Kultiges Accessoire im Ölgemälde oder wie die Sonnenbrille erfunden wurde

Kultiges Accessoire im Ölgemälde oder wie die Sonnenbrille erfunden wurde

Erfindung der Sonnenbrille
Die Erfindung der Sonnenbrille in der Mitte des 18. Jahrhunderts war eine Sensation. Seither hat sie sich zum modischen Accessoire und Statussymbol entwickelt. Über eine Erfolgsstory, in der Kaiser Nero und die Briten Hauptrollen spielen.
Ölgemälde auf Papier von 1835, eine englische Familie, ausgestattet mit Sonnenbrillen, hören einem Ortskundigen zu, der über die römische Ruinenlandschaft erzählt. Im Hintergrund malt die Tochter eine Skizze. Der Sohn lehnt sich an einen Felsen.

Sonnenbrillen war damals nur für privilegierte Schichten erschwinglich

In der Alten Nationalgalerie in Berlin hängt ein erstaunliches Bild: «Engländer in der Campagna». Carl Spitzweg malte es um 1835. Zu sehen ist eine englische Familie unter der grellen Sonne einer «römischen Ruinenlandschaft». Die Eltern versuchen – mit Sonnenbrille ausgestattet – den wortreichen Ausführungen eines Ortskundigen zu folgen, während im Hintergrund die Tochter die Skizze eines malerisch zerbröckelten Aquädukts anfertigt und der Sohn, an einen Felsen gelehnt, gelangweilt und hingebungsvoll gähnt. Sonnenbrillen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts?

Tatsächlich, eine Dame im Biedermeierkostüm mit Sonnenbrille! Gemeinhin halten wir die Sonnenbrille ja für ein modernes Requisit. Sieht man sich genauer um, stellt man allerdings fest: Auch die Engländer waren nicht die ersten, die sich gegen Sonnenlicht zu schützen versuchten.

Die Sonnenbrille erfinden… trotzdem die Briten

Bereits in der Antike fand man heraus, dass farbiges Glas, Sonnenstrahlen dämpft. Kaiser Nero soll sich grüne Smaragde vor die Augen gehalten haben, um sich Gladiatorenkämpfe anzuschauen.

Es war dann aber ein britischer Optiker und Konstrukteur, James Ayscough, der mit gefärbten Linsen experimentierte und schliesslich 1752 das erste Vorläufermodell einer Sonnenbrille schuf. Er setzte bläuliche und grünliche Gläser in ein Brillengestell ein – allerdings, weil er glaubte, so Fehlsichtigkeit korrigieren zu können.
Die neue, atemberaubende Erfindung stiess in privilegierten Schichten auf grosses Interesse. Alle möglichen Modelle – nebst Bügelbrillen, Monokel und Zwicker – wurden mit eingefärbten Gläsern bestückt. Der Clou war die «Kutscherbrille», die John Richardson, wieder ein Engländer, 1797 erfand: Grünliches Glas liess sich hier seitlich vor die eigentlichen Brillengläser klappen.

«Sonnenschutzbrillen» blieben bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Einzelanfertigungen – und wohl auch Luxusprodukt und deshalb einer überschaubaren Bevölkerungsgruppe vorbehalten. Obwohl diese Brillen vor allem für Reisende oder Leute, die an Augenleiden litten, gedacht waren, wurden sie bereits jetzt zum Statussymbol der oberen Klassen.

Die Sonnenbrille wird modern

Im 19. Jahrhundert fanden Wissenschaftler heraus, dass kurzwellige ultraviolette Strahlung den Augen ebenso schadete wie die sichtbaren Sonnenstrahlen. Noch bevor der Schweizer Alfred Vogt das in einer Studie von 1908 nachweisen konnte, entwickelte Josef Rodenstock 1905 erste Gläser, die UV-Strahlung wegfilterten.

junger Pilot im Overall mit Sonnenbrille sitzt vor einem gelben alten Flugzeug

Die Firma Bausch & Lomb erfand die berühmte Fliegerbrille

1929 brachten Sam Foster und Brill Grant die erste moderne Sonnenbrille auf den Markt. Firmen wie Schott, Bausch & Lomb oder Zeiss stellten in der Folge Schutzgläser her und vermarkteten sie. Die Sonnenbrille schlug ein wie eine Bombe.

Einerseits ein Must-have in der Mode und Freizeit, entdeckten auch Berufsleute, etwa Piloten, die Sonnenbrille als nützliches Utensil. 1930 beauftragte das amerikanische Militär die Firma Bausch & Lomb mit der Produktion von Sonnenbrillen, welche die Piloten vor allzu viel Sonnenlicht im Cockpit schützen sollten. Richtig: So entstand der Brand «Ray Ban» und mit ihm die berühmte Fliegerbrille «Aviator».

Symbol von vielem – die Sonnenbrille

Die Sonnenbrille wurde zum Symbol von Macht, Coolness, Rebellion, Wichtigkeit und Glamour. General MacArthur trug sie, Marlene Dietrich, Brigitte Bardot, Jacky Onassis, Janis Joplin auch. Meghan Markle trägt sie und Johnny Depp. Manche machten ihre Sonnenbrille – etwa Heino, Elton John, Karl Lagerfeld oder Bono von U2 – gar zum Markenzeichen.

Praktisch, dass Sonnenbrillen heutzutage nicht mehr alle Welt kosten (müssen). Mit einer Sonnenbrille auf der Nase schützt man seine Augen und kann dabei gleichzeitig ganz einfach auch ein bisschen zum Star werden – ohne zur reichen Oberschicht gehören zu müssen, wie die Engländer vor 200 Jahren auf dem Bild.

Sandra Schweizer Csillany

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Was mit den Augen nach dem Tod passiert

Was mit den Augen nach dem Tod passiert

Die Augen sind das Fenster zur Seele. Wenn Menschen sterben, erlöschen sie – und trotzdem erinnern die Augen vom ganzen Körper wahrscheinlich am meisten an den Toten. Darum werden Toten, die mit offenen Augen starben, die Augen geschlossen. Wie verändern sich die Augen nach dem Tod und wie lange ist eine Hornhautspende möglich?
Landschaftsbild

Der wichtigste Grund dafür, den Toten die Augen zu schliessen, ist Pietät. Früher spielte auch Aberglaube eine Rolle, weil die Leute sich vor den leeren Blicken der Toten fürchteten.

Vor der Totenstarre ist das Schliessen der Augen problemlos möglich. Nach Eintreten der Totenstarre können die Augen nicht mehr ohne weiteres geschlossen werden.

Ein paar Stunden nach dem Tod trocknet die Bindehaut aus – jedenfalls bei Toten, denen die Augen nicht geschlossen wurden. Später verfärbt sie sich gelblich-bräunlich, nach einiger Zeit wird sie dann schwarz.

Für Bestatter sind die Augen der Toten ein wichtiger Punkt auf der To-do-Liste. Sind die Augen offen, setzen sie genoppte Plastikkappen auf die Augäpfel. Über diese Noppen können die Augenlider gezogen werden. So wird das ungewollte Öffnen der Lider etwa bei der Aufbahrung, verhindert. Darüber hinaus verhindern Augenkappen das Einsinken der Augenlider.

Cornea-Spende

Bevor die Verstorbenen zu den Bestattern kommen, ist es möglich, das Auge zu entnehmen und die Augenhornhaut zu spenden. Transplantationen der Augenhornhaut, in der Fachsprache Cornea-Transplantation genannt, sind eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Gewebetransplantationen.

Sogar Menschen mit Fehlsichtigkeit oder solche, die eine Katarakt-OP hinter sich haben, können Augenhornhäute spenden. Eine Laserkorrektur kann die Cornea-Spende ausschliessen, da bei dem Eingriff die Hornhaut bereits manipuliert wurde. Weil sich die Augenhornhaut nicht ohne Verminderung der Funktionstüchtigkeit sterilisieren lässt, schliessen auch bestimmte Erkrankungen die Cornea-Spende aus – Beispiele sind unter anderem HIV, Hepatitis B/C oder Syphilis.

Die Cornea muss durch den Arzt im Spital entfernt werden. Nach der Entfernung werden die Augenhornhäute in Nährlösungen aufbewahrt und anschliessend in Gewebespende-Banken gelagert. Dort können sie Menschen mit Augenverletzungen, Infektionen oder Geschwüren zu besserer Sicht verhelfen. Aber auch Patienten, die an Stoffwechselstörungen oder getrübter Cornea leiden, können davon profitieren.

Weil die Augenhornhaut nicht durchblutet ist, kann sie bis zu zwei Tage nach dem Tod entnommen werden. Die Zellen bauen sich jedoch immer mehr ab, deshalb ist eine möglichst baldige Entnahme immer am besten. Damit äusserlich nichts auf die Entnahme des Auges hindeutet, werden nach der Gewebeentnahme ebenfalls Kappen oder ähnliches eingesetzt und die Augen geschlossen.

So sieht man den Verstorbenen ihre grosszügige Spende auch im Aufbahrungssaal nicht an und kann sich ohne bange Augenblicke voneinander verabschieden.

 

Gregor Szyndler

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Blaulichtreport

Blaulichtreport

Früher war es der Flimmerkasten, heute sind es die Bildschirme in diversen Formen und Varianten, die unseren Augen zusetzen. Was macht das Blaulicht mit unseren Augen und gibt es Bildschirme, die augenfreundlicher sind als andere?

Blaulicht Bildschirm LED
Selbst wer jetzt nicht gezwungen ist, während der Arbeitszeit auf den Bildschirm eines Computers zu schauen, blickt oft genug am Tag darauf. Das Smartphone, TV am Abend oder einfach auch die privaten Stunden am heimischen PC, die Menschen können nicht mehr ohne. Doch gesund ist das nicht. Wissen wir, gestehen wir uns aber in der Regel erst ein, wenn es Auswirkungen auf unser Wohlbefinden hat. Wenn beispielsweise der Rücken schmerzt, die Handgelenke wehtun oder eben die Augen brennen und jucken. Im letzteren Fall reden medizinisch versierte Experten umgangssprachlich vom «digitalen Sehstress».

Permanent gereizt

Offiziell werden die Auswirkungen von zu langem Starren auf einen Bildschirm auch als «Office Eye Syndrom» oder «Gamer Eye» bezeichnet. Der Tränenfluss versiegt oder besser, das Augenlid minimiert seine Arbeit und hinterlässt ein trockenes Auge. Das ist aber am Ende nur eines der Probleme. Die verwendeten Leuchtdioden – kurz eben auch als LED bekannt – mischen gelbes und blaues Licht. Allerdings sind sich Experten uneinig darüber, wie schwerwiegend das Blaulicht der Bildschirme für unsere Augen überlange Zeiträume wirklich ist. Einige sind der Meinung, die Augen werden durch das Blaulicht herausge- und in vielen Fällen überfordert. Andere weisen darauf hin, dass trotz vielen Bestrebungen bis jetzt nicht bewiesen werden konnte, ob Blaulicht in der täglichen Intensität beziehungsweise die Transmission der blauen Strahlen beim Menschen zu einem Schaden führen. Hingegen zeigten sich Netzhautveränderungen in künstlich hoher Transmission im Tierversuch.

Ein Bewusstsein zu haben, unseren Augen bei der täglichen Bildschirmarbeit oder eben beim Freizeitgenuss regelmässig eine Pause zu gönnen, ist sicher empfehlenswert.

Je höher die Auflösung, desto besser die Aussicht

Doch nun die gute Nachricht – es gibt «augenfreundliche» Monitore. Die Frage ist nun einfach, sind die nun «curve» oder «extra large»? Sind die nur in Form eines Handys erhältlich und braucht es eine gewisse Auflösung? Und kann ich wirklich jedem Hersteller trauen, der mit dem Aspekt «augenfreundlich» wirbt? Die Antwort auf den letzten Punkt ist dabei am einfachsten: Nein. Werbung ist ein Versprechen, das eben nicht immer oder nur unter gewissen Bedingungen eingehalten werden kann. Daher lieber die Fakten checken und zunächst einmal darauf achten, wie hoch die Pixelanzahl ist – denn die ist immer ausschlaggebend. Und welche Grösse und Form der gewünschte oder eben bereitgestellte Bildschirm aufweist.

Bei der Auflösung gilt also: je mehr Pixel desto besser. In der Fachsprache gesagt, ist es daher wichtig, bei einer Grösse von bis zu 24 Zoll auf jeden Fall nur Monitore zu kaufen, an denen das Etikett «Full HD» haftet. In Pixel bedeutet das 1’920 mal 1’080 und in ausgeschriebener Form «Full High Definition». Grösser und mehr Sichtfläche bedürfen unbedingt einer Steigerung der Pixelanzahl. Da haben wir dann die «Quad High Definition» – kurz «QHD» – mit 2’560 mal 1’440 Pixeln oder die «Ultra High Definition» – kurz «UHD» – mit 3’840 mal 2’160 Pixeln. Und ein Blaulichtfilter ist ebenfalls immer empfohlen.

Kurven sind wichtig

LED Bildschirm curve

Ein gewölbtes Display kann die Augen entlasten

​Zum Thema Verpackung lässt sich zudem sagen: Keine Hochglanz-Einbände. Es wird vermutet, dass Bildschirme, die sich in glänzendes Plastik hüllen, den Augen nicht gut tun. (Quelle)

Matt ist die Lösung und es scheint, dass «curve» das neue «gesund» ist. Ein gewölbtes Display entlastet die Augen und beugt Übermüdung vor. Unsere Augen sind konvex. Das bedeutet übersetzt, dass unsere Augäpfel leicht nach aussen gekrümmt sind. Der Abstand bei der platten Version eines Bildschirms variiert daher beim Anblick auf das Display. Das bedeutet Arbeit für das Auge – ein aufwendiger Nebeneffekt.

Biegt sich hingegen ein Monitor, ist der Abstand in der Regel in allen Blickwinkeln gleich. Anpassungen sind nicht relevant. Betrachtungswinkel-Stabilität nennt sich das in Expertensprache. Da kann eine Arbeitssession auch mal länger als zwei Stunden dauern und Blockbuster sind endlich so unterhaltsam wie gesundheitskonform. Für jeden ein Muss, egal ob freiwillig oder arbeitsbedingt vor dem Bildschirm. Unsere Sinne sind wahrhaftig unfassbar.

 

Wilma Fasola

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So bringen Sie Ihr Kleinkind zur Brille

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Auch bei Kleinkindern muss bei einer Sehschwäche eine Brille auf die kleine Nase. Wie Sie diesen Schritt als Eltern begleiten können, lesen Sie hier.
Kleinkind mit Brille
Stolpert die zweijährige Noemi über Gegenstände, die im Weg liegen oder steht der dreijährige Max besonders nah zum laufenden Fernseher, liegt der Verdacht nahe: Die beiden Kleinkinder sehen unscharf. Eine Sehschwäche kommt auch bei sehr jungen Kindern vor. Umso wichtiger, diese zu korrigieren und dem Nachwuchs optische Sinneserfahrungen zu ermöglichen. Hier einige Tipps, wie dies gelingen kann:

Vertraut machen

Mit Sonnenbrille das Kind an die «echte» Brille gewöhnen

Mit Sonnenbrille das Kind an die «echte» Brille gewöhnen

Bestätigt sich der Verdacht nach einem Besuch beim Augenarzt oder Optiker, geht es nun darum, Ihr Kind mit Brillen vertraut zu machen. Das Sichtfeld ändert sich mit einer Brille auf der Nase, ausserdem fühlt sich der Gegenstand im Gesicht ungewohnt an. Damit Sehhilfen für Kleinkinder nichts Aussergewöhnliches bleiben, sollten sie sich damit vertraut machen können. Scheint draussen die Sonne? Dann steht einem Spaziergang mit Sonnenbrille nichts im Weg. So können die Kleinkinder sich unbeschwert an das ungewohnte Ding im Gesicht gewöhnen. Und Sie als Eltern können als gutes Vorbild gleich mitmachen.

Darüber reden

Kleinkinder erforschen die Welt, indem sie Fragen stellen und darüber reden. Wer in Ihrem Bekanntenkreis trägt eine Brille? Warum? Oder warum nicht? Suchen Sie nach Bildern, die Menschen mit Brillen illustrieren. Keine Angst, Ihrem Kind werden die Fragen dazu nicht ausgehen, besonders wenn es sich sowieso im «Fragealter» befindet. Wird das Thema fassbar, setzt sich Ihr Kind damit auseinander.

Einbeziehen ohne Überforderung

Selber aussuchen bereitet Spass und macht stolz

Selber aussuchen bereitet Spass und macht stolz

Zu guter Letzt soll die Brille ausgewählt und gekauft werden. Lassen Sie Ihr Kind mitentscheiden, welche Sehhilfe es auf seiner Nase haben möchte. Vergessen Sie nicht: Darf Ihr Kind mitbestimmen, welche Brille es sein soll, wird es diese auch besser tragen.

Ein Kleinkind hat nur eine kurze Konzentrationsspanne und ist deshalb schnell abgelenkt. Erwarten Sie nicht, dass es aus hunderten ein Modell auswählen kann. Halten Sie die Auswahl deshalb klein, um Ihr Kind nicht zu überfordern.

Neue Sinneseindrücke ermöglichen

Sitzt die Brille zu guter Letzt auf der Nase, freuen Sie sich mit Ihrem Kind: Die Sicht auf die Welt steht ihm jetzt offen. Je nach Sehstärke nimmt ihr Kind seine Umgebung nun im wahrsten Sinne des Wortes mit neuen Augen wahr. Welche Sinneseindrücke es jetzt in geschärfter Optik neu erleben darf, das bestimmen Sie als Mutter oder Vater eines Kleinkindes massgeblich mit. Gehen Sie mit ihm nach draussen, entdecken Sie die Natur gemeinsam neu. Und stellen Sie sich darauf ein, eher mehr als weniger Zeit für einen Weg zu Fuss einzuberechnen. Kleine Forscherinnen und Forscher brauchen manchmal viel Zeit für neue Entdeckungen. Und vor allem, wenn die neue Brille ihr Blick für die Umgebung noch stärker schärft.

Susanna Valentin

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind schlecht sieht?

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Etwas für’s Auge: Wieso Bündner Jäger Ohrringe tragen

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Ohrring Büdner Jäger
Brille, Kontaktlinsen, Laseroperationen: Für die Menschen in früheren Zeiten undenkbar. Sie behalfen sich daher mit altem Wissen. Bündner Jäger etwa sollen goldene Ohrringe getragen haben, um ihre Sehkraft zu verbessern.

Ewige Jugend, Reichtum, Ruhm – das sind Wünsche, die viele Leute hegen. Aber Hand auf’s Herz: Wäre es nicht viel besser, wie ein Adler zu sehen? Über eine Sehkraft -und schärfe zu verfügen, die einen alles erkennen lässt, auch auf grosse Distanzen?

Kontaktlinsen zu tragen oder sich einer Laserbehandlung zu unterziehen, sind moderne Methoden, dem Sehvermögen auf die Sprünge zu helfen. Was aber, wer in früheren Zeiten auf grosse Sehkraft angewiesen war? Die «Augenmedizin» ist zwar eine alte Teilwissenschaft der Medizin; sie befasste sich mit Augenleiden aber vor allem dann, wenn sie schon aufgetreten waren. Und Zugang zur Augenheilkunde hatten privilegierte Kreise: Städter, Vermögende, obere Stände.

Unterengadiner Jäger trugen Ohrringe – sagt man

Da war guter Rat teuer. Oder doch nicht? Im Unterengadin erzählt man sich «vom Hörensagen», dass sich die Jäger des Tals mit einem Schmuckstück behalfen: Um besser zu treffen, sollen sie goldene Ohrringe getragen haben.

Die Geschichte bleibt eine Legende. Es gibt keine Dokumente, in denen die Bündner Jäger das Tragen von Ohrringen empfehlen oder erwähnen. Aber warum auch? Sollten die Jäger mit dem Ohrring damit Erfolg gehabt haben, dann wird sich das in den Dörfern auch so herumgesprochen haben. Dass das Tragen von Ohrringen tatsächlich zu «guten Augen» führte, ist nicht unwahrscheinlich.

In der Alternativmedizin ist das Ohr mit dem Auge verbunden​

Augenpunkt Ohrakupunktur

Der Augenpunkt, im Zentrum des Ohrläppchens, spielt eine wichtige Rolle bei der Ohrakupunktur

Verschiedene Punkte am Ohr – vor allem auf der Ohrmuschel und am Ohrläppchen – sind durch die Nerven mit Organen des Körpers verbunden. Im Zentrum des Ohrläppchens befindet sich der sogenannte «Augenpunkt». Dieser spielt sowohl für die Ohrakupunktur wie auch für die Reflexzonentherapie, zwei Bereiche der alternativen Medizin, eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Augenkrankheiten.

Die Ohrakkupunktur hat ihren Ursprung vermutlich im Nahen Osten. Das alte Wissen verbreitete sich aber weit herum. Die alte Medizin der Ägypter, Perser und die – auch bei uns (wieder) geschätzte – traditionelle chinesische Medizin beschreiben Behandlungen am Ohrläppchen. Wen wundert’s, dass auch die Seefahrer inklusive Piraten im Mittelalter Ohrringe trugen, um gut in die Ferne zu sehen – und allenfalls für ihr Begräbnis in Würde selber aufzukommen. Und auch Appenzeller Bauern legen bis heute goldene Ohrringe mit der «Ohreschuefle» an. Dieser Anhänger ist einer Kelle nachempfunden, einem bei den Sennen wichtiges Arbeitsinstrument.

Auch in anderen Angelegenheiten versprachen sich die Menschen Hilfe vom Augenpunkt. Frauen im Alten Ägypten stachen sich ihre Ohrläppchen zur Empfängnisverhütung. Im Mittelmeerraum wurde bis ins 20. Jahrhundert das Ohrläppchen mit glühenden Nadeln durchstochen und auf diese Weise versucht, Ischias-Schmerzen zu heilen.

Für die Sehkraft ist Ohrring nicht gleich Ohrring

Allerdings: Ohrring ist nicht Ohrring. Da Silber in der Akupunktur eine «reduzierende» Wirkung nachgesagt wird, sollen Silberohrringe sogar für schlechteres Sehen verantwortlich sein. Und: Alternativmediziner führen Leiden wie Kopf- und Rückenschmerzen oder Reizdarm auf Verletzungen zurück, die beim Tragen von Ohrschmuck wie Piercings entstehen können. Ohrringe aus Gold, wie diejenigen der Bündner Jäger, sollen aber tatsächlich stimulierend wirken und daher zur besseren Sehkraft beitragen.

In der Akupunktur geht man aber davon aus, dass nur sporadische Stiche stimulieren und eine Auswirkung auf die Sehkraft haben. Da sich der Körper an den Reiz gewöhnt, verpufft eine mögliche Wirkung nach einiger Zeit. Wer sich durch das Tragen von goldenen Ohrringen also Vorteile beim Sehen erhofft, müsste den Ring theoretisch immer wieder ablegen.

Jäger, Piraten und Appenzeller Bauern: Auch sie träumten gewiss von Reichtum. Vermutlich war ihnen aber vor allem klar, dass ihre Sehkraft eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Begleiterin auf dem Weg dahin war.

Sandra Schweizer Csillany

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Wie sich Augen an Dunkelheit und Helligkeit gewöhnen

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Warum sehen wir erstmal nichts, wenn wir vom Tunnel ins Freie kommen? Warum sehen wir je länger im Dunkeln desto besser? Und warum ist die Notfallbeleuchtung in Filmen rot? Unsere Augen können sich gut an verschiedene Lichtverhältnisse gewöhnen – wir erklären, wie das funktioniert.

Das menschliche Auge braucht nur Sekunden, um sich nach einem Wechsel von wenig Licht auf viel Licht anzupassen. Ein zentraler Bestandteil der Adaptionsfähigkeit des Auges ist der Pupillenreflex.​

Beim Pupillenreflex passt sich die Grösse der Pupillenöffnung dem Licht an. Konkret heisst das, dass die Pupille bei Helligkeit kleiner und bei Dunkelheit grösser wird. Dafür sorgen die Muskeln der Regenbogenhaut, beziehungsweise Iris.

Die Anzahl Sehpigmente macht’s

Dasselbe blaue Auge übereinandergestellt, oben mit zugezogener Pupille, unten mit weiter Pupille

Der Pupillenreflex reguliert den Lichteinfall ins Auge je nach Lichtverhältnis

Die Anpassung an veränderte Lichtverhältnisse findet ebenso über die Sehpigmente, das sogenannte Rhodopsin, statt. Je mehr Licht aufs Auge trifft, desto mehr Sehpigmente spalten sich und bauen sich so ab. Umgekehrt gilt: Je weniger Lichts ins Auge tritt, desto mehr Sehpigmente können sich wieder regenerieren. So stehen wieder mehr Sehpigmente zur Verfügung und das Auge wird lichtempfindlicher.

Mehr Sehpigmente helfen dem Auge, nach und nach mehr im Dunkeln zu erkennen. Es ist einfach die Bildung der Sehpigmente am eigenen Leib zu erfahren. Dazu genügt es, in einem fast völlig abgedunkelten Raum einen Gegenstand zu fixieren. Je länger sich die Augen im Dunkeln befinden, desto besser sind die Umrisse auf den fokussierten Gegenstand zu erkennen – ohne Zusatzlicht. Der regenerierenden Menge Sehpigmente sei Dank!

Das Gegenteil, also den schlagartigen Verbrauch grosser Mengen Sehpigmente, kennen alle, die schon einmal im Zug oder Auto aus einem langen Tunnel ans grelle Sonnenlicht gekommen sind. Weil sich im Tunnel sehr viele Sehpigmente regeneriert und die Pupillen sich ganz weit geöffnet haben, scheint die Sonne nun ganz unvermittelt aufs weit geöffnete Auge und es zersetzen sich sehr viele Sehpigmente in kurzer Zeit. So entsteht eine punktuelle Blendung – je nachdem auch eine Beeinträchtigung grösserer Teile des Gesichtsfelds.

Um Blendungen vorzubeugen, haben längere Tunnel meistens ein Lichtkonzept, bei dem zum Ausgang des Tunnels hin mehr Lampen eingesetzt werden. Am besten behilft man sich im Auto zusätzlich mit Blendschutz-Klappen oder mit dem Abschatten der Augen. Und im Sommer wird einfach die Lieblingssonnenbrille aufgesetzt.

Notfallbeleuchtungen in Filmen

Wer Actionfilme liebt, der weiss: In vielen Filmen sind die Beleuchtungen bei Stromausfällen oder sonstigen Notfällen rot. Warum eigentlich? Sind Notfallbeleuchtungen auch in der Realität rot? Ja, denn Rot bleibt auch beim plötzlichen Aufleuchten in der Dunkelheit neutral und blendet nicht. Somit erzeugt rote Beleuchtung bei der Flucht durch einen Notfalltunnel keinen zusätzlichen Stress.

Auch die Beleuchtung in Sternwarten ist rot. Rotes Licht hat auf den Abbau des Sehpigments keinen Einfluss – das Auge bleibt also Lichtempfindlich und so sehen wir besser in der Dunkelheit. Das erleichtert auch den Blick in die faszinierende Unendlichkeit.

Gregor Szyndler