Symbole soweit das Auge reicht

Symbole soweit das Auge reicht

​Die Augen faszinieren seit Menschengedenken. So ranken sich überall auf der Welt zahlreiche Mythen um sie. Die wichtigsten Symbole für Sie im Überblick.
Nazar Amulette
Augen lügen nicht. Sie sind das Fenster zur Seele, sagt man. In der Irisdiagnose, einer alternativmedizinischen Diagnosemethode, glaubt man gar, dass der tiefe Blick in die Augen verrät, ob der Körper von Krankheiten befallen wurde oder im Körper akute Verletzungen vorliegen. Im Allgemeinen stehen Augen aber für:

  • Erkenntnis
  • Wahrheit
  • Allwissenheit
  • Hellsichtigkeit
  • Licht
  • Geist

Auffallend ist, dass seit der Antike den Augen in den verschiedensten Kulturen eine besondere, symbolische Bedeutung beigemessen wird – sie gelten als Ausdruck der Seele.

Nazar Amulette Glücksbringer
Nazar-Amulette sollen vor dem “bösen Blick” schützen

Nazar-Amulette

Nazar-Amulette sind besonders in den orientalischen Ländern verbreitet. Sie schützen die Menschen vor dem «Bösen Blick». Nazar-Amulette werden auch «Auge der Fatima» genannt. Fatima war die jüngste Tochter des Propheten Mohammed. Die Nazar-Amulette werden aus Glas von Hand gefertigt und sehen aus wie ein Auge. Man kann sie beispielsweise als Brosche, Ketten- oder Ohrenanhänger tragen sowie als Schlüsselanhänger mit sich führen. Zerbricht ein Nazar-Amulett, bedeutet das, dass das Amulett den Bösen Blick abgewehrt hat.

Das Auge des Ra und das Horusauge

Das Auge des Ra und das Horusauge kommen im alten Ägypten vor. Sie werden eigentlich mit der gleichen Hieroglyphe dargestellt, nur dass das eine Zeichen spiegelverkehrt ist. Das Auge des Ra symbolisiert die Sonne. Das Horusauge hingegen ist Sinnbild des Himmels- und Lichtgottes Horus. Die Mythologie besagt, dass es zwischen dem Lichtgott Horus und dem Wüstengott Seth zum Kampf gekommen sei, bei dem Seth Horus das linke Auge ausriss. Der Mondgott Thoth heilte das Auge. Das geheilte linke Auge ist deshalb auch als Mondauge des Lichtgottes Horus oder Udjat-Auge – udjat bedeutet intakt, vollständig, gesund – bekannt. Das Mondauge diente einst als Schutz vor Unfällen, ausserdem soll es dem Träger Kraft und Fruchtbarkeit verliehen haben.

das Auge des Ra _Horusauge
Das Auge des Ra und das Horusauge werden spiegelverkehrt dargestellt.

Lucina

In der römischen Mythologie spielte die Göttin Lucina bei der Geburt eine wichtige Rolle. Sie war es nämlich, die den Neugeborenen nach der Geburt die Augen öffnete. Sie schenkte ihnen somit Licht, sozusagen die Erleuchtung. Nicht umsonst gibt es die Redewendung: das Licht der Welt erblicken. Lucina verschmolz später mit der römischen Göttin Juno, weshalb man auch von Lucina Juno spricht. Wie ihre Vorgängerin Lucina galt auch Juno als Göttin der Geburt, der Ehe und der Fürsorge. Manche gehen sogar davon aus, dass die Wurzeln der Heiligen Luzia aus dem Christentum auf Lucina zurückgehen. Die heilige Luzia ist unter anderem Schutzpatronin der Armen, der kranken Kinder und der Blinden.

Die heilige Odilia

Heilige Odilia

Die heilige Odilia war von Geburt an blind

​Die heilige Odilia gilt in der christlichen Mythologie als Schutzpatronin des Augenlichts. Ihre Geschichte beginnt im 10. Jahrhundert als sie als Tochter eines Herzogs zur Welt kam. Das Kind wurde blind geboren, weshalb sein Vater es töten wollte. Doch die Mutter rettete das Mädchen, indem sie es in ein Kloster gab. Mit zwölf Jahren erlangte das Kind auf wundersame Weise sein Augenlicht zurück. Zu Hause wurde das Mädchen allerdings nicht willkommen geheissen. Im Gegenteil: Der Vater versuchte es erneut zu töten. Später versöhnten sich Tochter und Vater, sodass Odilia von ihrem Vater eine Burg erbte. Dort gründete sie ein Kloster.

Das Auge der Vorsehung

Als Symbol für die Trinität – Vater, Sohn und Heiliger Geist – taucht in der jüdisch-christlichen Mythologie ein Auge mit einem Strahlenkranz auf. Es ist sozusagen ein allgegenwärtiges Auge, das alles sieht und wahrnimmt. Es ist von einem Strahlenkranz umgeben, um seine göttliche Aura zu unterstreichen. Aus dem Kranz formt sich ein Dreieck, das – wie bereits erwähnt – auf die Trinität hindeutet. Dieses Symbol wird auch von den Freimaurern verwendet. Innerhalb dieses Geheimbunds steht das Symbol für die sich enthüllende Wahrheit und fordert gleichzeitig zur Weisheit auf. Übernommen wurde das Symbol auch von den USA, die das Auge der Vorsehung auf der Rückseite der Ein-Dollar-Note gedruckt haben.

Trinität
Die Rückseite der Ein-Dollar-Note mit dem Trinität-Symbol

Hamsa

Hand FatimasDas Symbol stellt eine abwehrende Hand mit einem Auge in der Mitte dar. Weil es sich beim Auge um das Auge der Fatima handelt – wie beim Nazar-Amulett – spricht man auch von der Hand Fatimas. Das Hamsa, was auf Arabisch Fünf heisst und die fünf Finger an der Hand meint, kommt vor allem im Nahen und Mittleren Osten zum Einsatz. Im Judentum heisst das Symbol «die Hand Miriams». Eingesetzt wird die Hand mit dem Auge bei allen Kulturen gegen Unheil allgemein und im Speziellen gegen den Bösen Blick.

Das dritte Auge

Der Hindugott Shiva hat ein drittes Auge. Das Dritte Auge wird mit religiösen Visionen und Hellsichtigkeit in Verbindung gebracht. Auch im Buddhismus wurde diese Symbolik aufgegriffen – wobei das Dritte Auge im Buddhismus nicht mit einem Gott in Zusammenhang steht, da es sich beim Buddhismus um eine Religion ohne Gott handelt. Vielmehr steht das dritte Auge dort für das «Auge der Welt». Der rote Punkt zwischen den Brauen, auch Bindi genannt, symbolisiert das Dritte Auge. Ursprünglich wurde das Zeichen von verheirateten Frauen getragen, damit sie und ihre Gatten geschützt werden. Heutzutage kann jedoch jeder ein Bindi tragen.

B
Der rote Punkt  auf der Stirn symbolisiert das dritte Auge

Florencia Figueroa

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Die grössten Augenmythen Teil 2

 

Die grössten Augenmythen Teil 2

Die grössten Augenmythen Teil 2

Ammenmärchen oder nicht? Nach dem beliebten Teil 1 des Artikels zu Halbwahrheiten rund ums Auge klären wir hier sechs neue Mythen auf, die wir alle aus dem Alltag kennen.

Bereits beim Anblick einer leckeren Mahlzeit knurrt der Magen.

Das Auge isst mit

Ja. Es wurde wissenschaftlich bewiesen, dass Fotos schmackhafter Speisen zur Ausschüttung des Hormons „Ghrelin“ führen. Ghrelin steht für „Growth Hormone RELease INducing“. Ghrelin leitet also die Freisetzung der Wachstumshormone ein. Es setzt aber nicht nur Wachstumshormone frei, sondern wirkt auch appetitanregend. Sogar, wenn Sie keinen Hunger haben. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal in einem Fine-Food-Fotoband blättern und plötzlich der Magen knurrt.

Kontaktlinsen rutschen hinter die Augen

Nein. Zwar ist es möglich, dass eine Kontaktlinse unter die Bindehautfalte rutscht, aber nicht hinters Auge. Dafür sorgt der Aufbau des Auges: die Bindehäute der oberen und unteren Augenlider sind mit der Augen-Bindehaut verbunden. So entsteht eine „Absperrung“, an der Kontaktlinsen nicht vorbeikommen. Flutscht Ihre Kontaktlinse unter die Bindehautfalte, tasten Sie vorsichtig danach und drücken Sie sie nach oben. Klappt es nicht, gehen Sie rasch zum Fachmann.

Harte Kontaktlinsen sind schädlicher als weiche

Nein. Viele Menschen bevorzugen weiche Kontaktlinsen, denn die harten sind gewöhnungsbedürftiger, teurer und schwieriger in der Handhabung. Was man jedoch wissen muss: Je weicher die Kontaktlinse, desto fester sitzt sie auf der Hornhaut. Schlimmstenfalls wird die Sauerstoffversorgung der Hornhaut vermindert, insbesondere, wenn die Kontaktlinsen zu lange oder über Nacht getragen werden. Ausserdem saugen weiche Kontaktlinsen durch ihre Porosität eher Flüssigkeiten, Bakterien und Keime auf. Die gute Nachricht: Bei sorgfältiger Handhabung sind harte und weiche Kontaktlinsen gehüpft wie gesprungen.

Herzhaftes Gähnen hilft, die Augen zu befeuchten

Bei trockenen Augen helfen nur Augentropfen

Nein. Natürlich ist es störend, wenn sich die Augen nach langer Bildschirmarbeit müde und trocken anfühlen. Doch hier helfen nicht nur Augentropfen, sondern kurzfristig auch herzhaftes, langes Gähnen. Es entleert die Tränendrüsen. Versuchen Sie es, wenn Sie das nächste Mal stundenlang am PC oder vor dem TV sitzen. Sie werden staunen, wie positiv sich Gähnen auf die Augen auswirkt.

Tränende Augen sind nicht trocken

Doch. Kaum jemand vermutet bei tränenden Augen, dass Trockenheit die Ursache sein könnte. Doch bei trockenen Augen ist oft nicht nur zu wenig Tränenfilm vorhanden, sondern es kann auch die Fettschicht des spärlich vorhandenen Tränenfilms zu dünn sein. Die Folge: Die wenige Tränenflüssigkeit verdunstet zu schnell. Um dagegen anzukommen, produzieren die Augen extra viel Tränenflüssigkeit. Auch trockene Augen können also tränen.

Bei schlechtem Sehen helfen nur Brille & Co

Jein. Natürlich helfen bei Fehlsichtigkeit Brillen und Kontaktlinsen. Bei schlechtem oder verschwommenem Sehen aufgrund langer Bildschirmtätigkeit oder langem Lesen hilft auch bewusstes Schweifenlassen der Augen zwischen Nah- und Fernbereich. So kommen die Ringmuskeln, die fürs Fokussieren der Linsen verantwortlich sind, zu etwas Abwechslung, nachdem sie lange angespannt waren. Dies hilft, die Augen zu entspannen.

Gregor Szyndler

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Die grössten Augenmythen

Du Blindfisch!

Du Blindfisch!

Saustall, Rabenmutter, Angsthase: Immer wieder muss die Tierwelt für die hundsgemeinen Beleidigungen im menschlichen Miteinander herhalten. So auch, wenn man eine Person, die etwas Offensichtliches nicht sieht, als Blindfisch oder blind wie ein Fisch bezeichnet. Doch wie sehr tun wir den Fischen damit Unrecht – oder fischen selbige unter Wasser wirklich im Trüben?
Dank des Regenbogenfisches, der kleinen Meerjungfrau oder Nemo wissen heute bereits die Kleinsten um die Farbenpracht von Korallenriffen und den darin lebenden Meeresbewohnern in schillerndem und leuchtendem Gewand. Aber für wen hätte sich die Unterwasserwelt so herausputzen sollen, wenn Fische und andere Bewohner sie gar nicht sehen könnten?

Bunte Unterwasserwelt

Rein anatomisch sind Fische durchaus in der Lage zu sehen, sogar Farben. Im menschlichen Auge machen lichtempfindliche Stäbchen zusammen mit den drei, für das Sehen von Farben notwendigen, roten, grünen und blauen Zäpfchen das Leben farbenfroh. Es erscheint daher fast schon als Wunder, dass es Fischen nicht zu bunt wird, denn die Zapfenzellen sind bei Fischen besser ausgebildet als bei uns Menschen und können Licht in einem grösseren Spektrum erkennen als wir. Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass viele Fischarten Farben im UV-Bereich wahrnehmen können – im Gegensatz zum Menschen. Einige Fische haben deswegen einen Zapfentyp mehr.

Im Gegensatz zu uns Menschen können einige Fischarten UV-Licht wahrnehmen.
Sogar der Goldfisch sieht viel besser, als wir denken.
Wie bei uns Menschen, sind auch bei den Fischen die Stäbchenzellen für das Sehen bei Dämmerlicht verantwortlich. Diese können nur zwischen hell und dunkel unterscheiden. Die Zäpfchen dagegen sind bei Fischen besser ausgebildet und nehmen Licht in einem grösseren Spektrum wahr. Um arbeiten zu können, benötigen die farbempfindlichen Zäpfchen aber mehr Licht als die Stäbchenzellen. Und je tiefer sich die Fische im Meer aufhalten, umso weniger Licht trifft auf ihre Augen. Umso besser, dass Fische eben auch Farben im Ultraviolettenbereich wahrnehmen können. Sogar der Goldfisch kann UV-Licht wahrnehmen. Somit ist es auch kein Wunder, dass viele Fische mit farbenprächtigen, schillernden Schuppen aufwarten – sie dienen nämlich nicht nur dazu, Feinde abzuschrecken, sondern – ganz im Gegenteil – auch zur Partnersuche.
Leider ist es aber unmöglich, das Farbempfinden der Tiere und damit von Fischen genau nachzuvollziehen, weil Menschen einen etwas anderen Sehsinn haben. Das Sehen von Farben ist zudem ein Ergebnis eines Verarbeitungsprozesses im Gehirn.

Es werde Licht!

Trifft Licht auf eine Wasseroberfläche, wird ein Teil des Lichtstrahls reflektiert. Deshalb glitzern Sonnenstrahlen auch so schön auf Gewässern. Der andere Teil des Lichtstrahls wird beim Übergang von Luft zu Wasser zwar ein wenig abgelenkt, durchbricht jedoch die Wasseroberfläche und taucht so auch die Unterwasserwelt ins richtige Licht.

Stille Wässer sind nicht nur tief …

… sondern auch dunkel. Denn je tiefer man unter dem Meeresspiegel abtaucht, desto mehr werden Farben und Licht herausgefiltert. Ab ca. 60 Meter Tiefe ist man (respektive Fisch) dann in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Die Fische und andere Bewohner haben sich den jeweiligen Lebensbedingungen ihrer Umgebung angepasst – von kristallklarem Gewässer bis hin zur finsteren Tiefsee. Einige Tiefseefische haben riesige Augen, um das wenige Restlicht besser ausnutzen zu können. Dabei sind die meisten Fische von Natur aus kurzsichtig – sie sehen nur bis zu einem Meter weit scharf. Um ihr Augenmerk auf weiter entfernte Gegenstände zu richten, ziehen Fische mithilfe eines speziellen Muskels einfach die gesamte Linse weiter ins Auge zurück. Mit mehr oder weniger scharfem Ergebnis.

Je tiefer sich die Fische im Meer aufhalten, umso weniger Licht trifft auf ihre Augen.

Blind wie ein Fisch …

… dieses Sprichwort bringt zwar viele sehende Fische ins Schwimmen, geht aber ursprünglich nur auf die Familie der Blindfische zurück. Diese fristen ihr Leben vor allem in der Dunkelheit US-amerikanischer Unterwasserhöhlen. Kein Schimmer von Tageslicht: Deswegen trägt der Blindfisch ein unpigmentiertes, weiss wirkendes Schuppenkleid. Seine Augen sind anfangs noch rudimentär ausgebildet, werden nach und nach aber von Haut überwachsen.

Der Blindfisch orientiert sich anstatt mit den Augen über das hochsensible Seitenlinienorgan. Sobald die Druckwelle seiner Schwimmbewegung von einem Gegenstand oder anderen Lebewesen abprallt und zurückgeworfen wird, kann er dadurch Entfernung, Form und Grösse des Hindernisses orten  ̶  quasi alleine durch blindes Vertrauen.

Samantha Happ

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Meister der Sehkraft

 

Raub- oder Fluchttier? Die Pupille verrät es

Augenzittern Wenn die Augen nicht mehr gehorchen

Augenzittern Wenn die Augen nicht mehr gehorchen

Nystagmus - Augenzittern

Augenzittern ist, wenn das Auge unkontrolliert hin und her springt. Es gibt verschiedene Arten des Nystagmus – wie das Augenzittern im Fachjargon heisst. Und je nach Form wird die Krankheit auch anders behandelt.

Wohin sich unser Blick richtet, ist nach wie vor unsere Entscheidung – oder etwa nicht? Nicht immer: Es gibt eine Krankheit, die unsere Augen unkontrolliert bewegen lässt. Sie ist bekannt als Augenzittern oder Nystagmus. Ihre Ausprägungsformen sind äusserst vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man aber zwischen folgenden Formen:

  • Von Rucknystagmus spricht man, wenn sich die Augen ruckartig in eine Richtung bewegen, und sich danach langsam zurück in die Ausgangsposition begeben.
  • Pendelnystagmus bedeutet, dass sich die Augen kontinuierlich hin und her bewegen, entweder horizontal oder vertikal.
  • Und dann gibt es noch die rotatorische Form, in der die Augen ständig rollen – diese Art von Nystagmus kommt aber eher selten vor.

Der Grund für diese ungewollten Augenbewegungen ist, dass die Augen versuchen, das Bild scharf zu stellen – es ihnen jedoch partout nicht gelingen will. Deshalb springen sie unkontrolliert von einem Punkt zum anderen. Die Krankheit ist eine Fehlfunktion, die entweder angeboren ist oder sich im Verlauf des Lebens entwickelt. Ersteres kommt öfters vor und steht häufig in Zusammenhang mit anderen Geburtsschäden. Erworbenes Augenzittern dagegen ist eine Folge einer Erkrankung des Gehirns oder Gleichgewichtsorgans.

Medikamentöse Behandlung umstritten

Ziel einer Behandlung ist es, die Sehschärfe zu verbessern. Dem Arzt stehen dabei zwei Arten von Behandlungsmethoden zur Verfügung – die medikamentöse oder die operative. Bei der medikamentösen werden oft Medikamente eingesetzt, die eigentlich für die Behandlung anderer Krankheiten wie Parkinson oder Epilepsie entwickelt wurden. Und weil es umstritten ist, ob diese Medikamente bei Nystagmus überhaupt wirken, wird meist ein operativer Eingriff bevorzugt. So werden beispielsweise die Augenmuskeln operativ behandelt oder Botox injiziert. Mit diesen Massnahmen soll das Zittern vermindert und somit das Sehvermögen verbessert werden.

Die natürliche Form des Augenzitterns

Es gibt eine Form des Nystagmus, die nicht krankhaft ist. Dieses Augenzittern stellt sich in manchen Situationen auch bei gesunden Menschen ein, beispielsweise wenn man im Zug sitzt und einen Blick aus dem Fenster wirft. Die schnelle Bilderabfolge führt dazu, dass wir mit den Augen anfangen von einem Punkt zum anderen zu springen. Wird uns dabei schwindelig, schauen wir ganz einfach auf einen statischen Punkt und das Zittern hört auf. Wer aber an einem krankhaften Nystagmus leidet, ist diesem Treiben gegenüber machtlos ausgesetzt.

Beim Blick aus dem fahrenden Zug stellt sich automatisch ein Nystagmus ein.

Florencia Figueroa

Wenn Stress den Augenblick kostet

Wenn Stress den Augenblick kostet

Die Augen als Spiegel der Seele? An Blicken, die mehr als tausend Worte sagen können, hätte vermutlich nicht nur Freud bei seiner Therapie grosse Freude gehabt. Doch auch andersrum wird ein Schuh draus. In einer gross angelegten Studie haben Wissenschaftler nun herausgefunden, dass psychischer Stress auch aufs Auge schlagen kann.

Schon länger bekannt ist die Tatsache, dass alleine die Angst bei einer diagnostizierten Augenerkrankung, erblinden zu können, entsprechende Symptome hervorrufen kann. Nun haben Wissenschaftler rund um Professor Sabel von der Uni Magdeburg jedoch herausgefunden, dass auch psychische Belastungen und Stress im Alltag die Sehkraft verschlechtern und so bis zur Erblindung führen können.

Sehverlust durch Alltagsfrust

In der Zeitschrift European Association for Predictive, Preventive and Personalised Medicine (EPMA) haben die Wissenschaftler im Dezember 2018 Einblicke in ihre Forschung gegeben. Dafür haben sie ein Auge auf hunderte klinische Berichte über Einschränkungen oder Verluste der Sehkraft bei Patienten geworfen und herausgefunden, dass sich psychischer Stress auf das Sehen auswirken kann.

Grund dafür sind die erhöhten Cortisolwerte. Cortisol ist ein Hormon, das bei anhaltender psychischer Belastung ausgeschüttet wird und das Nervensystem – und damit auch Augen und Gehirn – beeinträchtigen kann. Durch das Stresshormon wird der Stoffwechsel im Körper aktiviert, um Energie bereit zu stellen: Evolutionsbiologisch sollte der menschliche Körper dadurch bei drohender Gefahr in Fluchtbereitschaft versetzt werden. Ein stetig anhaltender Energie-Boost durch das Hormon ist heute jedoch häufig die Ursache für Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder gar Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infarkte.

Stress kann Auswirkungen auf die Sehkraft haben

Das Auge sieht sich nimmer satt?

Auch bei Sehnerven kann es zu Infarkten kommen: Dabei wird das Auge durch eine verstopfte Arterie nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff oder Nährstoffen versorgt und die Sehkraft lässt nach. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolwert kann auch den Augeninnendruck ansteigen lassen, der wiederum auf den Sehnerv einwirkt. Auch vor Thrombosen sind die Augen nicht gefeit. Neben Gefässverschlüssen kann der erhöhte Cortisolwert auch zu Wassereinlagerungen unter der Netzhaut führen.

In der Studie sollten jedoch nicht nur die Auswirkungen von Stress auf die Sehkraft nachgewiesen werden. Vor allem kritisieren die Forscher, dass Stress als Ursache häufig nicht bedacht werde, während umgekehrt der Sehkraftverlust als Ursache für Stress längst anerkannt sei. Einige Augenärzte haben die Auswirkungen und Wichtigkeit der psychischen Gesundheit eines Menschen jedoch bereits erkannt, und bilden sich daher zusätzlich in der Psychosomatik weiter.

Mit einem blauen Auge davonkommen …

… ist möglich. Im Falle einer stressbedingten Wassereinlagerung unter der Netzhaut kann der drohende Verlust des Augenlichtes durch Stressabbau gebremst und sogar zum Teil rückgängig gemacht werden. Dies ist natürlich im Falle eines vorliegenden Gefässinfarktes nicht mehr möglich.

Bevor man also vor lauter Stress schwarzsieht, lieber kein Auge zudrücken und selbiges besser auf die eigene Gesundheit werfen.

Samantha Happ

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Augenzucken: Mangel an Mineralstoffen?

Augenprothese – nach alten Regeln der Kunst

Augenprothese – nach alten Regeln der Kunst

So fortgeschritten die Prothetik auch sein mag – Augenprothesen werden nach wie vor in aufwändiger Handarbeit angefertigt. Der Grund: Es geht um mehr, als nur darum, ein Auge zu ersetzen.
Fällt das Wort Prothese, denkt man unwillkürlich an Kunstbeine oder -hände, an modernste Hightech-Konstruktionen, die man heute sogar mit einem 3D-Drucker herstellen kann. Das Gebiet der Prothetik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verändert, jedoch nicht im Bereich der Augenprothese.

Augenprothesen werden nach wie vor von Okularisten von Hand angefertigt

Augenprothesen werden immer noch, wie vor mehr als 150 Jahren, in feinster Handarbeit hergestellt. Zu kompliziert ist die Arbeit der Okularisten, wie man die Fabrikanten der Augenprothesen nennt, als dass man sie einfach einer x-beliebigen Maschine überlassen würde. Es geht um nichts Geringeres, als um die Wiederherstellung der Gesichtsharmonie – und das ist nicht so einfach. Das Kunstauge muss nicht nur der Augenhöhle angepasst werden, es muss auch der Form, der Farbe und Grösse des anderen Auges entsprechen. Selbst die feinen Äderchen im Auge werden exakt nachgebildet. Schliesslich soll das Kunstauge so lebendig wie möglich wirken. Und es soll sich auch, was aber nur beschränkt möglich ist, ganz natürlich bewegen können.

Für die Betroffenen ist das wichtig. Sie müssen nämlich nicht nur den Verlust eines Auges und des damit verbundenen Sehvermögens verkraften, sondern auch befürchten, dass ihr Gesicht nicht mehr das ist, was es einmal war. Mit der Augenprothese versuchen die Okularisten den Schaden möglichst klein zu halten. Das Kunstauge erfüllt demnach vor allem ästhetische Aspekte. Was die wenigsten jedoch wissen: Es gibt auch medizinische Gründe, weshalb man bei Verlust seines eigenen Auges ein Kunstauge tragen sollte.

Prothese immer tragen

Eine leere Augenhöhle droht tatsächlich zu schrumpfen. Ausserdem besteht die Gefahr, dass sich die Lider eindrehen. Es ist deshalb ratsam, sich bei Verlust eines Auges ein Kunstauge einsetzen zu lassen. Dabei hat man die Wahl zwischen einem Glas- und einem Kunststoffauge – wobei Experten in den meisten Fällen zu einem Glasauge raten. Es handelt sich dabei um die teurere Variante, sie kostet bis zu 650 Franken. Im Normalfall übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Doch warum ist ein Glasauge besser? Die glatte Oberfläche macht den Unterschied. Dank dieser bildet sich auf dem Glasauge ein durchgängiger Tränenfilm. So fühlt sich das Glasauge nie trocken an. Zudem ist Glas sehr widerstandsfähig, wodurch es sich nicht so schnell abnutzt. Kunststoff hingegen ist nicht glatt und auch nicht widerstandsfähig. Des Weiteren gibt es Personen, die eine Allergie gegen Kunststoff entwickeln können, was bei Glas nicht der Fall ist. Aus diesen Gründen wird Kunststoff eher selten eingesetzt – meistens dann, wenn die Gefahr besteht, dass das Glas schnell zerbricht. Zum Beispiel bei Personen mit Greiff-Beeinträchtigungen oder bei Parkinson-Patienten, die stark zittern.

Doch egal, wofür man sich entscheidet: Ein Kunstauge sollte man jeden Tag mit Wasser und einer speziellen Lösung reinigen, um etwaige Ablagerungen wie Schleim zu entfernen. Allerdings wird – aus den genannten medizinischen Gründen – dazu geraten, das Kunstauge immer, auch nachts, zu tragen. Und wenn man dennoch mal auf die Prothese verzichten will, sollte man sie in einem trockenen Behälter aufbewahren. Die Nutzungsdauer beträgt übrigens ein bis zwei Jahre. Danach muss eine neue Prothese her.

Jedes Kunstauge wird individuell hergestellt

Florencia Figueroa

Jeder bekommt sein individuelles Auge

Die älteste Augenprothese ist ein künstlicher Augapfel, der in einem Grab im heutigen Iran gefunden wurde und schätzungsweise 4800 Jahre alt sein soll. Er wurde aus Teer und Tierfett angefertigt. Und im Mittelalter gab es sogenannte Vorlegeaugen, die die leeren Augenhöhlen verdeckten. Die ersten Augen aus Glas wurden im 17. Jahrhundert in Venedig produziert, wobei sich der Markt bald nach Paris verschob. Diese Kunstaugen wiesen aber keinen guten Tragekomfort auf. Eine lange Tradition hatten Kunstaugen allerdings bei den Puppenherstellern. Auf die Idee, sich dieses Wissen für Menschen zunutze zu machen, kam der Arzt Heinrich Adelmann 1832. Es war aber der Glasmacher Ludwig Müller-Uri, der das Kryolithglas erfunden hat. Es wird bis heute für die Herstellung von Glasaugen eingesetzt, weil es die besten Eigenschaften mitbringt und sich optimal verarbeiten lässt. Kryolithglas wird in speziellen Glashütten hergestellt. Die Augen aus Kunststoff gehen auf das Jahr 1881 zurück. Doch egal, ob Kunststoff oder Glas – bei Augenprothesen handelt es sich stets um Einzelanfertigungen.

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