Dauerwelle für die Wimpern

Dauerwelle für die Wimpern

Ein schöner Augenaufschlag ist nicht zu unterschätzen. Damit dieser seine volle Wirkung entfaltet, wird auch gerne mal künstlich nachgeholfen. Dabei ist Frau erfinderisch: Von künstlichen Wimpern über Wimpernverlängerung bis zur Wimperndauerwelle gibt es so einiges – doch was sind die Folgen für unsere Augen?

Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind die künstlichen Wimpern im Einsatz – damals noch vor allem als Verschönerung der Schauspielerinnen in Stummfilmen. Im Jahrhundert des Instagram angekommen, gehört die künstliche Verdichtung und Verlängerung durch falsche Wimpern nun auch zum Alltag.

Falsche Wimpern

Das dünne Bändchen mit den einzelnen Wimpernsträngen wird über der eigenen Wimpernlinie angebracht. Doch wie bei allem, das ins, ans oder ums Auge geht, ist auch hier Vorsicht geboten. Vor allem der Leim, mit dem die Wimpern angeklebt werden, kann für das Auge unverträglich sein und auf dem Lid oder sogar im Auge Irritationen verursachen. Zudem bleibt der Leim auch nach dem Abschminken gerne noch fest am Augenlid kleben, was wiederum das Entfernen der falschen Wimpern zur Tortur machen kann. Den Leim dann wieder abzubekommen erfordert mehr Krafteinsatz, als bei den Augen jemals angewendet werden sollte.

Aufgrund dieses Problems hat die Beauty-Welt mittlerweile eine Alternative erfunden: Falsche Wimpern, die sich am Auge halten, indem sie die natürlichen Wimpern zwischen winzigen Magneten einklemmen. Diese anzubringen ist wohl aufgrund der Grössenskala eher ein Gepfriemel – ob das angenehmer ist, als Wimpern anzukleben, muss wohl jeder für sich entscheiden.

Wimpern-Extensions

Auch sehr beliebt ist mittlerweile die künstliche Wimpernverlängerung beim Profi. Dabei verlängert der Wimpernstylist jede einzelne Wimper – das dauert auch gerne mal über zwei Stunden und hat, wie jede Schönheitsbehandlung, so seinen Preis.
Doch auch hier kann einiges schief gehen: Werden die Wimpern nicht einzeln verlängert, sondern mehrere zusammengeklebt, kann dies das Wachstum behindern und dazu führen, dass die natürlichen Wimpern ausfallen. Zudem können falsch angebrachte Extensions die Sicht behindern oder das Auge verletzen.

Wimpern-Dauerwelle – Drama, Baby

Wer sich nicht mit dem Anbringen (lassen) von künstlichen Wimpern herumschlagen möchte, kann den eigenen Wimpern mit dem sogenannten Wimpern-Lifting frischen Schwung verleihen. Gerade kurze und feine Wimpern wirken so gleich dramatischer.
Dabei werden die natürlichen Wimpern mit speziellen Gels behandelt und über eine kleine Silikonrolle nach oben gezogen. Durch die Wirkstoffe im Gel übernehmen sie die Wölbung der Rolle, ähnlich wie bei einer Dauerwelle fürs Haar.

Seit geraumer Zeit werden dafür sogar Do-It-Yourself-Sets verkauft, die die schnelle und günstige Wimpernwelle für zuhause versprechen. Was in Video-Anleitungen auch schnell und einfach aussieht, ist jedoch nicht ganz ohne. Werden die Wimpern nämlich nicht gerade über das Silikonröllchen gezogen oder überkreuzen sich, dann bleiben sie auch genauso stehen und zwar so lange, wie auch die richtig durchgeführte Wimpernwelle hält: nämlich sechs bis acht Wochen. Das Resultat: Ein eher gewöhnungsbedürftiger Look, der wohl nie im Trend sein wird.

Solche Anwendungsfehler beeinträchtigen zum Glück nur das Äussere – schlimm wird es aber, wenn die fürs Lifting angewandten Substanzen mit dem Auge in Berührung kommen. Wenn auch deutlich milder als bei der Dauerwelle für die Haare, verursachen sie doch Verätzungen und Reizungen, die sehr unangenehm sind und einige Zeit für schlechte Sicht, trockene Augen sowie Juckreiz und Brennen sorgen können.

Da auch die schönsten und schwungvollsten Wimpern nicht von einem knallroten Auge ablenken können, ist bei den verschiedenen Methoden zur Wimpernverlängerung immer der Verstand gefragt. Damit das mit dem Augenaufschlag klappt, macht es Sinn, sich nur von professionell und hygienisch arbeitenden Kosmetikstudios die Wimpern krümmen zu lassen und dem Auge auch öfters eine Pause von falschen Wimpern zu gönnen.

Shannay Zynamon

Sind Sehschwächen erblich?

Sind Sehschwächen erblich?

Wie gerne hätten Sie Mamas Mut, Papas Gold-Kehlchen, Omas Weisheit oder Opas Geduld geerbt. Aber nein, es hat nur für seine oder ihre Sehschwäche gereicht!

Sie sind nicht alleine mit diesem „Familienerbstück“, sondern in bester Gesellschaft. Es signifikant wahrscheinlicher, dass die Kinder kurzsichtiger Eltern auch kurzsichtig werden. Dasselbe gilt für Hornhauverkrümmungen. 

Es gibt ganz viele erbliche Sehschwächen. Hier sind einige aufgeführt:

Farbenblindheit

Farbenblindheit, in der Fachsprache Achromatopsie genannt, ist weit verbreitet. Sie tritt aber fast nur bei Männern auf. Gen-Mutationen beeinträchtigen die Netzhautzellen, die für die Farbwahrnehmung verantwortlich sind. Am häufigsten ist die Rot-Grün-Sehschwäche.

Juvenile Retinoschisis 

Diese Krankheit ist selten und führt zur Spaltung der Netzhaut im Sehzentrum. Dies kann zu einer deutlichen Sehschwäche führen.

Morbus Best 

Morbus Best tritt häufig bei Kindern auf. Bei dieser Erkrankung kommt es in der Fovea centralis, dem Punkt des schärfsten Sehens, zu Ablagerungen. Diese können zu Gewebeveränderungen und Beeinträchtigungen der Sehstärke führen. 

Morbus Stargardt 

Im Falle des Morbus Stargardt liegt eine seltene Degeneration der Makula vor. Sie führt zu Ablagerungen in der Netzhaut und somit zur Schädigung der normalen Fotorezeptoren, also der Sinneszellen, die für die Lichtwahrnehmung verantwortlich sind.

Diabetische Retinopathie 

Eine relativ häufige Erkrankung der Netzhaut aufgrund von Diabetes, der wiederum genetische Faktoren hat. Bei der diabetischen Retinopathie kommt es zu Durchblutungsstörungen der kleinsten Blutgefässe der Netzhaut. Es bilden sich Ödeme, also Flüssigkeitseinlagerungen. Die Folge: Sehschwächen.

Retinitis pigmentosa 

Retinitis pigmentosa ist eine degenerative Netzhauterkrankung. Es wird zwischen einer juvenilen und einer adulten Ausprägung unterschieden. Warnsignale sind Nachtblindheit sowie sukzessive eingeschränktes Gesichtsfeld auch schon bei Tag. Spätere Symptome sind Störungen in der Wahrnehmung von Farben bis hin zur Blindheit.

Wann sollten Sie handeln?

Wenn in Ihrer Familie eine der oben genannten Krankheiten bekannt ist, sollten Sie Ihre Kinder untersuchen lassen. Denn je früher die Diagnose vorliegt, desto eher kann etwas dagegen unternommen werden. Falls bei einem Patienten Diabetes mellitus bekannt ist, empfehlen sich regelmässige Augenkontrollen.

Gregor Szyndler

Was Sie über Kurz- und Weitsichtigkeit wissen müssen

Was Sie über Kurz- und Weitsichtigkeit wissen müssen

Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit sind sehr verbreitet. Doch was unterscheidet die beiden Formen der Fehlsichtigkeit genau? In diesem Artikel erfahren Sie mehr über beide Befunde.

Kommt ein Kunde zum Optiker. „Ich brauche eine Brille“, sagt er. – „Kurzsichtig oder weitsichtig?“, fragt der Optiker. – Sagt der Kunde: „Natürlich durchsichtig!“

Was dieser Witz so locker-flockig rüberbringt, betrifft 25 Prozent der Weltbevölkerung. In Asien sollen es bei den unter 20-jährigen sogar 95 Prozent sein. Auch in Europa liegt der Anteil kurzsichtiger Jugendlicher bei fast 50 Prozent.

Gemeinsamkeiten

Zu einer Kurz- oder Weitsichtigkeit kommt es, wenn ein Missverhältnis zwischen der Länge des Augapfels und der Brechkraft der Linse vorliegt – es entstehen Brechungsfehler. Das heisst, der Brennpunkt, wo sich das Licht bündelt, ist am falschen Ort. Liegt der Brennpunkt vor der Netzhaut spricht man von einer Kurzsichtigkeit, liegt er dahinter, ist man weitsichtig. Bei beiden Befunden werden die Abweichungen in Dioptrien angegeben. Wer kurz- oder weitsichtig ist, darf sich also über ein zusätzliches Accessoire – nämlich eine Brille – freuen.

Wissenswertes zur Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit wird in der Fachsprache Myopie genannt. Entweder ist der Augapfel zu lang oder die Brechkraft der Linse im Verhältnis zur Länge des Augapfels zu gross: was in der Nähe liegt, wird scharf gesehen, alles andere nicht. Es gibt eine genetische Disposition für Kurzsichtigkeit, die im Kindesalter auch von Umwelteinflüssen verstärkt werden kann. Beispielsweise kann ausgiebige Bildschirmzeit tatsächlich die Kurzsichtigkeit begünstigen.

Brillen und Kontaktlinsen korrigieren Kurzsichtigkeit; auch Laser-OPs kommen infrage. Dabei wird die Brechkraft der Hornhaut reduziert. Daneben gibt es „Nachtlinsen“, die die Zellen der obersten Hornhautschicht komprimieren. Resultat: Sie sehen auch ohne Linse tagsüber scharf. Die Wirkung hält bis zu 36 Stunden an. Diese Behandlung ist erst seit einigen Jahren möglich und kann nicht für alle Dioptrien eingesetzt werden.

Wissenswertes zur Weitsichtigkeit

Bei der Weitsicht oder Hyperopie ist der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft der Linse zu kurz – beziehungsweise die Brechkraft in Relation zur Länge des Augapfels zu schwach. Je näher ein Gegenstand ist, umso unschärfer wird er gesehen.

Bei Geburt sind alle Kinder weitsichtig, weil der Augapfel noch zu kurz ist. Das reduziert sich aber meist mit den Jahren. Liegt eine Weitsichtigkeit im hohen Dioptrie-Bereich vor, muss sie im Kindesalter behandelt werden. Diese Fehlsichtigkeit kann meist mit Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Bei Erwachsenen kommt auch eine Laser-OP in Frage.

Hauptsache, Sie sehen wieder scharf!

Mit regelmässigen Untersuchungen beim Optiker oder Augenarzt bleiben Sie im Bild über Ihre Sehkraft. Oder, um auf den eingangs erzählten Witz zurückzukommen, antworten Sie auf die Optikerfrage: „Kurzsichtig oder weitsichtig?“ doch ganz einfach und lässig: „Egal, Hauptsache ich sehe wieder scharf.“

Gregor Szyndler

„Ich sehe was, was du nicht siehst …“ – blinde Künstlerinnen und Künstler

„Ich sehe was, was du nicht siehst …“ – blinde Künstlerinnen und Künstler

Wie sehr unsere Kunstwelt aufs Sehen ausgerichtet ist, zeigt sich, wenn Blindheit und Kunst aufeinander treffen. Je nach Kunstgattung kann man es sich besser oder weniger gut vorstellen, dass Künstlerinnen und Künstler blind oder stark eingeschränkt sind in der Sehleistung.

Den Atem des Dirigenten hören

Wenn es eine Kunstrichtung gibt, in der Frau Hinz und Herr Kunz am ehesten mit Blinden rechnen, dann ist das Musik. Ob Stevie Wonder, Blues-Legende Blind Willie McTell oder Andrea Bocelli, dem auch 27 Glaukom-Operationen das Augenlicht nicht retten konnten: Musik erreicht uns über die Ohren. Folglich spielt der Sehsinn eine untergeordnete Rolle.

Der blinde Pianist Nobuyuki Tsujii sagt, dass das Zusammenspiel mit Orchestern gar nicht so schwer sei. Schliesslich höre er den Atem des Dirigenten und seine Schritte – das genüge ihm als Hinweis auf seine Einsätze. Er hatte aber auch einen Klavierlehrer, der ein Lernsystem für ihn entwickelte und viele Stunden Arbeit investierte, um ihm auch nur schon ganz kurze Sequenzen neuer Werke beizubringen.

Film: Blindes Mädchen spielt blindes Mädchen

Im Film ist es üblich, dass sehende Schauspielerinnen und Schauspieler Blinde oder Sehbeeinträchtigte spielen. Die Regisseure nehmen den Schauspielern das Augenlicht mit Brillen oder Linsen und lassen sie so spielen. Das Resultat sind oft unbeholfene schauspielerische Leistungen. Zeit.de-Journalistin Christiane Link schreibt: „Sehende, denen man das Augenlicht nimmt, sind hilflos. Blinde Menschen, die daran gewöhnt sind, nichts zu sehen, sind das aber nicht.“

Wenn dann einmal ein blindes Mädchen ein blindes Mädchen spielt – wie in diesem Tatort – fällt das nicht unbedingt sofort auf. Warum auch? Es ist ja auch nur eine Rolle unter vielen. Eine junge Frau, die nicht sehen kann. Punkt. Die junge Schauspielerin Vreni Bock, blind geboren, erwartete bei diesem Dreh keine Sonderbehandlung. Vielmehr gestaltet sie ihr Spiel mit denselben Hilfsmitteln, die ihr im Alltag helfen.

Fotografie: Gläserne Türen überwinden

Nicht nur vor, auch hinter der Linse finden sich blinde Menschen. Etwa Pete Eckert, ein gefeierter Fotograf, der in seiner Jugend erblindete. „Ich nahm die Fotografie nicht ernst, bis ich total erblindet war“, schreibt er.

Eckert kreiert mit Mehrfachbelichtungen und Lichteffekten betörende Fotos. Über seinen Werdegang nach der Erblindung schreibt er: „Frauen sind mit gläsernen Decken konfrontiert. Blinde mit einer gläsernen Türe. Wir dürfen in die Berufswelt hineinschauen, werden aber nicht hereingelassen.“ Was in Bezug auf viele Künstlerinnen und Künstler stimmt, trifft aber nicht auf Eckert zu. Denn er gestaltet längst auch Werbekampagnen für VW.

Malerei: Malend nicht mehr blind sein

Während Eckert mit Licht und Mehrfachbelichtungen Kunstwerke zaubert, vertraut Eşref Armağan auf Öl- und Aquarell-Farben und seine Finger. Dieser berühmte türkische Maler kam zwar blind zur Welt, malt aber wie ein Sehender. Sein Talent wurde früh gefördert – sein Vater schenkte ihm Spielzeugversionen von Menschen, Autos und Häusern, die er ertastete und zeichnete. So macht er es bis heute.

Er sagt: „Wenn ich male, bin ich nicht mehr blind.“ Dies bestätigten auch Neurologen und Psychologen, die ihn beim Malen untersuchten. Seine Gehirnaktivitäten sind die gleichen wie bei Sehenden. Das faszinierende Fazit: Die Grundlagen des räumlichen Vorstellungsvermögens sind bei Sehenden und Blinden dieselben.

Strategien, Methoden und die richtige Hilfe

Es fällt auf, dass sich in allen Kunstsparten Beispiele von blinden Menschen finden. Ob blind geboren oder erblindet: alle fanden sie Strategien und Methoden, um mit dem Handicap umzugehen. Sie brauchen aber auch gezielte Unterstützung.

Alle erwähnten Künstlerinnen und Künstler bleiben unbeeindruckt, wenn Sehende ihre Kunst aufgrund der Blindheit besonders würdigen. Sie wissen vielleicht besser als viele sehende Kunstbetrachter, auf wie vielen Sinnesebenen Kunst stattfindet.

Gregor Szyndler

Farbenblindheit: Wenn der schwarz-weiss Film Normalität ist

Farbenblindheit: Wenn der schwarz-weiss Film Normalität ist

Die Farben von Sofa, Tapete und Vorhängen aufeinander abstimmen. Über die Farbenpracht eines Tulpenbeets staunen. Im Kunstmuseum stehen und die buntesten Gemälde bewundern. Für die meisten von uns ist das alles selbstverständlich. Dabei sind fast 200 Millionen Menschen weltweit farbenblind.

Je nachdem wie ausgeprägt die Farbenblindheit ist, desto mehr oder weniger kann sie den Alltag beeinflussen. Aussergewöhnliche Farbkombinationen der Kleidung tragen lediglich zur Erheiterung ihrer Umwelt bei, während die Sehschwäche für Piloten oder Kapitäne ein Ausschlusskriterium sind. Höchste Zeit also, sich etwas eingehender mit dem Farbsehen zu beschäftigen. Bei „farbtüchtigen“ oder „normalsichtigen“ Menschen entstehen im Gehirn aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau alle anderen Farbnuancen durch Mischung. Für diese Wahrnehmungen sind die Zapfen auf der Netzhaut verantwortlich. Sind sie beeinträchtigt, leidet auch das Farbsehen. Es gibt verschiedene Tests, die präzisieren, was der Volksmund „farbenblind“ nennt. Menschen mit Farbsehschwäche sehen gewisse Farbschattierungen nicht in vollem Ausmass. Und dies, obwohl auf der Netzhaut alle Zapfen vorhanden sind. Nur funktionieren nicht alle Zapfen so, wie sie sollten. Betrifft die Minderfunktion die Grün-Wahrnehmung, liegt eine Deuteranomalie vor, bei einer gestörten Rot-Wahrnehmung eine Protanomalie

Wenn manche Farben fehlen

Menschen mit partieller Farbenblindheit verfügen nur über zwei statt drei Farbrezeptoren-Typen auf der Netzhaut. Fallen die Rezeptoren für Rot weg, kann das zu ernsten Einschränkungen im Alltagsleben führen, weil auch rot blinkende Signale wie Bremslichter kaum noch wahrgenommen werden.

Wenn alle Farben weg sind

Nur selten kommt die totale Farbenblindheit oder Achromatopsie vor. Betroffene sind sehr lichtempfindlich und können gar keine Farben unterscheiden. Diesen Personen bleibt meist auch der Führerschein verwehrt, weil mit der totalen Farbenblindheit oft auch ein geschwächtes Schärfesehen einhergeht.

Gendefekte verursachen Farbenblindheit

Ursache von Farbenblindheit und Farbsehschwäche sind meistens Gendefekte – von denen Männer übrigens viel häufiger betroffen sind. Es gibt aber auch Beeinträchtigungen der Farbtüchtigkeit, die mit Altersgebrechen wie Makula-Defekten einhergehen. Deshalb macht es Sinn, beim Verdacht auf Farbenblindheit den Augenarzt aufzusuchen.

Wie wird Farbenblindheit getestet?

Pseudoisochromatische Tafeln sind Farbtafeln mit Unmengen runder Flecken in verschiedenen Farbnuancen. Farbtüchtige Probanden lesen daraus Zahlen oder Buchstaben ab. Liegt eine wie auch immer geartete Farbsehbeeinträchtigung vor, sehen Probanden die falschen Zahlen oder Ziffern – oder, je nach der Schwere der Beeinträchtigung, gar keine. Um Farbsinnstörungen zu diagnostizieren, wird der Farnsworth-Panel-D15-Test eingesetzt. Dabei müssen Probanden verschieden getönte Farbplättchen sortieren. Bei der Diagnose einer Rot-Grün-Schwäche hilft das Anomaloskop – eine Art Mikroskop, in das die Probanden mit jeweils einem Auge hineinblicken müssen. Durch Schraubendrehungen müssen sie einen Farbton nachmischen. Damit kann der Grad der Farbenblindheit genau angegeben werden.

Was können Betroffene tun?

Geheilt werden kann die Farbenblindheit (noch?) nicht und auch Brillen, Kontaktlinsen oder Technik können das nicht kompensieren. Jedoch können Spezialbrillen mit roten Gläsern störende Blendungen verringern, so dass das Sehvermögen bei totaler Farbenblindheit nicht noch mehr beeinträchtigt wird. Ausserdem gibt es Brillen, die die Farbkontraste verstärken.

Gregor Szyndler

Schau mir in die riesengrossen Augen, Kleines

Schau mir in die riesengrossen Augen, Kleines

Manga und Anime sind japanische Begriffe für „Zeichentrickfilm“ und „Comic“. Mangas und Animes leben von Figuren, die riesengrosse Augen haben. Sie geniessen auch bei uns eine sehr grosse Anhängerschaft – was sich am Angebot der Kontaktlinsenhändler zeigt.

Es gibt Kontaktlinsen, die in grellen Farben, auffallenden Designs und mit einem grösseren Durchmesser als herkömmliche Linsen einen «Big Eyes»-Effekt bewirken. Die Augen erscheinen grösser und leuchtender, wie bei Puppen – oder eben in Mangas und Animes.

Die Hersteller überbieten sich gegenseitig mit Motiven: Von Blutstropfen über tierische Muster bis hin zu Batman-Fledermäusen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Schon die Namen der Kontaktlinsen machen das klar: «BigEyes Enchanter», «BlueComic Eye» und «Avatar» nennen sie sich – und so grell ihre Namen, so grell sind die Effekte, die sie mit sich bringen.

Rein dekorativ

Es gibt sogar «Manga»-Kontaktlinsen mit Sehschwächen-Korrektur. Diese sind aber in der Minderheit, so dass Leute, die diese Linsen zu rein dekorativen Zwecken einsetzen, die grössere Auswahl haben. Der Begriff «rein dekorative Zwecke» sagt schon alles: es handelt sich bei diesen Linsen um reine Accessoires, etwa für die Verkleidung bei Treffen von Manga- und Anime-Freaks, für Halloween oder die Fasnacht.

Das betonen auch die Hersteller, wenn sie bei den Produkte-Beschreibungen der Linsen warnen, dass die Motiv-Kontaktlinsen das Sichtfeld einschränken und nicht zum Autofahren zugelassen sind.

Der ultimative Big-Eye-Effekt

Eine neue Spielart dieser Trend-Linsen sind Sclera-Kontaktlinsen. Aufmerksame VistaEinblick-LeserInnen wissen, was die Sklera ist, nämlich der lederige, weisse Teil der Augenhaut. Sclera-Kontaktlinsen sind noch grösser als die oben beschriebenen Linsen und bedecken das ganze Auge, samt Sklera. So gibt es noch grössere «Big Eye»-Effekte. Sclera-Linsen sind teurer als andere Motivlinsen und sind bis heute nur ohne Korrekturen erhältlich.

Solche Motiv-Kontaktlinsen dürfen nur während maximal acht Stunden getragen werden. Sie sind keine Wegwerflinsen, mit der richtigen Pflege und Wartung können sie immer wieder getragen werden. Am besten eignet sich eine All-in-one-Lösung. Auf keinen Fall darf das Mittel Peroxid enthalten, da die Linsen-Farbe sonst zerstört wird.

Gregor Szyndler