typischerweise zu Gesichtsfeldausfällen.

Das Tückische daran: Der grüne Star verursacht nur in sehr seltenen Fällen Schmerzen. So merkt man meist lange nichts davon wenn der Augendruck über längere Zeit erhöht ist. Ist es erst einmal zu Gesichtsfeldverlusten gekommen, lassen sich diese nicht mehr rückgängig machen. Es helfen also nur regelmässige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt. Unbehandelte oder zu spät erkannte Glaukome können über Ausfällen des Gesichtsfeldes bis hin zur Erblindung führen.

Was ist ein Glaukom?
Beim grünen Star kann das im Auge produzierte Kammerwasser meist nicht genügend abfliessen. Dadurch erhöht sich der Augeninnendruck, was wiederum den Sehnerven schädigt. Nun fliessen nicht mehr alle vom Auge wahrgenommenen Informationen ans Gehirn – Gesichtsfeldausfälle sind die Folge. Diese beginnen zuerst aussen und schreiten langsam zum Zentrum vor. Erst im Endstadium der Erkrankung bemerkt der Patient ein Sehschärfeverlust.

Es gibt verschiedene Arten von Glaukomen:

Primäres Offenwinkelglaukom
Die häufigste Art des Glaukoms betrifft vor allem ältere Patienten und tritt oft familiär gehäuft auf. Diese Patienten bemerken die Augendruckerhöhung und den Gesichtsfeldverlust normalerweise nicht. Früh erkannt durch den Augenarzt wird eine drucksenkende Therapie begonnen. Man fängt meist mit Augentropfen an, in bestimmten Fällen kann aber auch mittels Laser oder Operation eine Augendrucksenkung erreicht werden.

Engwinkelglaukom / Glaukomanfall
Beim akuten Glaukomanfall ist der Augendruck rasant erhöht, das Auge oft gerötet und die Pupille reagiert nicht mehr auf Lichteinfall. Betroffene haben Augen – und Kopfschmerzen und empfinden Übelkeit. Akute Glaukome können in jedem Alter auftreten, doch die Wahrscheinlichkeit nimmt mit fortschreitendem Alter zu. Weitsichtigkeit und dementsprechend kleine Augen sind Risikofaktoren. Auch findet sich eine familiäre Häufung. Das akute Glaukom ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss.

Angeborenes Glaukom
Angeborene Glaukome sind selten und treten bereits im ersten Lebensjahr auf. Sie zeigen sich durch tränende, lichtscheue Augen. Sehr grosse Säuglingsaugen können ein Hinweis auf ein angeborenes Glaukom sein – sie müssen von einem Facharzt untersucht werden.

Normaldruckglaukom
Auch ohne erhöhten Augeninnendruck können Glaukome entstehen. Als Gründe werden in der Fachwelt Durchblutungsstörungen am Sehnerven angenommen. Betroffene Patienten haben oft kalte Hände und Füsse, ein vermindertes Durstgefühl, einen tiefen Blutdruck (vor allem nachts), Einschlafprobleme, einen Tinnitus und einen schlanken Habitus.

Sekundärglaukom
Ein Sekundärglaukom tritt nach einer vorangehenden Augenerkrankung oder Allgemeinerkrankung auf. Grundsätzlich sollte hier die eigentliche Erkrankung behandelt werden zusammen mit dem Glaukom.

Zur Prävention werden ab dem 40. Lebensjahr regelmässige Glaukom-Untersuchungen beim Augenarzt empfohlen. Bei früher Erkennung und dementsprechender Behandlung besteht eine gute Prognose.

Gregor Szyndler

Eventtipp

Rund ums Auge

Besuchen Sie zu diesem Thema den Vortrag:
“Grüner Star: Wenn der Abfluss verstopft ist“ am 2.10.2018, um 19.00 Uhr, im Bürgerlichen Waisenhaus Basel.
Teil der Einblick-Vortragsreihe “Rund ums Auge”.

Ist mein Blau auch dein Blau?

Ist mein Blau auch dein Blau?

Bereits als Kind habe ich mich gefragt, ob meine Freunde Farben gleich wahrnehmen wie ich. Vielleicht sehen sie ja Gelb wie ich Rot sehe. Später habe ich festgestellt, dass es schwierig ist, über Farben zu diskutieren. Ein für mich eindeutig violettes Kleid kann für jemand anderen blau sein. Die Frage blieb offen: Sehen wir das Gleiche, wenn wir eine Farbe betrachten?

Das Auge ist ein wirklich vielfältiges und erstaunliches Organ. Damit wir Farben wahrnehmen können, müssen drei Bedingungen erfüllt werden. Erstens braucht es Licht, zweitens muss das Licht auf einen Gegenstand fallen und drittens darf ein Gegenstand, um farbig zu erscheinen, nur einen Teil des Lichtes reflektieren und muss den anderen Teil verschlucken.

Verantwortlich für die Wahrnehmung des Farbspektrums sind die Sehzellen im Auge, die auf Licht in unterschiedlichen Wellenlängen reagieren. Das menschliche Auge kann bis zu 2,3 Millionen Farbtöne unterscheiden. Kurzwelliges Licht nehmen wir blau bis violett wahr, langwelliges Licht sehen wir rot. Dieses Phänomen wird auf erstaunliche Weise deutlich, wenn wir im Meer tauchen. Nahe an der Wasseroberfläche ist die Unterwasserwelt bunt, je tiefer wir tauchen, desto mehr Farben gehen verloren. Zunächst verschwindet Rot, dann Orange, Gelb und Grün. Am längsten sichtbar ist Blau.

Nicht nur Farbenblinde sehen anders

Wie empfindlich unsere Sehzellen auf die Wellenlängen des Lichts reagieren, kann von Person zu Person durchaus etwas abweichen. Physiologisch gesehen nehmen Menschen Farben aber sehr ähnlich wahr. Die Ausnahme bilden jene mit einer Farbenfehlsichtigkeit. Neun Prozent der Männer sind davon betroffen, aber nur 0,8 Prozent der Frauen. Das liegt daran, dass das entsprechende Gen auf dem X-Chromosom liegt.

Obwohl die meisten Farbsehschwächen genetisch vererbt sind, können sie in seltenen Fällen auch im Verlauf des Lebens entstehen. Die Farbenblindheit gilt aber als Ausnahme, mit anderen Worten als Abweichung der Norm. Da stellt sich nun die Frage, was normal ist. Denn auch im Normalbereich gibt es stets Unterschiede.

Schliessen Sie beispielsweise einmal in einem leicht abgedunkelten Zimmer abwechslungsweise das linke und das rechte Auge. Sie werden wie viele andere Menschen feststellen, dass ein Auge die Welt etwas farbenkräftiger wahrnimmt, als das andere. Oder dass die Umwelt durch ein Auge etwas bläulicher erscheint.

Solche Unterschiede in der Farbwahrnehmung gibt es auch zwischen Menschen. Unterhalten Sie sich einmal mit einem Freund über die Farbe Türkis und sie werden vermutlich feststellen, dass der eine das Türkis als eher blaustichig beurteilt, der andere hingegen als grünstichig.

Wie die Farben heissen, die wir wahrnehmen, müssen wir lernen. Je nach Sprache und Kultur unterscheidet sich die Anzahl benannter Farben und auch die Grenzen zwischen einzelnen Farben variieren. Was wir tatsächlich wissen, ist, dass wir alle die gleichen Wellenlängenkombinationen des Lichtes wahrnehmen. Jedoch jeder auf seine eigene Art und Weise. Die wahrgenommene Farbe existiert also nicht personenunabhängig in der Umwelt, sondern in der individuellen Wahrnehmung jedes einzelnen. Da wir über das Innenleben eines anderen Menschen nichts sagen können, solange aus dem Wahrgenommenen keine unterschiedliche Handlung erfolgt, lässt sich die Frage ob mein Blau auch dein Blau ist, also nicht beantworten.

Simone Weber

„Mein Alltag hat sich nicht gross verändert, seit ich ganz erblindet bin“

„Mein Alltag hat sich nicht gross verändert, seit ich ganz erblindet bin“

Pino Covino (49) arbeitet in der Vista Klinik in der Telefonzentrale. Schon als Kind konnte er weniger sehen als andere – seit zehn Jahren ist er ganz blind. Hier erzählt er, wie er seinen Alltag meistert ohne etwas zu Sehen.

Es ist Sommerzeit! Gehst du in die Ferien?
Pino Covino: Ja klar, ich kann alles normal machen. Meistens fahre ich mit meiner Familie und den Hunden nach Italien. Auch zu Hause auf dem Balkon ist es schön!

Wie kommst du im Alltag zurecht, ohne dich auf deine Augen verlassen zu können?
Pino Covino: Ich bin mit einem Blindenstock unterwegs. Es ist praktisch, dass meine Schwester auch in der Vista arbeitet, so komme ich meistens mit ihr. Wenn das nicht möglich ist, gehe ich alleine. Mein Alltag hat sich nicht gross verändert, seit ich ganz erblindet bin. Aber ich kann natürlich nicht mehr selbstständig überall hingehen, wo ich will. Ich brauche Hilfe und muss immer alles organisieren. Ich wohne mit meiner Frau, meiner Tochter und zwei Chihuahuas zusammen. Meistens mache ich die Sachen zusammen mit meiner Frau. Wir gehen oft zusammen einkaufen. Es gibt ja auch viele technische Hilfsmittel. Für Sehbehinderte hat sich vieles verbessert.

Was ist die Ursache deiner Sehbehinderung?
Pino Covino: Das ist ein genetischer Fehler, also eine Erbkrankheit. Von klein auf hatte ich Probleme mit meinen Augen, aber damals – vor 40 Jahren – wusste man nicht genau, was es ist. Erst mit 20 wurde ich aufgeklärt, was es für eine Krankheit ist. So ist es schubweise schlechter geworden.

Wie war es für dich, immer weniger zu sehen?
Pino Covino: Es hat mit Nachtblindheit angefangen. Ich hatte schon von Anfang an zu kämpfen, kann man sagen. In der Schule sass ich immer ganz vorne und habe bei meinen Nachbarn abgeschrieben. Aber ich konnte die Schule und eine Lehre ganz normal abschliessen. Danach arbeitete ich als Radio- und Fernsehverkäufer. Seit Anfang 2000 wurde es immer schlechter. Jetzt sehe ich nichts mehr, bloss hell und dunkel. Je nach Lichtverhältnissen sehe ich einen Schatten.

Siehst du etwas in deinen Träumen?
Pino Covino: Ja, ich habe bis vor 10 Jahren ja noch gesehen. So träume ich normal wie jeder andere auch.

Was sind deine Aufgaben hier in der Vista Klinik?
Pino Covino: Ich bin Vermittler in der Telefonzentrale und leite Anrufe weiter. Ich habe ein gutes Gedächtnis, die meisten Nummern kann ich auswendig. Sonst hilft mir die Sprachausgabe beim Computer.

Wie benutzt du den Computer?
Pino Covino: Ich habe ein spezielles Programm, mit dem ich alles mit der Tastatur bedienen kann. Anhand von Gumminoppen auf den Tasten kann ich mich orientieren. Ich habe ja schon hier gearbeitet, als ich noch sehen konnte. So kenne ich das Umfeld in- und auswendig.

War es schwierig für dich eine Arbeit zu finden?
Pino Covino: Für Sehbehinderte im Allgemeinen ist es natürlich schwierig. Ich hatte grosses Glück hier. Nachdem meine Augen schlechter wurden, habe ich eine Umschulung gemacht. Für den eidgenössischen Kaufmann brauchte ich eine Praktikumsstelle. So habe ich mich bei der Vista Klinik beworben und sie haben mich gleich genommen. Ich war davor schon Patient hier, so haben sie mich schon gekannt. Nach dem Praktikum erhielt ich eine Festanstellung. An dieser Stelle möchte ich mich gerne sehr herzlich bei der Vista Klinik bedanken für die Hilfsbereitschaft. Das finde ich sehr schön!

Behandeln dich die Menschen anders als früher, als du noch gesehen hast?
Pino Covino: Es kommen mehr Leute auf mich zu und sprechen mich an. So habe ich schon einige Bekanntschaften gemacht. Das habe ich gerne! Heute erkenne ich die Menschen an ihren Stimmen und Schritten. Jeder läuft in einem anderen Tempo.

Haben sich deine anderen Sinne stärker entwickelt, nachdem deine Augen immer weniger gesehen haben?
Pino Covino: Ja, sicher. Ich speichere viel mehr im Gedächtnis. Vom Gehör her weiss ich, wo ich gerade bin – ob das Trämli beispielsweise grad anhält. Das ist wichtig. Wenn auf der Baustelle der Presslufthammer so laut ist, dass ich nichts mehr höre, habe ich Schwierigkeiten mich zu orientieren. Dann warte ich einfach oder frage einen Passanten. Es gibt auch viele Leute, die mich ansprechen und fragen, ob ich Hilfe brauche. Sie sind sehr hilfsbereit. Sonst schreie ich einfach ins Tram hinein, ob dies die Nummer 1 oder 2 ist. Ich bekomme immer eine Antwort!

Dieses Interview führte Sara Bagladi