Wenn Glotzen zur Krankheit wird

Wenn Glotzen zur Krankheit wird

Nichts ist unangenehmer, als wenn man angeglotzt wird. Manche Menschen können jedoch nichts dafür, dass sie glotzen. Aufgrund einer Krankheit leiden sie nämlich an Glotzaugen – auch Glubschaugen genannt.

«Was glotzt du denn so?» ist ein Spruch, den wohl niemand gerne hört. Wenn man allerdings an Glotzaugen leidet, umso weniger. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem die Augäpfel anfangen, aus den Augenhöhlen zu treten. Exophthalmus lautet der medizinische Ausdruck dafür.

Glubschaugen sind nur ein Symptom

Umgangssprachlich haben sich die Begriffe Glubsch- oder Glotzaugen durchgesetzt. Betroffene fallen auf – unter anderem durch weit aufgerissene Augen und einen durchdringenden, starren Blick. Glubschaugen sind aber weit mehr als nur ein ästhetisches Problem. Denn in den meisten Fällen handelt es sich dabei um keine natürliche Erscheinung. Im Gegenteil: Dahinter steckt oft ein ernsthaftes Leiden, das es zu behandeln gilt.

Exophthalmus ist keine eigenständige Erkrankung, sondern nur ein Symptom, das durch unterschiedliche Krankheiten hervorgerufen wird. Man unterscheidet diverse Schweregrade. Die Skala reicht von eins bis sechs, wobei die letzte Stufe die schwerste ist. Gefährlich wird es für die Betroffenen, wenn sich wegen der hervortretenden Augen die Lider nicht mehr richtig schliessen lassen. Denn dadurch drohen die Augäpfel auszutrocknen – was wiederum zu Entzündungen und Einrissen in der Hornhaut führt. Zudem verformen sich die Augäpfel, weil sie durch die Augenhöhlen gepresst werden, sodass es zu Sehstörungen in Form von Doppelbildern kommen kann. Wird Exophthalmus nicht behandelt, droht im schlimmsten Fall gar Erblindung.

Ursachen und Behandlungsmethoden

Neben den Augäpfeln befinden sich in den Augenhöhlen auch Muskeln, Fettpolster und Nerven. Die Augenhöhlen, die aus Knochen bestehen und deshalb unflexibel sind, bieten nicht unendlich viel Platz. Schwillt das hinter dem Augapfel liegende Gewebe an, wird der Augapfel nach vorn durch die Augenhöhlen gedrückt. Und das führt zu Glubschaugen. Auslöser können Augenentzündungen sowie gut- oder bösartige Tumore sein.

Ob man an Exophthalmus leidet, kann der Arzt leicht herausfinden. Er misst mit einem Exophthalmometer den Abstand zwischen der Hornhaut und dem Vorderrand der Augenhöhle. Überschreitet dieser einen gewissen Messwert, ist der Fall klar. Die Therapie hängt ganz davon ab, welche Krankheit der Auslöser ist. Was man allerdings in jedem Fall tun sollte, ist die Augäpfel davor zu bewahren, auszutrocknen. Das erreicht man meist mit Augentropfen und Salben. Je schneller man die Krankheit entdeckt, desto besser sind die Erfolgsaussichten einer Behandlung.

Florencia Figueroa

Woher kommen die Tomaten auf den Augen?

Woher kommen die Tomaten auf den Augen?

„Der Nachbar ist mir ein Dorn im Auge“ ist eine Redewendung, die wir alle kennen und ohne lange Erklärung verstehen. Redewendungen rund ums Auge gibt es einige, doch woher stammen sie? Wir haben die geläufigsten Sprüche näher beleuchtet.

Der Gutgläubige bleibt blauäugig

Vielleicht wurden Sie auch schon von Ihrer Mutter ermahnt: „Wie kannst Du nur so blauäugig einem Fremden vertrauen?“. Blauäugige Menschen gelten als unerfahren oder übertrieben vertrauensvoll. Sie machen sich über die Folgen ihres Handelns keine Gedanken. Ausserdem stehen „blaue Augen“ für Treue und Aufrichtigkeit. Doch woher kommt diese Annahme? Angeblich geht die Redewendung auf die blauen Unschuldsaugen von Babys zurück, deren Farbpigmente auf der Regenbogenhaut noch nicht ausgeprägt und daher blau sind. Blauäugigkeit hat also auch etwas mit Unbedarftheit zu tun. Wer blauäugig ist, bewahrt sich seinen Glauben an die Menschheit.

„Liebe macht blind“: Wenn die Hormone verrücktspielen

Auch die Redewendung „Liebe macht blind“ kennen wir nur allzu gut. Wer verliebt ist, hat Schmetterlinge im Bauch und die Hormone spielen verrückt. Frisch Verliebte sehen die Fehler des anderen noch nicht, da ihr ganzer Körper von Dopamin durchflutet wird. Sie befinden sich in einer Art Rauschzustand und sehen nicht mehr klar.
Professor Thomas Loew, Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Regensburg, erklärt das Phänomen wissenschaftlich: Der Botenstoff Dopamin ist in erster Linie daran beteiligt, dass wir Glück empfinden. Wenn unser Körper mehr von diesem Hormon ausschüttet, empfinden wir ein Hochgefühl. Dopamin regt das Belohnungszentrum in unserem Gehirn an und lässt das Gefühl von Verliebtheit entstehen. Loew vergleicht die Wirkung des Hormons sogar mit einer wahnhaften Störung. Dieser Zustand kann bis zu sechs Wochen anhalten. Verliebte sind blind für die Fehler des „Objektes ihrer Begierde“, die anderen durchaus auffallen. Aber sie sind weniger „blind vor Liebe“, als blind wegen übermässigem Dopamin.

Rosarote Brillen verschönern die Welt

Wer kennt es nicht: Schon morgens eine Unfallmeldung im Radio, mittags erschüttert ein Tsunami die Medien und abends schluchzt die beste Freundin ins Telefon. Wer setzt da nicht gerne die rosarote Brille auf?

Will heissen, wir sehen Menschen oder Katastrophen in einem zu positiven, optimistischen Licht. Quasi als Selbstschutz. Dabei handelt es sich im psychologischen Sinne um eine Wahrnehmungsverzerrung. Eine psychologische Studie der Universitäten Oxford, Yale und City University London zeigt, dass Menschen nicht nur ihr eigenes Leben durch eine rosarote Brille sehen, sondern auch Fremde oder Freunde. Psychologen sprechen von einer optimistischen Wahrnehmungsverzerrung: Menschen verändern ihren Glauben an jemanden positiv, wenn sie gute Nachrichten erhalten. Jedoch ändern sie kaum ihre Meinung, wenn sie etwas Schlechtes über die Person erfahren. Sie schauen durch die rosarote Brille.

„Tomaten auf den Augen“

Die Herkunft der Redewendung „Tomaten auf den Augen haben“ ist nicht eindeutig geklärt. Allerdings gibt es mehrere literarische Quellen dazu, wie diese Redewendung entstanden sein könnte.

Wenn sich der Augapfel rot färbt

Wer müde und verschlafen ist, hat häufig rote Augen. Es scheint, als hätte man Tomaten auf den Augen. Ausserdem sorgt Müdigkeit dafür, dass wir unachtsam werden. Wer also rote Augen hat und unaufmerksam ist, könnte ebenfalls „Tomaten auf den Augen haben“.

Frucht der Sünde

Diese Herkunftsthese geht weit in die Geschichte zurück. So heißt es, dass Tomaten bis in das späte Mittelalter in Spanien als „Frucht der Sünde“ galten. Denn die roten Früchte wurden als Bestrafung für Gesetzes-, Ehebrecher und Verräter eingesetzt. Wer das Gerichtsurteil „tomates en los ojos“ erhielt, dem wurden Tomaten auf die Augen gebunden und er musste damit eine Weile herumlaufen. Für die Gesetzesbrecher war das eine öffentliche Demütigung, da nun jeder von ihrem Verbrechen erfuhr.

Grüne Ampeln bleiben rot

Eine andere Erklärung geht auf Verkehrspolizisten zurück. Diese standen früher an den Ampelanlagen und kontrollierten Autofahrer. Wenn ein Autofahrer trotz grüner Ampel nicht losfahren wollte, haben ihn die Verkehrspolizisten gefragt, ob er „Tomaten auf den Augen habe?“. Der Autofahrer sah immer noch rot, obwohl die Ampel längst grün war.
Redewendungen verschönern, ermahnen, machen sich lustig oder bringen das absurde Leben einfach philosophisch auf den Punkt. So, dass es jeder versteht.

Anke Reuss

Laserpointer – worin liegt die Gefahr?

Laserpointer – worin liegt die Gefahr?

Laserpointer sind ein beliebtes Hilfsmittel. Allerdings können sie Menschen auch schaden. In der Schweiz hat man deshalb einige dieser Geräte verboten – die neue Regelung tritt im Juni in Kraft.

Es ist dunkel. Der Pilot konzentriert sich, er muss was sehen, denn gleich hebt er ab. Plötzlich blendet ihn ein rotes Licht. Diese Szene ist nicht so abwegig, denn wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL mitteilt, versuchen Unbekannte vermehrt, Piloten mit Laserpointern zu blenden. Von solchen Blendattacken betroffen sind aber auch Zugführer und Autofahrer. Und das nicht nur in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt.

Medienberichten zufolge sollen solche Laserangriffe gegen Piloten, Polizisten, Zugführer, Bus- und Autofahrer sowie Politiker inzwischen einen historischen Höhepunkt erreicht haben. Das Gefährliche dabei ist nicht nur, dass durch die Blendung die Kontrolle über das Verkehrsmittel verloren gehen kann. In nur wenigen Sekunden können die Geblendeten auch schwere Sehstörungen erleiden oder sogar blind werden.

Die Lasertechnologie hat sich in unserer Gesellschaft schon lange etabliert. Bisher hatte jeder Zugang zu dieser Technologie – beispielsweise in Form von Laserpointern. Die Geräte, die in unterschiedliche Laserklassen unterteilt werden, waren überall erhältlich, einschliesslich auf Online-Plattformen. Doch damit soll aufgrund des steigenden Missbrauchs nun Schluss sein – zumindest in der Schweiz. Deshalb gilt hierzulande ab dem 1. Juni ein Verbot für gefährliche Laserpointer. Ungefährliche Geräte hingegen sollen weiterhin erlaubt sein.

LASER

LASER ist übrigens eine Abkürzung für Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation – auf Deutsch: Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung.

Sie verbrennen die Netzhaut

Mit anderen Worten: Laserpointer der Klassen 1M, 2M, 3R, 3B, 4 und nicht gekennzeichnete Laserpointer dürfen ab dem 1. Juni weder gekauft, verkauft oder verschenkt noch mit sich herumgetragen werden. Auch nicht, wenn man sich nur für eine kurze Weile in der Schweiz aufhält. Wer eines dieser Geräte besitzt, hat bis zum 1. Juni 2020 Zeit, um es zu entsorgen. Eine Ausnahme bilden die Laserpointer der Klasse 2M, von denen man sich erst bis zum 1. Juni 2021 entledigt haben muss. Weitere Informationen diesbezüglich erhalten Interessierte auf der Website www.bag.admin.ch/laserpointer.

Das Verbot mag auf den ersten Blick etwas radikal anmuten. Aber mit diesem Schritt soll verhindert werden, dass weiterhin Menschen mit den Geräten verletzt werden. Doch warum sind die verbotenen Laserpointer so gefährlich? Sie sind imstande, die Netzhaut zu verbrennen – denn ein  Laser bündelt das Licht. Trifft dieser Strahl ins Auge, wird er durch die Augenlinse nochmals verstärkt, wodurch er der Netzhaut ernsthaften Schaden zufügt. Zwar schliessen sich die Augenlider wenn wir geblendet werden reflexartig, aber das dauert bis zu 0,25 Sekunden – der Laserpointer hingegen verbrennt die Netzhaut in nur wenigen Nanosekunden. Bevor sich unsere Lieder geschlossen haben, ist der Schaden also schon angerichtet.

Schwache Laser immer noch erlaubt

Inwiefern ein Laserpointer dem Auge schaden kann, hängt in erster Linie von der Stärke des Strahls und von der Dauer, in der die Augen dem Strahl ausgesetzt sind ab.

Regeln des BAG

Folgende Regeln sollten laut dem Bundesamt für Gesundheit bei der Nutzung eines Laserpointers beachtet werden:

  • Mit einem Laserpointer nicht auf Personen oder Tiere – vor allem nicht auf deren Augen und Gesicht – zielen.
  • Mit einem Laserpointer nicht auf Verkehrsmittel zielen.
  • Laserpointer sind keine Spielzeuge und sollten deshalb von Kindern ferngehalten werden.

In der Schweiz sind deshalb nur noch Laserpointer der Klasse 1 und 2 erlaubt, die zu schwach sind, um einen Augenschaden zu verursachen. Aber auch mit ihnen können weiterhin Unfälle provoziert werden, weshalb das BAZL dazu anhält, Blendattacken immer der Polizei zu melden.

Florencia Figueroa

Warum Narben blind machen

Warum Narben blind machen

Es gibt viele Arten von Narben. Selbst auf der Augenhornhaut können sie sich bilden. Doch welche Folgen haben sie für die Augen? Und sollte man gegen sie vorgehen oder nicht?

«Weil niemand ohne Narben durchs Leben geht», soll einst die amerikanische Schauspielerin Carol Burnett gesagt haben. Doch viele Betroffene wollen die Narben um jeden Preis wieder loswerden. Allerdings nicht, weil sie gefährlich sind, sondern weil Narben im Allgemeinen als hässlich gelten. Es gibt jedoch auch Narben, die zwar völlig unsichtbar, dafür umso gefährlicher sind.

Nein, es geht nicht um seelische Narben, sondern um Narben auf der Augenhornhaut. Denn auch sie kann verletzt werden. Und das ist sehr unangenehm, schliesslich ist eine unversehrte Augenoberfläche ausschlaggebend dafür, dass man scharf sieht. Als erstes treffen die Lichtstrahlen nämlich auf der Hornhaut auf und an dieser Stelle werden die Strahlen bereits gebrochen, was dazu beiträgt, dass auf unsere Netzhaut ein scharfes Bild projiziert wird.

Dieser Vorgang ist jedoch nur möglich, wenn die Oberfläche durchsichtig ist und das Licht durchlässt – Narben können allerdings die Hornhaut trüben. Aus dieser Trübung ergeben sich zwei Probleme: Einerseits schränkt sie unser Sichtfeld ein. Andererseits werden die Lichtstrahlen wegen ihr nicht mehr richtig gebrochen, wodurch das Bild auf der Netzhaut falsch abgebildet wird. Die Folge davon kann Blindheit sein.

Deshalb werden die Augen durch Lider geschützt, die alles fernhalten, was das Auge schädigen könnte. Sollte doch etwas hineingelangen, wird es mit Tränen weggespült. Kleinere, von Fremdkörper verursachte Schädigungen, heilen in der Regel schnell aus und hinterlassen keine nennenswerten Spuren.

Nicht jede Narbe ist gefährlich

Narben auf der Hornhaut können aus unterschiedlichen Gründen entstehen. Zum Beispiel durch einen Unfall – das kann ein harter Schlag sein oder wenn man sich versehentlich ins Auge greift. Auch Infektionen können Narben zur Folge haben. Diese Erreger werden zwar von unserem Immunsystem bekämpft und ausgelöscht – den Schaden, den sie bis zu ihrer Auslöschung angerichtet haben, kann aber nicht rückgängig gemacht werden. Es kann also sein, dass sich eine Narbe bildet, die sich im schlimmsten Fall trübt und vielleicht sogar zur Blindheit führt. Aber das muss nicht sein – es gibt nämlich Mittel und Wege, um gegen die Narben vorzugehen.

Im Zweifelsfall zum Augenarzt

Doch nicht jede Narbe muss zum Problem werden – auch dann nicht, wenn sie sich trübt. Es kommt darauf an, an welcher Stelle des Auges sie sich befindet. Zu einer merklichen Sehbeeinträchtigung kommt es meist bei zentralen Narben. Am Rand gelegene, kleine Narben beeinträchtigen das Sehvermögen weniger. Wenn man eine Verletzung auf der Hornhaut hat, sollte man auf jeden Fall den Arzt aufsuchen. Er entscheidet dann über das weitere Vorgehen. Narben kann man mittels eines Lasers operativ entfernen lassen. Sollte diese Behandlung nicht zum Ziel führen, besteht als letzte Möglichkeit die Option einer Hornhautverpflanzung. Diese wird aber nur verordnet, wenn wirklich keine andere Wahl übrig bleibt.

Wenn man absolut sichergehen will, dass die Narbe keinen grösseren Schaden anrichtet, sollte im Zweifelsfall der Arzt aufgesucht werden. Nur dieser kann beurteilen, ob die Narbe behandelt werden muss oder nicht.

Florencia Figueroa

6 Fakten aus der Geschichte der Augenheilkunde

6 Fakten aus der Geschichte der Augenheilkunde

Die Augenheilkunde in ihrer rudimentärsten Form besteht schon seit Jahrtausenden. Hier finden Sie sechs witzige und wissenswerte Fakten, die Sie wahrscheinlich noch nicht kennen.

 Augen heilen gegen Belohnung – oder Bestrafung

In Babylon schon gab es die Augenheilkunde. Für heutige Augenärzte ungewohnt rabiat sind die vor 3600 Jahren erlassenen Qualitäts-Vorschriften: Babylonische Augen-Ärzte erhielten bei einem erfolgreichen Augen-Eingriff eine Belohnung. So weit, so gut. Jedoch hackte man ihnen bei Misserfolg oder Kunstfehlern auch die Hände ab.

 Unbezahlbare Sehhilfen

Der römische Historiker Plinius der Ältere berichtet, dass Kaiser Nero 66 nach Christus eine besonders wertvolle Sehhilfe hatte. Er hielt sich geschliffene Smaragde vors Auge. Doch es gab im alten Rom auch weniger kostspielige Abhilfe gegen Augengebrechen. So wurde etwa um 140 nach Christus schon der Graue Star behandelt.

Starstechen wie im Mittelalter

Im Mittelalter taucht das Wort «Augenarzt» in der Form «ougenarzt» erstmals um 1400 auf. Es waren auf Chirurgie spezialisierte fahrende Handwerker und man nannte sie Starstecher beziehungsweise Okulisten. Beim Starstechen ging es blutig zu und her. Mit einem Messer wurde die trübe Linse nämlich kurzerhand auf den Boden des Augapfels gedrückt. So war die Sicht zwar nicht mehr getrübt, die Folge einer fehlenden Linse ist jedoch eine extreme Weitsichtigkeit. Fahrende Starstecher verschwanden im 18. Jahrhundert.

Brillen als Erkenntnis-Instrument

Welch Beruhigung für Brillenträger: Gegen Ende des Mittelalters waren Brillen nicht nur Hightech, sondern Erkenntnis-Grundlage. Erweitert der Mensch seine Wahrnehmungsfähigkeit mit Brille, so die Annahme, beeinflusst das die Haltung der Welt gegenüber, denn mit Brillen wird Unsichtbares sichtbar. In Rothenburg ob der Tauber gibt es Altarbilder von Aposteln, die Brillen tragen.

Ab in die Augenbadewanne!

Schwarz-weiss Zeichnung einer Frau, die das Gesicht in eine Schüssel taucht.

Ein rustikales Augenbad im 20. Jahrhundert

Wussten Sie, dass Augenbäder früher üblich waren? Natürlich wurden sie selten so rustikal durchgeführt wie auf der Abbildung. Dabei wurde eine Kochsalzlösung und auf keinen Fall Leitungswasser verwendet. Der Salzgehalt musste jenem der Tränenflüssigkeit entsprechen, da Leitungswasser dem Auge Wasser entzieht. Verwendet wurden spezielle kleine Gefässe, sogenannte  Augenbadewannen. Sie wurden über das Auge gestülpt. Dann wurde der Kopf in den Nacken gelegt. So verteilte sich das Augenwasser regelmässig über dem Auge. Es badete es sozusagen. Heute wird die Augenbadewanne nur noch in der Alternativmedizin verwendet.

Die Lehre von den Erkrankungen des Auges ist ein wichtiger Teil wichtiger Teil der damaligen und auch heutigen Medizin. Doch was genau gehört zur Augenheilkunde? Diese Frage möchten wir noch kurz beantworten:

Die fachsprachliche Bezeichnung lautet Ophthalmologie. Sie umfasst die Prävention, Diagnose und medizinische Behandlung von Erkrankungen rund um das Sehorgan. Der medizinische Fachbegriff „Ophthalmologie“ leitet sich aus dem Griechischen ab. Er setzt sich zusammen aus „Ophthalmos“ (Auge) und „logos“ (Wort) und bedeutet so viel wie „das Wort, die Rede vom Auge“. Die Anfänge von der Lehre vom Auge lassen sich bis zu den Babyloniern zurückverfolgen.  Damit gehört  die Augenheilkunde sie zu den am längsten bestehenden medizinischen Teildisziplinen.

Die Augenheilkunde befasst sich sowohl mit Störungen in der visuellen Wahrnehmung als auch mit Erkrankungen und Verletzungen des Auges als Organ. Zu den Aufgaben Augenarzts gehört neben Beratung und Vorsorgeuntersuchungen vor allem die Behandlung von Sehstörungen und Augenerkrankungen. Die Ophthalmologie ist eine chirurgische Teildisziplin. Der am häufigsten durchgeführte Eingriff ist die sogenannte Kataraktoperation, also die Behandlung des Grauen Stars – gefolgt von der operativen Behebung von Sehfehlern, die heute häufig mittels Laser erfolgt, weiterer Laserbehandlungen sowie Operationen zum Beispiel bei Grünem Star, Netzhautablösungen oder kosmetischen Operationen am Lid.

Da Augenleiden häufig mit anderen Erkrankungen zusammenhängen, ist die Ophthalmologie mit der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der Inneren Medizin sowie der Neurologie verknüpft. So sind Augenärzte auch hinsichtlich der Allgemeinerkrankungen mit Augenbeteiligung geschult.

Gregor Szyndler

Raub- oder Fluchttier? Die Pupille verrät es

Raub- oder Fluchttier? Die Pupille verrät es

In der Tierwelt finden sich die unterschiedlichsten Formen von Pupillen. Sie sind angepasst auf die unterschiedlichen Lebensarten der Tiere und verraten uns heute noch vieles über eben diese. Zum Beispiel auch, ob es sich bei dabei um einen Fleisch- oder Pflanzenfresser handelt.

Es ist nur ein Loch. Ein schwarzes Loch, durch das Licht eindringt. Mal wird es grösser, mal kleiner, je nachdem, wie viel Licht ins Auge fällt – die Rede ist von der Pupille. Es gibt diverse Arten von Pupillen: runde und schlitzförmige zum Beispiel. Letzteres in den Ausführungen waag- und senkrecht. Menschen sowie grössere Raubtiere, zu denen Löwen, Bären und Wölfe gehören, haben runde Pupillen, wohingegen senkrechte Schlitzpupillen typisch für Katzen sind. Waagrechte Schlitzpupillen hingegen sieht man bei Ziegen oder Kröten.

Ganz ungewohnt wird es dann in der Unterwasserwelt: Tintenfische haben gar w-förmige, und Stachelrochen sichelförmige Pupillen. Ausschlaggebend für die Form der Pupillen sind die Muskeln. Sie bestimmen jeweils, wie viel Licht ins Auge eindringen darf. Sie schliessen und öffnen die Pupille, und je nachdem, wie die Muskeln angeordnet sind, ergibt sich daraus die Form der Pupille.

Ein ringförmiger Muskel hat eine runde Pupille zur Folge. Beim Lichteinfall zieht sich der ringförmige Muskel gleichmässig zusammen oder auseinander, sodass die Pupille immer kreisförmig bleibt. Für die Schlitzpupillen hingegen sind zwei Muskeln zuständig, die sich an der Seite des Auges befinden. Man muss sich diese beiden Muskelstränge wie ein Haargummi vorstellen, das man an zwei Enden auseinander- und zusammenzieht. Ob die Schlitzpupillen nun waagrecht oder senkrecht sind, hängt davon ab, wo die Muskeln angebracht sind.

Sind die Augen vorne oder seitlich?

Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum es diese verschiedenen Formen von Pupillen gibt. Tatsächlich haben sich diese im Laufe der Evolution entwickelt und sind für das betreffende Tier und seine Lebensweise die wohl beste Option. So erlaubt ein waagrechter Schlitz beispielsweise ein viel breiteres Gesichtsfeld, wodurch Feinde und Hindernisse besser und vor allem schneller entdeckt werden können. Das ist für Fluchttiere wie Kühe und Ziegen überlebenswichtig. Sie müssen nämlich den sich anschleichenden Feind frühzeitig entdecken, um rechtzeitig fliehen zu können. Die horizontalen Schlitzpupillen lassen sich deshalb vor allem bei Pflanzenfressern ausmachen, die sich auch dadurch kennzeichnen, dass sich ihre Augen seitlich am Kopf befinden. Diese Position der Augen unterstützt die Pupillen in ihrer Fähigkeit, möglichst in die Weite zu sehen.

Im Gegensatz dazu befinden sich bei den Raubtieren die Augen an der Vorderseite des Kopfes. Das erlaubt ihnen räumliches Sehen – das wiederum ist für die Raubtiere essenziell. Denn um gut zu jagen, müssen die Raubtiere abschätzen können, wie weit das Beutetier entfernt ist. Die Raubtiere müssen ausserdem ihre Beute anpeilen können, und das geht nur, wenn sie in der Lage sind, in drei Dimensionen zu sehen. Die vertikalen Schlitzpupillen sowie die runden Pupillen helfen beim räumlichen Sehen. Der Unterschied zwischen den Raubtieren mit vertikalen Pupillen und denen mit runden Pupillen liegt darin, dass letztere ihre Beute hetzen anstatt ihr aufzulauern.

Gilt Pupillenregel nur bei Landtieren?

Die Pupillen verraten demnach, um was für eine Tierart es sich handelt. Runde Pupillen und senkrechte Schlitzpupillen, die an der Vorderseite des Kopfes angebracht sind, sind ein Anzeichen dafür, dass es ein Raubtier ist. Waagrechte Schlitzpupillen, die sich an der Seite des Kopfes befinden, sprechen dafür, dass es sich um ein Fluchttier handelt. Diese Regel jedoch gilt vor allem für Landtiere. Ob das auch auf Wassertiere wie Fische, oder Flugtiere wie Vögel zutrifft, muss erst noch untersucht werden. Allerdings erwarten die Forscher um den Leiter Martin S. Banks von der University of California, die auch die Pupillen der Landtiere untersucht haben, keine grosse Abweichung von der Regel.

Florencia Figueroa

 

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