Wenn Stress den Augenblick kostet

Wenn Stress den Augenblick kostet

Die Augen als Spiegel der Seele? An Blicken, die mehr als tausend Worte sagen können, hätte vermutlich nicht nur Freud bei seiner Therapie grosse Freude gehabt. Doch auch andersrum wird ein Schuh draus. In einer gross angelegten Studie haben Wissenschaftler nun herausgefunden, dass psychischer Stress auch aufs Auge schlagen kann.

Schon länger bekannt ist die Tatsache, dass alleine die Angst bei einer diagnostizierten Augenerkrankung, erblinden zu können, entsprechende Symptome hervorrufen kann. Nun haben Wissenschaftler rund um Professor Sabel von der Uni Magdeburg jedoch herausgefunden, dass auch psychische Belastungen und Stress im Alltag die Sehkraft verschlechtern und so bis zur Erblindung führen können.

Sehverlust durch Alltagsfrust

In der Zeitschrift European Association for Predictive, Preventive and Personalised Medicine (EPMA) haben die Wissenschaftler im Dezember 2018 Einblicke in ihre Forschung gegeben. Dafür haben sie ein Auge auf hunderte klinische Berichte über Einschränkungen oder Verluste der Sehkraft bei Patienten geworfen und herausgefunden, dass sich psychischer Stress auf das Sehen auswirken kann.

Grund dafür sind die erhöhten Cortisolwerte. Cortisol ist ein Hormon, das bei anhaltender psychischer Belastung ausgeschüttet wird und das Nervensystem – und damit auch Augen und Gehirn – beeinträchtigen kann. Durch das Stresshormon wird der Stoffwechsel im Körper aktiviert, um Energie bereit zu stellen: Evolutionsbiologisch sollte der menschliche Körper dadurch bei drohender Gefahr in Fluchtbereitschaft versetzt werden. Ein stetig anhaltender Energie-Boost durch das Hormon ist heute jedoch häufig die Ursache für Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder gar Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infarkte.

Stress kann Auswirkungen auf die Sehkraft haben

Das Auge sieht sich nimmer satt?

Auch bei Sehnerven kann es zu Infarkten kommen: Dabei wird das Auge durch eine verstopfte Arterie nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff oder Nährstoffen versorgt und die Sehkraft lässt nach. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolwert kann auch den Augeninnendruck ansteigen lassen, der wiederum auf den Sehnerv einwirkt. Auch vor Thrombosen sind die Augen nicht gefeit. Neben Gefässverschlüssen kann der erhöhte Cortisolwert auch zu Wassereinlagerungen unter der Netzhaut führen.

In der Studie sollten jedoch nicht nur die Auswirkungen von Stress auf die Sehkraft nachgewiesen werden. Vor allem kritisieren die Forscher, dass Stress als Ursache häufig nicht bedacht werde, während umgekehrt der Sehkraftverlust als Ursache für Stress längst anerkannt sei. Einige Augenärzte haben die Auswirkungen und Wichtigkeit der psychischen Gesundheit eines Menschen jedoch bereits erkannt, und bilden sich daher zusätzlich in der Psychosomatik weiter.

Mit einem blauen Auge davonkommen …

… ist möglich. Im Falle einer stressbedingten Wassereinlagerung unter der Netzhaut kann der drohende Verlust des Augenlichtes durch Stressabbau gebremst und sogar zum Teil rückgängig gemacht werden. Dies ist natürlich im Falle eines vorliegenden Gefässinfarktes nicht mehr möglich.

Bevor man also vor lauter Stress schwarzsieht, lieber kein Auge zudrücken und selbiges besser auf die eigene Gesundheit werfen.

Samantha Happ

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Sehnervenentzündung

Sehnervenentzündung

Es klingt zwar etwas seltsam, aber tatsächlich kann sich auch der Sehnerv entzünden. Optikusneuritis nennt sich das. Das Gute: in den meisten Fällen legt sich diese Entzündung innert Wochen von alleine.
Der Sehnerv ist für unser Sehvermögen zentral, denn er leitet alle wichtigen Signale in unser Hirn weiter. Dort werden die Informationen zum Bild verarbeitet. Doch auch der Sehnerv kann sich entzünden. Die Krankheit nennt sich fachsprachlich Optikusneuritis. Meistens macht sich eine Sehnervenentzündung – irgendwie logisch – durch Sehprobleme bemerkbar. Aber auch schmerzende Augenbewegungen sind häufige Symptome der Optikusneuritis. Am häufigsten betroffen sind übrigens Menschen zwischen 18 und 45 Jahren – sowie Personen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind.

Typische und Atypische Optikusneuritis

Bei der typischen Optikusneuritis verschlechtert sich das Sehvermögen sehr rasch. Bemerkbar macht sich das durch einseitig abnehmende Sehschärfe oder durch schwarze Flecken im Gesichtsfeld. Ausserdem schmerzen plötzlich Augenbewegungen und der leichte Druck aufs betroffene Auge.
Von einer atypischen Sehnervenentzündung spricht der Augenarzt, wenn Betroffene jünger als 18 oder älter als 45 Jahre sind. Zudem gibt es Fälle, bei denen die Beschwerden nicht mit Schmerzen einhergehen oder beide Augen gleichzeitig betroffen sind. Auch nicht normal sind Veränderungen am Übergang des Sehnervs in die Netzhaut. Eine atypische Sehnervenentzündung tritt häufig zusammen mit Rheuma und Infektionen auf.

Symptome der Sehnervenentzündung
Schmerzende Augenbewegungen sind häufige Symptome der Optikusneuritis
Meistens legen sich die Symptome innerhalb eines Monats wieder. Im schlimmsten Fall bleibt eine beeinträchtigte Farbsicht oder eine Verminderung des räumlichen Sehens zurück. Gefährlich wird eine Sehnervenentzündung, wenn sie chronisch wird, denn dann kann der Nerv verkümmern und es kommt schlimmstenfalls zum graduellen Sehverlust.

Wie stellt der Arzt fest, ob eine Optikusneuritis vorliegt?

Im Verdachtsfall leuchtet der Augenarzt mit einer Diagnostiklampe in das Auge. Bei gesunden Augen sorgt das Gehirn dafür, dass sich beide Pupillen als Folge des Pupillenreflexes sofort verengen. Liegt eine Entzündung vor, bleibt die Pupille weit.

Ausserdem wird der Arzt auch nach Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Fieber, Hautausschlägen, Gelenkschmerzen oder reduzierter körperlicher Kraft fragen. Das klingt im ersten Moment seltsam, solche Symptome können jedoch auf eine hinter der Optikusneuritis liegende Krankheit deuten. Viele Mediziner empfehlen bei Verdacht auf Multiple Sklerose ausserdem eine Magnetresonanztomografie. Kortison-Therapien werden meist nur angeordnet, wenn Betroffene im Beruf auf bestmögliche Sicht angewiesen sind oder wenn es um das betroffene Auge aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht zum Besten bestellt ist.

Unbedingt verzichten muss man bei einer Optikusneuritis auf die heiss geliebte Sauna, da sich durch die Erhöhung der Körpertemperatur auch das Sehen verschlechtern kann. Ausserdem beeinträchtigt die Sehnervenentzündung das räumliche Sehen – es macht also Sinn, das Auto in der Garage zu lassen. Lesen hingegen, digital und auf Papier, ist nach wie vor bestens möglich.

 

Gregor Szyndler

Wenn die Tränen nur so kullern

Wenn die Tränen nur so kullern

Wenn wir Zwiebeln schneiden oder einen traurigen Film schauen, wundern wir uns nicht wirklich, wenn die Tränen kullern. Manchmal tränen unsere Augen aber ohne guten Grund. Was Sie über Tränenwege und Tränenapparat-Erkrankungen wissen sollten.

Trockene Augen kennen die meisten aus dem Alltag. Doch genau so mühsam kann es sein, wenn die Augen unablässig tränen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Tränt das Auge ununterbrochen, sind die Augen verklebt oder entstehen schmerzhafte Rötungen und Schwellungen an der Nasenwurzelseite der Augen, ist ein Besuch beim Augenarzt angebracht. Um herauszufinden, was es mit den Tränenwegen auf sich hat, wendet der Facharzt unterschiedliche Untersuchungen an:

Schirmertest

Um festzustellen, ob eine Tränenüberproduktion vorliegt, führt der Augenarzt erstmal einen Schirmertest durch. Dabei hängt er spezielle Löschpapier-Streifen in die unteren Augenlider. Daran, wie viele Millimeter weit das Löschpapier sich vollsaugt, sieht er, ob die Tränenproduktion im normalen Bereich liegt.

Salzwasserspülung der Tränenkanäle

Eine weitere Untersuchung testet die Durchlässigkeit der Tränenkanäle. Dabei wird Salzwasserlösung in die Tränenkanäle gespritzt. Wird der Kopf zurückgelegt, fliesst Flüssigkeit in den Rachen. So werden kleine Verstopfungen beseitigt.

Weitergehende Untersuchungen

In den meisten Fällen kann die Verstopfung des Tränenkanals durch diese Untersuchungen lokalisiert werden. In den anderen, seltenen Fällen kommt die Röntgenuntersuchung zum Einsatz. Mittlerweile gibt es auch feinste Endoskope, die eine direkte Visualisierung der Tränenwege erlauben.

Es gibt also verschiedene Untersuchungen, um die Ursache des tränenden Auges zu finden. Noch vielfältiger sind die Befunde, die einem tränenden Auge zugrunde liegen können – die häufigsten stellen wir hier kurz vor:

Tränendrüsen-Entzündung – Dakryoadenitis

Sie äussert sich als Druckschmerz, Schwellung und Rötung des Oberlides. Tritt sie plötzlich auf, wie etwa bei Mumps oder Grippe, führt das zu Tränen-Überproduktion. Bei chronischem Verlauf, wie das bei Tumoren oder Morbus Hodgkin der Fall ist, hört die Tränenproduktion auf.

Tränensack-Entzündungen

Entgegen dem Volksmund ist der Tränensack ein unterhalb des inneren Augenwinkels liegender Teil des Tränenapparats – nicht die mit dem Alter anschwellenden Flächen direkt unter dem Auge. Wenn hier Entzündungen entstehen, sammelt sich Eiter. Das führt zu Rötungen und Schwellungen auf der Nasenwurzelseite des Auges und die Augen verkleben. Bringen Medikamente keine Linderung, braucht es einen operativen Eingriff.

Angeborener Tränen-Nasen-Gang-Verschluss

Einige Babys haben nach der Geburt meist einseitig ein dauernd tränendes Auge. Dies, weil sich bei Geburt die Membrane über dem Tränennasengang nicht öffnet. Bei den meisten löst sich die Verengung innerhalb der ersten 12 Monate spontan. Verschwindet das Problem nicht, kann ab einem Alter von einem Jahr der Gang durchgespült werden.

Tränendrüsentumore

Sie äussern sich als klein- bis grossflächige Schwellungen, die je nach dem schmerzlos aber auch extrem schmerzhaft sein können. Gefährlich werden sie, wenn sie in die Augenhöhle wachsen. Wie alle Tumore können sie gut- oder bösartig sein.

Tränenkanal-Entzündungen

Tränenkanal-Entzündungen erfordern Antibiotika und Spülungen. Bei chronischem Verlauf kommt es zu Verengungen und Verklebungen des Tränenkanals.

Tränenwegsteinchen – Dakryolythen

Verengte und verklebte Tränengänge führen zur Bildung von Tränenwegsteinchen. Sie rutschen oft als Sandkörnchen in Nase und Mund. Es kann nötig sein, sie herauszuspülen oder operativ zu entfernen.

Übermässig tränende Augen können Symptom verschiedenster Krankheiten sein. Gehen Sie in einem solchen Fall unbedingt frühzeitig zum Augenarzt, damit die Ursache behoben werden kann. Es lohnt sich nicht, zu lange die Zähne zusammenzubeissen, besonders wenn klar ist, dass weder Liebesfilm noch Zwiebeln Schuld sind.

Gregor Szyndler