Hornhautverkrümmung oder wenn man an der Punktlosigkeit leidet

Hornhautverkrümmung oder wenn man an der Punktlosigkeit leidet

Hornhautverkrümmung

​Die Hornhautverkrümmung ist ein geläufiges Gebrechen, an dem viele Menschen leiden. Allerdings nehmen viele Betroffene nicht einmal Notiz davon. Auch dass es verschiedene Formen der Hornhautverkrümmung gibt, wissen die wenigsten.

An einem regulären Astigmatismus leidet so gut wie jeder Mensch – nur, dass viele Betroffene das gar nicht merken. Der Grund: Die Hornhaut ist von Natur aus nicht perfekt rund geformt, wodurch wir alle sozusagen eine leichte Hornhautverkrümmung haben. Allerdings ist die Verformung bei einigen Menschen so gering, dass sie keine Folgen zu beklagen haben, während sich bei anderen Betroffenen eine starke Fehlsichtigkeit bemerkbar macht.

Stab statt Punkt​

Astigmatismus

Beim Astigmatismus wird das Licht stabförmig oder chaotisch auf die Netzhaut projiziert.

Die Hornhautverkrümmung wird im Fachjargon Astigmatismus, aber auch Stabsichtigkeit genannt. Doch was ist damit eigentlich gemeint?
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Punktlosigkeit, denn bei einer «normal» geformten Hornhaut wird das einfallende Licht in einem konzentrierten Punkt auf die Netzhaut projiziert. Bei einer Hornhautverkrümmung ist dies nicht mehr möglich – die Projektion auf die Netzhaut ist nicht punkt- sondern stabförmig. Die Verformung wird deshalb auch als Stabsichtigkeit bezeichnet. Je nach Stärkegrad sieht der Betroffene entweder wenig bis extrem unscharf.

Regulärer und irregulärer Astigmatismus

In der Medizin wird zwischen dem regulären und dem irregulären Astigmatismus unterschieden:

  • Regulärer Astigmatismus: Das Licht wird zwar falsch auf die Netzhaut projiziert, aber dennoch nach einem gewissen Muster. Die Hornhaut ist «nur» verformt.
  • Irregulärer Astigmatismus: Das Licht fällt nahezu chaotisch auf die Netzhaut, denn die Hornhaut ist nicht verformt, sondern sie weist eine unregelmässige gewölbte Oberfläche auf.

Die Folge beider Arten der Hornhautverkrümmung ist die Gleiche: Das Licht wird falsch auf die Netzhaut projiziert. Weil aber beim irregulären Astigmatismus das Licht viel chaotischer auf die Netzhaut fällt als beim regulären, ist es schwieriger, ihn zu korrigieren. Brillen beispielsweise nützen bei Letzterem nichts. Beide Formen lassen sich jedoch mittels Kontaktlinsen und Operationen ausgleichen.

Vererbt oder erworben?

Eine Behandlung lohnt sich, sobald sich eine Fehlsichtigkeit bemerkbar macht. Wenn man nichts unternimmt, wird das Auge versuchen, den Brechungsfehler zu korrigieren. Diese Akkommodation kann beispielsweise zu Kopfschmerzen oder Augenbrennen führen. Es kommt zu einer Überanstrengung der Augen, weil sie den Fehler nicht ausgleichen können.

Doch was löst einen Astigmatismus eigentlich aus? Der reguläre Astigmatismus ist tatsächlich meist angeboren. Er ist somit erblich bedingt und betrifft in diesem Fall auch meist mehrere Familienmitglieder. Zudem kommt es nicht selten vor, dass sich die Augen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr stark verändern und sich die Hornhaut verformt.

Ein irregulärer Astigmatismus hingegen wird häufig durch äussere Faktoren verursacht. Dazu gehören unter anderem Erkrankungen, Verletzungen oder Hornhautvernarbungen nach operativen Eingriffen.

Ob man an einer Hornhautverkrümmung leidet, kann der Augenarzt mittels diverser Untersuchungsmethoden abklären. Dabei lassen sich auch Art und Ausprägung des Astigmatismus näher bestimmen – wobei ein irregulärer Astigmatismus schwerer zu entdecken ist als ein regulärer.

Konstant oder zunehmend?

Ein regulärer Astigmatismus hat nebst der einfacheren Erkennbarkeit zudem den Vorteil, dass er häufig konstant bleibt, im Unterschied zu seinem irregulären Pendant, bei dem eine Verschlechterung eintreten kann.

Was beide Formen aber gemein haben ist, dass sie oftmals von anderen Gebrechen wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Alterssichtigkeit begleitet werden. Das nennt man Astigmatismus compositus.

Florencia Figueroa

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… rund um das Thema Hornhaut finden Sie auf unserer Website.

Halluzinationen oder doch Augenprobleme? Fehldiagnosen in Pflege- und Altersheimen

Halluzinationen oder doch Augenprobleme? Fehldiagnosen in Pflege- und Altersheimen

Augenprobleme_Fehldiagnosen
Demenz, psychisches Leiden oder doch Probleme mit den Augen? Unterschiedliche Krankheiten, die oft mit ähnlichen Symptomen einhergehen: Wenn es um Halluzinationen oder Sehstörungen geht, dann spätestens sollte auch der Augenarzt noch einen Blick darauf werfen.
«Personen beschreiben mir, sie sehen Schlangen am Boden oder einen Baum im Gang, eine Pfütze, eine Baustelle oder ein Loch im Boden, dass es gar nicht gibt. Manche sehen auch Punkte, Strukturen oder geometrische Zeichen», erzählt Stephan Hüsler, Geschäftsleiter von Retina Suisse. Er leidet selbst an einer Netzhautdegeneration und ist mittlerweile fast vollständig erblindet. Heute steht er anderen Erkrankten beratend zur Seite.

«Das ist das Alter …»

… ist eine Äusserung, die man im Alltag gerne scherzhaft verwendet, wenn man beim Betreten eines Raumes schon wieder vergessen hat, was man dort eigentlich tun wollte, die Rufe der Nachbarin erst nach dem dritten Mal hört oder den Lesestoff immer weiter weghalten muss, um noch scharf zu sehen. Auch die Augen werden, von dem gesellschaftlich gerne kritisch beäugten Alterungsprozess unseres Körpers, nicht verschont. Doch genau dieser Tatsache wird bei Diagnosen in Alters- und Pflegeheimen oft leider nicht genug Beachtung geschenkt.

«Wenn Frau Müller aus Zimmer 423 mit einer schmutzigen Bluse zum Essen kommt, vielleicht in die falsche Richtung läuft und ihren Tisch nicht mehr findet, beim Essen kleckert oder ein Glas umstösst, Kleider trägt, die nicht zusammenpassen, Personen nicht erkennt, häufiger Dinge vergisst, keine Bücher mehr liest oder unaufmerksam beim Fernsehen ist, dann wird irgendwann ein Demenztest gemacht», erklärt Hüsler. «Das Problem dabei ist, dass diese Demenztests für Sehende ausgelegt sind.»
Dementzest

Sehprobleme können die Resultate bei Demenztests verfälschen

Eine weit verbreitete Aufgabe bei diesen Demenztests ist zum Beispiel der Uhrentest. Der Patient wird aufgefordert, eine Uhr mit Stundenziffern zu zeichnen und darin verschiedene Uhrzeiten einzuzeichnen. «Das ist etwas, was ich aber nicht machen kann, wenn ich nicht mehr richtig sehe», weiss Hüsler aus eigener Erfahrung. Ausgehend von den Testergebnissen werden dann häufig falsche Diagnosen gestellt.

Im Auge des Betrachters

Wie Studien zeigten, sind Sehstörungen bei Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen häufig auf simple Ursachen zurückzuführen. Eine unbemerkte Fehlsichtigkeit, falsch eingestellte oder manchmal sogar einfach nur stark verschmutzte Brillengläser richten schon einiges an. Eine andere Ursache kann auch die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) sein.

 

«Viele Leute mit AMD beschreiben mir ähnliche Symptome: sie sehen Dinge, die nicht da sind, woraufhin die Pfleger dann meist von einer psychischen Krankheit ausgehen»,

Bei der Makula handelt es sich um den Bereich auf der Netzhaut, der für das zentrale, scharfe Sehen zuständig ist – auch als gelber Fleck bekannt. Durch Ablagerungen von Stoffwechselprodukten lässt die Fähigkeit scharf zu sehen mit zunehmendem Alter oft nach. Die Fähigkeit, sich im Raum zu orientieren, bleibt jedoch bestehen. Die AMD ist in der westlichen Welt die häufigste Augenerkrankung bei Menschen über 50 Jahren. «Viele Leute mit AMD beschreiben mir ähnliche Symptome: sie sehen Dinge, die nicht da sind, woraufhin die Pfleger dann meist von einer psychischen Krankheit ausgehen», so Hüsler. Denn eben auch psychische Leiden, wie schwere Depressionen oder Schizophrenie, bringen Sehprobleme und Halluzinationen mit sich. Meist sind es Trugbilder, Lichteffekte, Muster oder Bilder von Objekten, Tieren oder Menschen, die Ängste und Wahnvorstellungen wecken.

Der Betrug unseres Gehirns

Jeder hat einen blinden Fleck und zwar an jener Stelle, wo der Sehnerv das Auge verlässt. Damit unsere Optik nicht der eines Emmentaler Käses ähnelt, greift unser Gehirn stattdessen auf die Reize der umgebenden Regionen zurück und füllt das Bild so automatisch aus. Dieser Effekt wird auch als «filling in» bezeichnet.
Auch bei einem Gesichtsfeldausfall, einem Skotom, greift das Gehirn auf die Fähigkeit des «filling in» zurück. Während es sich beim blinden Fleck nur um einen kleinen Bereich handelt, können bei einem Skotom, je nach Ausmass, manchmal ganze Flächen nicht mehr gesehen werden – Gläser, Strassenlaternen, sogar Radfahrer verschwinden dann einfach komplett. «Menschen mit einem Zentralskotom sehen da einfach das, was logisch ist. Und das ist häufig die Erklärung dafür, dass man verschwommen sieht und Personen nicht erkennt», klärt Hüsler auf.

Als Folgeerkrankung der Altersbedingten Makuladegeneration als auch des Skotoms kann das Charles-Bonnet-Syndrom auftreten.

Wer hat’s erfunden, beziehungsweise entdeckt …

Charles Bonnet

Charles Bonnet wurde Namensgeber der gleichnamigen Erkrankung, an der auch sein Grossvater litt

… das war der Schweizer Naturwissenschaftler und Philosoph Charles Bonnet im 18. Jahrhundert. Sein Grossvater erblindete nach einer Augenoperation und berichtete ihm fortan von lebhaften Halluzinationen. Bonnet schrieb über das, was sein Grossvater ihm erzählte und wurde so posthum zum Namensgeber des Syndroms. Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung. Sie tritt bei Menschen auf, die an einer Sehstörung erkrankt sind, deren Sehnerv verletzt ist oder die bereits erblindet sind. Ihnen kann allerdings keine psychische Erkrankung nachgewiesen werden. Dennoch berichten sie von Trugerscheinungen, die bis hin zu angsteinflössenden Halluzinationen reichen. In der Wissenschaft und Medizin geht man davon aus, dass sie durch Reizentzug entstehen: Das Sehzentrum ist noch aktiv, wird jedoch nicht mehr mit ausreichend Reizen und Informationen versorgt, weswegen das Gehirn eigene Bilder produziert, die einem dann als Halluzination erscheinen. Auch andere Sinnesorgane können ähnliche Phänomene, wie etwa Stimmen, Phantomschmerzen oder Geruchsillusionen hervorrufen.

Die Augen offenhalten, ist das eine …

… die Offenheit im Umgang mit anderen, ist aber mindestens genauso wichtig. Denn ein grosses Problem ist, das Betroffene sich häufig nicht getrauen, über ihre Wahrnehmungen zu sprechen. Die Angst davor ist gross. Daher fordert Hüsler: «Ich denke, dass man die Ärzte und Pfleger in den Spitälern und Heimen dafür sensibilisieren sollte, dass es das Charles-Bonnet-Syndrom gibt. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich denke, dass viele Ärzte noch nie von diesem Syndrom gehört haben, das also gar nicht kennen.“

Auch bei Demenztests ruft Hüsler zu mehr Sensibilität auf: «Wenn man vielleicht schon weiss, dass die Person an einer Sehschwäche leidet, dass man dann eben die nicht-visuellen Demenztests nimmt, die es ja schliesslich gibt.» Auch Angehörige können die Heimbewohner unterstützen, indem sie, im Falle einer nicht ganz nachvollziehbaren Diagnose gegebenenfalls weitere Meinungen einholen, Fachärzte zu Rate ziehen und vor allem für die betroffene Person da sind und offen mit ihnen über Diagnosen, Gefühle und Ängste sprechen.

Nicht weniger wichtig und absolute Pflicht sind mit zunehmendem Alter jedoch die jährlichen Untersuchungen beim Augenarzt: Dadurch können Krankheiten frühzeitig erkannt und Fehldiagnosen bestmöglich verhindert werden.

Samantha Happ

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Da werden Sie aber Augen machen!

Virtual Reality-Brillen – gut für deinen Augenblick?

Virtual Reality-Brillen – gut für deinen Augenblick?

Virtuelle Welten gehören zu unserem Alltag. Um sie zu erforschen, benötigen wir die passende Brille. Doch welche Auswirkungen hat das Tragen von Virtual Reality-Brillen eigentlich auf unsere Augen und unser Sehverhalten?

VR-Brille

Sie sind schon lange den Kinderschuhen entschlüpft und nicht mehr nur in der Spielebranche zuhause – Virtual-Reality-Brillen kommen mittlerweile auch in der Industrie – Stichwort Automobile – zum Einsatz. Zudem nutzen Reiseveranstalter sie, um beispielsweise den Gang über das Kreuzfahrtschiff oder durch das Hotel zu simulieren. Gleiches gilt für Makler, die so ohne aufwendige Besichtigung ihren Kunden einen realen Eindruck von der Immobilie ermöglichen können.

So nah und doch so fern

Bei den heutigen VR-Brillen handelt es sich in der Regel um ganze Headsets – sie verfügen demnach nicht nur über Displays fürs optische Vergnügen, sondern beinhalten auch Kopfhörer und sind in der Lage, unsere Kopf- und Körperbewegungen zu erfühlen. Vielfach werden auch Controller mitgeliefert, die mit den Händen bewegt werden. Die Headsets selbst werden mittels Kabel an den Computer angeschlossen oder sind so konstruiert, dass sich ein Smartphone hineinstecken lässt. In beiden Fällen sorgen die eingebauten Linsen dafür, dass wir das Gefühl haben, wir Blicken in die weite Ferne, obwohl sich das Bild eigentlich direkt vor unseren Augen befindet. Wir stehen optisch plötzlich mitten drin im Geschehen.
Ein reizvolles Erlebnis für fast alle unsere Sinne. Vor allem aber der Sehsinn wird beansprucht. Daher darf die Frage erlaubt sein, ob der Nutzen von VR-Brillen in irgendeiner Art und Weise negative Auswirkungen auf unsere Augen hat. Vor allem langfristig.

Wenn es mal wieder länger dauert

VR-Brille in der Industrie

Der Sehsinn ist stark gefordert in der virtuellen Welt

Bereits im Jahr 2016 veröffentlichte der Berufsverband der Augenärzte Deutschland e.V. eine Pressemitteilug mit dem Titel «Mit VR-Brillen wird das Sehen anstrengender». Schon damals gab es keine fundierten Studien zum Thema. Daran hat sich auch vier Jahre später wenig geändert. Und auch die grundlegende Problematik, die unsere Augen durch das Tragen von VR-Brillen erleiden, ist gleichgeblieben. Es ist der Wechsel zwischen Fern- und Nahsicht – oder eher der fehlende Wechsel zwischen diesen beiden. In der Realität passen unsere Augen sich nämlich konstant den äusseren Bedingungen an. Nahe Sicht, wenn wir ein Buch lesen, und der ruckartig einsetzende Fernblick, wenn wir ein Geräusch vernehmen und aufschauen. In Millisekunden schärft unser Sehnerv seinen Blick und wir sehen klar.

Beim Tragen einer VR-Brille verharren unsere Augen jedoch in der Fernblick-Position, da ihnen ja konstant Weite vorgegaukelt wird. Die Distanz zum Display vor dem Auge ist starr und die Einstellung der Schärfe erfolgt durch die Linsen im Headset. Unsere Augen sind ihrer natürlichen Arbeit beraubt. Tragen wir die VR-Brille daher lange und regelmässig, besteht die Gefahr, dass sie träge werden und nicht mehr so schnell zwischen Nah- und Fernsicht wechseln können. Es braucht mehr Anstrengung und kann länger dauern. Dies gilt zudem auch für die Zeit nach dem Tragen. Daher wird vom Autofahren oder dem Bedienen von Maschinen kurz nach dem Ablegen der VR-Brille abgeraten.

Nicht für jeden geeignet

Ein nächster heikler Punkt ist der in den meisten VR-Brillen fixe Pupillenstand bzw. Augenabstand. Dieser wird in Millimeter gemessen und gibt den Abstand beider Augen zueinander an. Weicht der reale Augenabstand von dem im Headset implementierten Abstand massiv ab, kann auch das zu Sehproblemen führen. Ebenfalls verweisen Mediziner auf das vom eingebauten Bildschirm ausgesendete Blaulicht. Es kann zu Schlafstörungen führen, wenn die VR-Brille noch kurz vor der Bettgehzeit benutzt wird.

Grundsätzlich wird zudem allen Jugendlichen unter 14 Jahren geraten, VR-Brillen nicht zu nutzen. Bis zu diesem Alter ist das mit der Nah- und Fernsicht noch nicht ausgereift. Die jungen Augen brauchen mehr Aufwand, um den unnatürlichen Ausblick zu verstehen. Bis zum 14. Lebensjahr haben die menschlichen Augen Zeit, das Leben zu erblicken. Sie lernen täglich dazu, brauchen aber auch Zeit, besonders spezielle Situationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Wenn ihnen während dieser Lernphase unnatürliche Techniken – wie zum Beispiel auch Smartphones – dazwischenfunken, kann sich das zu einem späteren Zeitpunkt auf die Gesundheit auswirken.

Der Körper ist keine Maschine

Virtuelle Welten werden unsere Realität ergänzen, morgen noch mehr als heute. Es braucht aber den bewussten Umgang, wie wir ihn eigentlich auch mit dem Smartphone, Fernseher oder Computer pflegen sollten. VR-Brillen sind cool. Sie machen Dinge möglich, die sich kaum einer hat vorstellen können. Wir laufen in einem winzigen Raum herum und sehen dabei die Weite der Savanne. Wir kämpfen gegen tausende Gegner, während wir sicher daheim im Wohnzimmer stehen.

Virtuelle Realitäten sind gut, sind sicher und ausbaufähig. Sie sind aber auch zu hinterfragen, wenn es um den gesundheitlichen Aspekt geht. Unser Körper ist keine Maschine, er reagiert und agiert entsprechend. Liefern wir ihm doch daher die meiste Zeit im Leben Reize, die er versteht. Stören wir ihn nicht im natürlichen Ablauf. Dennoch dürfen wir seine normalen Reaktionen von Zeit zu Zeit herausfordern oder vielmehr ein wenig austricksen. Wenn wir danach wieder ausreichend Zeit in der echten Realität verbringen, wird er keinen Schaden nehmen.

Wilma Fasola

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Entweder man sieht mit dem rechten oder mit dem linken Auge, aber niemals mit beiden gleichzeitig. Welches Auge zum Zug kommt, entscheidet das Gehirn – das nennt man alternierendes Sehen oder eben «Goethe-Blick».

Goethe_Blick

Haben Sie den Goethe-Blick? Hoffentlich nicht. Zwar klingt das im ersten Moment nach einer positiven Sache – dem ist aber nicht so, denn beim Goethe-Blick handelt es sich um eine Sehstörung.

Der deutsche Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang Goethe wurde damit geboren, weshalb man beim alternierenden Sehen auch vom Goethe-Blick spricht. Doch was ist das genau?

Es bedeutet, dass der Betroffene stets nur mit einem Auge sieht. Mit anderen Worten: Zuerst wird ein Auge und dann das andere benutzt, aber niemals beide zugleich. Der Grund ist, dass die betroffene Person zeitgleich weit- und kurzsichtig ist. Während das eine Auge also schlecht in die Ferne sieht, sieht das andere Auge schlecht in die Nähe.  Für das Gehirn ist das ein Problem: wenn beide Augen gleichzeitig ein Signal senden, kann es die Bildschärfe nicht korrekt einstellen. Um ein scharfes Bild zu bekommen, nimmt das Gehirn deshalb quasi eine Arbeitsteilung vor – sodass immer nur ein Auge für das Sehen zuständig ist. Welches Auge zum Einsatz kommt, entscheidet das Gehirn je nach Situation. Es ist also ein Vorgang der automatisch passiert und durch den Betroffenen nicht beeinflusst werden kann.

Selbstverständlich bringt das neue Probleme mit sich, denn für das räumliche Sehen benötigen wir zwei funktionstüchtige Augen. Wie stark der Goethe-Blick die räumliche Wahrnehmung beeinträchtigt, hängt von der Ausprägung der Sehstörung ab. Es kann also sein, dass Betroffene Probleme haben, die Distanz eines Gegenstandes richtig einzuordnen. Oder dass das Gehirn nicht in der Lage ist, ein richtiges dreidimensionales Bild zu erzeugen. Wird man allerdings damit geboren, wie Goethe selbst, nimmt man die Sehstörung nicht oder kaum wahr – weil das Gehirn nichts anderes kennt. Die Betroffenen wissen demnach meist gar nicht, dass sie den Goethe-Blick haben.

So früh wie möglich

Wenn man aber nicht weiss, dass man an einer Störung leidet, kann man auch nichts dagegen unternehmen. Beim alternierenden Sehen ist dies aber wichtig, und zwar so früh wie möglich. Ansonsten läuft man Gefahr, dass die Sehstörung nicht mehr behandelbar ist. Betroffene leiden dann beispielsweise an Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Unwohlsein.

Um die Sehstörung zu beheben, werden diverse Behandlungen angewendet. Tatsächlich ist die Brille oft nicht die geeignetste Methode. Der Grund: Dadurch, dass die Augen unterschiedliche Gläser benötigen, ist das Gewicht der Brille unregelmässig verteilt, was sich negativ auf den Tragekomfort auswirkt. Zudem scheinen die Augen durch die Gläser verschieden gross. Daher werden ab Werten von mehr als drei Dioptrien in der Regel keine Brillen mehr empfohlen. Besser geeignet für die Korrektur sind dagegen Kontaktlinsen. Unter bestimmten Umständen werden auch Laseroperationen durchgeführt.

Das Gehirn hilft sich selber

Doch was sind eigentlich die Ursachen für den Goethe-Blick? Wie bereits erwähnt, gibt es die angeborene Version. Manchmal aber wird das alternierende Sehen absichtlich vom Gehirn eingeleitet und zwar dann, wenn man ein Auge hat, das schielt. Durch das schielende Auge, das in eine andere Richtung als das gesunde Auge schaut, erhält das Gehirn zwei verschiedene Bilder, die nicht zu vereinen sind. Also verhindert das Gehirn mit dem Goethe-Blick, dass das schielende Auge ein Bild erzeugt. Das Gehirn lässt demnach nur zu, dass ein Auge sieht – und zwar das gesunde Auge. Anders gesagt: Das schielende Auge wird nie genutzt, wodurch es allerdings auch an Sehkraft verliert.

Übrigens: Manchmal leitet der Arzt auch den Goethe-Blick bewusst ein – das nennt man Monovision. Warum das so ist, wird in einem nächsten Artikel erklärt.

Florencia Figueroa

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… zur Augenheilkunde wie beispielsweise zum Fachbereich Schielen/Strabismus finden Sie hier.

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Die grössten Augenmythen III

Die grössten Augenmythen III

Augenmythen

Rund um das Auge kursieren viele Gerüchte – und zwar so viele, dass ein dritter Teil der Serie «Die grössten Augenmythen» nötig ist, um Wahres vom Falschen zu trennen.

Dass Karotten den Augen helfen, Kontaktlinsen nicht hinter die Augen rutschen und der direkte Blick in die Sonne den Augen schadet, haben wir alles schon in den beiden vorherigen Teilen der Serie «Die grössten Augenmythen» geklärt. Aber was ist mit folgenden Gerüchten? Wissen Sie, welches zutrifft und welches nicht?

Babys kommen mit blauen Augen zur Welt

Babyaugen

Der Farbstoff Melanin bestimmt die Augenfarbe

Das trifft tatsächlich auf die meisten hellhäutigen Babys zu. Der Grund ist, dass der Farbstoff Melanin, der die Augenfarbe bestimmt, in den ersten Wochen kaum vorhanden ist, weshalb sie blau erscheinen. Sobald genügend Melanin produziert wurde, färben sich die Augen in der vorgesehenen Farbe ein. In den Kontinenten Afrika, Asien und Lateinamerika werden die Babys meist mit braunen Augen geboren.

Menschen können räumlich sehen

Die meisten Menschen sind fähig stereoskopisch, also dreidimensional zu sehen – allerdings nicht alle. Menschen, die nicht räumlich sehen können, leiden an dauerhaftem Monokularsehen. Die häufigste Ursache hierfür ist Strabismus, sprich das Schielen. Inwiefern Monokularsehen therapierbar ist, hängt davon ab, wodurch das Leiden verursacht wird.

Ob jemand lügt, erkennt man am Blick

Britische Wissenschaftler der Universität Edinburgh sind dieser These auf den Grund gegangen. Zu diesem Zweck riefen sie ihre Probanden dazu auf, bei bestimmten Sachverhalten zu lügen und bei anderen die Wahrheit zu sagen. Sie konnten nachweisen, dass kein Zusammenhang zwischen der Blickrichtung und der getroffenen Aussage besteht. Wer also beim Reden nach oben rechts schaut, ist nicht zwangsläufig ein Lügner.

Rauchen schadet den Augen

Dem ist leider so, denn Nikotin gefährdet das Sehvermögen. Das pflanzliche Nervengift kann verschiedene Augenkrankheiten fördern, unter anderem den Grauen Star und die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). 

Die Brillenkorrektur ist gleich wie bei Kontaktlinsen

Das ist falsch. Die Dioptrienzahl der Brille lässt sich demnach nicht auf die Kontaktlinsen und umgekehrt übertragen. Der Grund ist, dass der Abstand von den Augen zu den Brillengläsern viel grösser ist, als jener zwischen den Kontaktlinsen und den Augen. Wer also von der Brille zu Kontaktlinsen und umgekehrt wechseln möchte, muss sich beim Optiker die Stärke der neuen Sehhilfe anpassen lassen.

Kontaktlinsen mit UV-Schutz machen Sonnenbrillen obsolet

Nein, der UV-Schutz der Kontaktlinsen reicht tatsächlich nicht aus, weil die Kontaktlinsen nicht die gesamte Fläche des Auges abdecken. Anders gesagt: Ein Teil des Auges ist der Sonne weiterhin schutzlos ausgeliefert, wodurch das Auge durch die intensive UV-Strahlung nach wie vor beschädigt werden kann. Eine Sonnenbrille ist deshalb nach wie vor der beste Schutz.

Gähnen

Gähnen sorgt für Sauerstoff und Flüssigkeit

Gähnen ist gut für die Augen

Durch das Gähnen führen wir dem Körper viel Sauerstoff zu, bewirken aber gleichzeitig auch, dass sich die Tränendrüsen entleeren – und das ist gut für die Augen. Der vordere Teil des Augapfels wird somit Flüssigkeit versorgt. Auf diese Weise wird ein Austrocknen verhindert.

Hunden sehen keine Farben

Wissenschaftler haben inzwischen in Erfahrung gebracht, dass Hunde sehr wohl imstande sind, Farben zu sehen, allerdings nicht so gut wie wir Menschen. Ihr Vermögen Farben wahrzunehmen, ist gemäss den Wissenschaftlern mit dem eines Menschen mit Rotgrün-Schwäche vergleichbar.

Kontaktlinsen lassen sich mit Leitungswasser reinigen

Nein, auf keinen Fall. Im Leitungswasser tummeln sich nämlich allerlei Keime. Zudem enthält Leitungswasser unter Umständen auch Kalk- und Salzanteile sowie Rost. Dies alles kann sich negativ auf das Auge auswirken.

Das sind nun alle Augenmythen gewesen …

Wohl kaum. Und dem kommen wir bei Gelegenheit in einem vierten Teil gerne nach.

 

 

Florencia Figueroa

Noch nicht genug?

Über welche Augenmythen haben Sie sich schon immer gewundert und möchten Sie geklärt haben? Schreiben Sie sie einfach in die Kommentarspalte.

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Eingerollte Lider

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​Die Lider, gestülpt über unsere Augen, schützen die Hornhaut. Was aber, wenn sie sich plötzlich nach innen rollen? Dann werden die Lider selbst zur Gefahr.

Entropium_eingerolltes Augenlid

Es juckt und tränt – wer kennt das nicht? Schon beginnt man das Auge zuzukneifen, wischt sich mit dem Finger drüber und meist ist das Problem gelöst. Leider funktioniert das nicht immer. Es gibt nämlich eine Krankheit, die das Auge andauernd reizt – das sogenannte Entropium. Das ist der Fachausdruck für ein Augenlid, das sich nach innen gerollt hat. Das klingt komisch, und natürlich fragt man sich sofort, wie so etwas überhaupt zustande kommt und ob man davon auch betroffen sein kann. Leider ja, denn das Entropium ist eine typische Alterskrankheit. Es gibt auch andere Auslöser, aber dazu kommen wir später.

Eine Wimper im Auge – und zwar ständig

Entropium

Die Wimpern des Unterlids sind kaum mehr zu sehen

Die Augenlider erschlaffen mit dem Alter – eine natürliche Alterserscheinung. Dadurch kann es passieren, dass sie sich nach innen drehen – sowohl die oberen als auch die unteren Lider, wobei das Entropium meist die unteren betrifft. Man erkennt die Krankheit ganz leicht daran, dass der Rand des Lids nicht mehr zu sehen ist. Die Wimpern kommen auf diese Weise direkt mit der Hornhaut in Kontakt und scheuern daran. Betroffene haben sozusagen ständig einen Fremdkörper im Auge. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch zu diversen Folgeerkrankungen führen, wie zum Beispiel zu einer Bindehautentzündung. Dass man etwas gegen das Leiden unternehmen muss, liegt demnach auf der Hand. Nur was?

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Keine Panik, es gibt Behandlungsmethoden. Wenn die Krankheit nicht allzu stark ausgeprägt ist, reicht tatsächlich ein Heftpflaster, mit dem das betroffene Lid festgemacht wird. So wird es daran gehindert, sich wieder einzurollen. Das hat zur Folge, dass das Lid wieder zu seiner normalen Form zurückfindet. In häufigen Fällen ist eine Lidoperation die Lösung.

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… denn es gibt noch andere Ursachen für ein Entropium:

  • Narbenentropium: Wenn die Bindehaut, zum Beispiel wegen einer Augenkrankheit oder aufgrund von Gewalteinwirkung vernarbt, kann es passieren, dass sich die Lider nach innen drehen.
  • Lidkrampf: Auch die Lider können sich verkrampfen. Gründe hierfür können Augenentzündungen, -verletzungen oder -schwellungen sein. Manchmal ist der Krampf auch auf eine neurologische Ursache zurückzuführen. Jedenfalls können Krämpfe zu einer Fehlstellung der Augenlider führen.
  • angeborenes Entropium: Es kommt vor, dass die Innenwendung des Lids angeboren ist. Diese Fehlstellung bildet sich zum Glück aber meistens im ersten Lebensjahr des Kindes zurück.

Übrigens: Es gibt auch die umgekehrte Form des Entropiums, das Ektropium, bei dem die Lider nach aussen gedreht sind – aber darüber schreiben wir ein anderes Mal.

Florencia Figueroa

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