Synästhesie – wenn die Welt ein bisschen bunter ist

Synästhesie – wenn die Welt ein bisschen bunter ist

Farbiges Hören, bunte Buchstaben und Worte, die nach gewissen Dingen schmecken – Synästhesie ist keine Krankheit, aber sie bewegt das Leben Betroffener dennoch auf ganz besondere Art und Weise. Denn wenn Buchstaben plötzlich zu Farben werden, fragt sich jeder, ob sein Sehsinn noch richtig tickt.

«Wenn du an Buchstaben denkst, siehst du diese dann auch in bunten Farben vor dir?» Diese Frage einer Freundin hat mich im ersten Moment ein wenig aus dem Konzept gebracht. «Meint Sie das ernst??» und «Läuft da was schief?» Zwei Fragen, die sich mir stellten, die ich aber schnell ad acta legte. Denn Recherchen ergaben: Sie ist nicht allein auf dieser Welt. Rund 4 Prozent aller Menschen ergeht es wie ihr. Denn was für mich zunächst ein wenig verrückt klang, begleitet meine Freundin schon ein Leben lang. Die Bezeichnung für dieses Phänomen: Synästhesie. Wie gesagt ergeht es vier von hundert Menschen genauso und die leben nicht schlechter als ein «Normalo». Ganz im Gegenteil: Ihr Leben ist ein wenig bunter. Es ist sinn-voller.

Doppelt hält besser

Doch was steckt hinter diesem medizinischen Phänomen? Spielen einfach die Sinne verrückt? Oder handelt es sich um eine Krankheit? Was zunächst etwas eigenartig klingt, ist im Grunde leicht zu erklären: Die Aufnahme eines Reizes wird nicht nur von einer Hirnregion verarbeitet, sondern eine nicht direkt angesprochene Region schaltet sich ebenfalls zur Verarbeitung dazu. Dies betrifft vor allem die Sektionen, mit denen wir unsere Sinne koordinieren. Oder vielmehr, die diese für uns verarbeiten. Forscher reden von einem Überangebot von grauen Substanzen (Nervenzellen) im Hirn an der einen Stelle und einer erhöhten Dichte an weisser Substanz (Nervenverbindungen) an anderen.

Dem Kind einen Namen geben

Die Folgen dieser aussergewöhnlichen Sinneswahrnehmungen sind, dass Betroffene eben in Farben hören. Oder eben Zahlen und Buchstaben vor dem geistigen Auge coloriert erscheinen. Experten sprechen in diesem Fall von der Graphem-Farb-Synästhesie. Die Forschung zu diesem Phänomen begann schon im Jahr 1866. Alfred Vulpian war der erste, der händeringend nach einem Wort suchte, um dieser Empfindung einen Namen zu geben. Am Ende war es wie so oft eine Kombination aus dem Besten – der Neurologe und Physiologe kombinierte das «syn» (griechisch für zusammen) und das «aisthesis» (griechisch für Wahrnehmung) und legte den Grundstein für die Erforschung der Synästhesie.

Nicht immer ist die Lösung einfach

Hochmotiviert, auf Details fokussiert – zahlreiche Experten sprangen auf das von Vulpian angestossene Boot mit auf. Es war ein motiviertes Unterfangen, was in purer Nüchternheit endete. Die Schilderungen Betroffener waren zu unterschiedlich, ein einheitliches Erlebnis-Bild ein Wunschgedanke. Keiner fand eine Antwort, die sich das Attribut «allgemeingültig» zuschreiben konnte. Erst Dinge wie das MRT, also die Magnetresonanztomographie, halfen bei der Erforschung. Endgültige Ergebnisse aber bleiben weiterhin offen. Neue Verfahren wie das «Diffusion Tensor Imaging» (DTI) sollen mehr Aufklärung bringen. Ziel ist es, der Nerven-Vernetzungen des Gehirns auf die Spur zu kommen.

Von Grund auf anders

Illustration eines bunten Gehirns. Bunte Zahlen und Farbtupfer kommen daraus.

Das Gehirn von Menschen mit Synästhesie weist mehr Verbindungen auf, was zu mehr Kreativität beiträgt

Heute zeigen die Studien-Ergebnisse, dass Gehirne von Menschen mit synästhetischen Fähigkeiten «komplett anderes funktionieren» – und das mit den Tag der Geburt. Aufbau und Vernetzungen unterscheiden sich von denen eines «normalen» Gehirns. So verfügt es über mehr Verbindungen und zentrale Knoten, die mit anderen Gebieten des Gehirns kommunizieren. Welche Art von Synästhesie sich jedoch ausbildet, dafür sind die Erlebnisse in der Kindheit verantwortlich. Da wir in jungen Jahren viel Lesen und damit Buchstaben konsumieren, verwundert es nicht, dass rund 60 Prozent der Menschen mit Synästhesie, die schon angesprochene Graphem-Farb-Form aufweisen, bei der Zeichen, Buchstaben und Zahlen mit Farben verknüpft werden. Andere Formen sind beispielsweise das «Farbige Hören», bei dem Geräusche als Farben wahrgenommen werden, oder die «Personen-Farb-Synästhesie». Bei dieser werden bestimmten Personen charakteristische Farben zugeordnet. Peter ist blau und Petra ein gelber Sonnenschein.

Gesteigerte Kreativität als übergeordnetes Erkennungsmerkmal

Wie viele Formen der Synästhesie es gibt, hat die Wissenschaft jedoch immer noch nicht herausgefunden. Das aber ist einfach dem Fakt geschuldet, dass jeder Mensch in Individuum ist. Das Phänomen zeigt sich daher immer in anderer Form. Nicht zu widerlegen aber ist, dass Menschen mit Synästhesie in der Regel alle die folgenden Eigenschaften aufweisen können:

  • gesteigerte Kreativität
  • gesteigerte Merkfähigkeit
  • bessere Vorstellungskraft
  • bessere Detail-Erkennung
  • sensiblere Sinneswahrnehmung
  • gesteigerte Empathie

Es verwundert daher nicht, dass Menschen mit Synästhesie oft in kreativen Berufen zu finden sind. Bekannte Persönlichkeiten, wie unter anderem die Sängerin Lady Gaga oder der verstorbene Maler Vincent van Gogh sind nur zwei prominente Beispiele. Und auch meine Freundin kann ich klar dieser Kategorie zuordnen.

Wilma Fasola
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Was mit den Augen nach dem Tod passiert

Was mit den Augen nach dem Tod passiert

Die Augen sind das Fenster zur Seele. Wenn Menschen sterben, erlöschen sie – und trotzdem erinnern die Augen vom ganzen Körper wahrscheinlich am meisten an den Toten. Darum werden Toten, die mit offenen Augen starben, die Augen geschlossen. Wie verändern sich die Augen nach dem Tod und wie lange ist eine Hornhautspende möglich?
Landschaftsbild

Der wichtigste Grund dafür, den Toten die Augen zu schliessen, ist Pietät. Früher spielte auch Aberglaube eine Rolle, weil die Leute sich vor den leeren Blicken der Toten fürchteten.

Vor der Totenstarre ist das Schliessen der Augen problemlos möglich. Nach Eintreten der Totenstarre können die Augen nicht mehr ohne weiteres geschlossen werden.

Ein paar Stunden nach dem Tod trocknet die Bindehaut aus – jedenfalls bei Toten, denen die Augen nicht geschlossen wurden. Später verfärbt sie sich gelblich-bräunlich, nach einiger Zeit wird sie dann schwarz.

Für Bestatter sind die Augen der Toten ein wichtiger Punkt auf der To-do-Liste. Sind die Augen offen, setzen sie genoppte Plastikkappen auf die Augäpfel. Über diese Noppen können die Augenlider gezogen werden. So wird das ungewollte Öffnen der Lider etwa bei der Aufbahrung, verhindert. Darüber hinaus verhindern Augenkappen das Einsinken der Augenlider.

Cornea-Spende

Bevor die Verstorbenen zu den Bestattern kommen, ist es möglich, das Auge zu entnehmen und die Augenhornhaut zu spenden. Transplantationen der Augenhornhaut, in der Fachsprache Cornea-Transplantation genannt, sind eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Gewebetransplantationen.

Sogar Menschen mit Fehlsichtigkeit oder solche, die eine Katarakt-OP hinter sich haben, können Augenhornhäute spenden. Eine Laserkorrektur kann die Cornea-Spende ausschliessen, da bei dem Eingriff die Hornhaut bereits manipuliert wurde. Weil sich die Augenhornhaut nicht ohne Verminderung der Funktionstüchtigkeit sterilisieren lässt, schliessen auch bestimmte Erkrankungen die Cornea-Spende aus – Beispiele sind unter anderem HIV, Hepatitis B/C oder Syphilis.

Die Cornea muss durch den Arzt im Spital entfernt werden. Nach der Entfernung werden die Augenhornhäute in Nährlösungen aufbewahrt und anschliessend in Gewebespende-Banken gelagert. Dort können sie Menschen mit Augenverletzungen, Infektionen oder Geschwüren zu besserer Sicht verhelfen. Aber auch Patienten, die an Stoffwechselstörungen oder getrübter Cornea leiden, können davon profitieren.

Weil die Augenhornhaut nicht durchblutet ist, kann sie bis zu zwei Tage nach dem Tod entnommen werden. Die Zellen bauen sich jedoch immer mehr ab, deshalb ist eine möglichst baldige Entnahme immer am besten. Damit äusserlich nichts auf die Entnahme des Auges hindeutet, werden nach der Gewebeentnahme ebenfalls Kappen oder ähnliches eingesetzt und die Augen geschlossen.

So sieht man den Verstorbenen ihre grosszügige Spende auch im Aufbahrungssaal nicht an und kann sich ohne bange Augenblicke voneinander verabschieden.

 

Gregor Szyndler

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Augen als Tor zur Seele

Symbole soweit das Auge reicht

 

Blaulichtreport

Blaulichtreport

Früher war es der Flimmerkasten, heute sind es die Bildschirme in diversen Formen und Varianten, die unseren Augen zusetzen. Was macht das Blaulicht mit unseren Augen und gibt es Bildschirme, die augenfreundlicher sind als andere?

Blaulicht Bildschirm LED
Selbst wer jetzt nicht gezwungen ist, während der Arbeitszeit auf den Bildschirm eines Computers zu schauen, blickt oft genug am Tag darauf. Das Smartphone, TV am Abend oder einfach auch die privaten Stunden am heimischen PC, die Menschen können nicht mehr ohne. Doch gesund ist das nicht. Wissen wir, gestehen wir uns aber in der Regel erst ein, wenn es Auswirkungen auf unser Wohlbefinden hat. Wenn beispielsweise der Rücken schmerzt, die Handgelenke wehtun oder eben die Augen brennen und jucken. Im letzteren Fall reden medizinisch versierte Experten umgangssprachlich vom «digitalen Sehstress».

Permanent gereizt

Offiziell werden die Auswirkungen von zu langem Starren auf einen Bildschirm auch als «Office Eye Syndrom» oder «Gamer Eye» bezeichnet. Der Tränenfluss versiegt oder besser, das Augenlid minimiert seine Arbeit und hinterlässt ein trockenes Auge. Das ist aber am Ende nur eines der Probleme. Die verwendeten Leuchtdioden – kurz eben auch als LED bekannt – mischen gelbes und blaues Licht. Allerdings sind sich Experten uneinig darüber, wie schwerwiegend das Blaulicht der Bildschirme für unsere Augen überlange Zeiträume wirklich ist. Einige sind der Meinung, die Augen werden durch das Blaulicht herausge- und in vielen Fällen überfordert. Andere weisen darauf hin, dass trotz vielen Bestrebungen bis jetzt nicht bewiesen werden konnte, ob Blaulicht in der täglichen Intensität beziehungsweise die Transmission der blauen Strahlen beim Menschen zu einem Schaden führen. Hingegen zeigten sich Netzhautveränderungen in künstlich hoher Transmission im Tierversuch.

Ein Bewusstsein zu haben, unseren Augen bei der täglichen Bildschirmarbeit oder eben beim Freizeitgenuss regelmässig eine Pause zu gönnen, ist sicher empfehlenswert.

Je höher die Auflösung, desto besser die Aussicht

Doch nun die gute Nachricht – es gibt «augenfreundliche» Monitore. Die Frage ist nun einfach, sind die nun «curve» oder «extra large»? Sind die nur in Form eines Handys erhältlich und braucht es eine gewisse Auflösung? Und kann ich wirklich jedem Hersteller trauen, der mit dem Aspekt «augenfreundlich» wirbt? Die Antwort auf den letzten Punkt ist dabei am einfachsten: Nein. Werbung ist ein Versprechen, das eben nicht immer oder nur unter gewissen Bedingungen eingehalten werden kann. Daher lieber die Fakten checken und zunächst einmal darauf achten, wie hoch die Pixelanzahl ist – denn die ist immer ausschlaggebend. Und welche Grösse und Form der gewünschte oder eben bereitgestellte Bildschirm aufweist.

Bei der Auflösung gilt also: je mehr Pixel desto besser. In der Fachsprache gesagt, ist es daher wichtig, bei einer Grösse von bis zu 24 Zoll auf jeden Fall nur Monitore zu kaufen, an denen das Etikett «Full HD» haftet. In Pixel bedeutet das 1’920 mal 1’080 und in ausgeschriebener Form «Full High Definition». Grösser und mehr Sichtfläche bedürfen unbedingt einer Steigerung der Pixelanzahl. Da haben wir dann die «Quad High Definition» – kurz «QHD» – mit 2’560 mal 1’440 Pixeln oder die «Ultra High Definition» – kurz «UHD» – mit 3’840 mal 2’160 Pixeln. Und ein Blaulichtfilter ist ebenfalls immer empfohlen.

Kurven sind wichtig

LED Bildschirm curve

Ein gewölbtes Display kann die Augen entlasten

​Zum Thema Verpackung lässt sich zudem sagen: Keine Hochglanz-Einbände. Es wird vermutet, dass Bildschirme, die sich in glänzendes Plastik hüllen, den Augen nicht gut tun. (Quelle)

Matt ist die Lösung und es scheint, dass «curve» das neue «gesund» ist. Ein gewölbtes Display entlastet die Augen und beugt Übermüdung vor. Unsere Augen sind konvex. Das bedeutet übersetzt, dass unsere Augäpfel leicht nach aussen gekrümmt sind. Der Abstand bei der platten Version eines Bildschirms variiert daher beim Anblick auf das Display. Das bedeutet Arbeit für das Auge – ein aufwendiger Nebeneffekt.

Biegt sich hingegen ein Monitor, ist der Abstand in der Regel in allen Blickwinkeln gleich. Anpassungen sind nicht relevant. Betrachtungswinkel-Stabilität nennt sich das in Expertensprache. Da kann eine Arbeitssession auch mal länger als zwei Stunden dauern und Blockbuster sind endlich so unterhaltsam wie gesundheitskonform. Für jeden ein Muss, egal ob freiwillig oder arbeitsbedingt vor dem Bildschirm. Unsere Sinne sind wahrhaftig unfassbar.

 

Wilma Fasola

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So bringen Sie Ihr Kleinkind zur Brille

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Auch bei Kleinkindern muss bei einer Sehschwäche eine Brille auf die kleine Nase. Wie Sie diesen Schritt als Eltern begleiten können, lesen Sie hier.
Kleinkind mit Brille
Stolpert die zweijährige Noemi über Gegenstände, die im Weg liegen oder steht der dreijährige Max besonders nah zum laufenden Fernseher, liegt der Verdacht nahe: Die beiden Kleinkinder sehen unscharf. Eine Sehschwäche kommt auch bei sehr jungen Kindern vor. Umso wichtiger, diese zu korrigieren und dem Nachwuchs optische Sinneserfahrungen zu ermöglichen. Hier einige Tipps, wie dies gelingen kann:

Vertraut machen

Mit Sonnenbrille das Kind an die «echte» Brille gewöhnen

Mit Sonnenbrille das Kind an die «echte» Brille gewöhnen

Bestätigt sich der Verdacht nach einem Besuch beim Augenarzt oder Optiker, geht es nun darum, Ihr Kind mit Brillen vertraut zu machen. Das Sichtfeld ändert sich mit einer Brille auf der Nase, ausserdem fühlt sich der Gegenstand im Gesicht ungewohnt an. Damit Sehhilfen für Kleinkinder nichts Aussergewöhnliches bleiben, sollten sie sich damit vertraut machen können. Scheint draussen die Sonne? Dann steht einem Spaziergang mit Sonnenbrille nichts im Weg. So können die Kleinkinder sich unbeschwert an das ungewohnte Ding im Gesicht gewöhnen. Und Sie als Eltern können als gutes Vorbild gleich mitmachen.

Darüber reden

Kleinkinder erforschen die Welt, indem sie Fragen stellen und darüber reden. Wer in Ihrem Bekanntenkreis trägt eine Brille? Warum? Oder warum nicht? Suchen Sie nach Bildern, die Menschen mit Brillen illustrieren. Keine Angst, Ihrem Kind werden die Fragen dazu nicht ausgehen, besonders wenn es sich sowieso im «Fragealter» befindet. Wird das Thema fassbar, setzt sich Ihr Kind damit auseinander.

Einbeziehen ohne Überforderung

Selber aussuchen bereitet Spass und macht stolz

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Zu guter Letzt soll die Brille ausgewählt und gekauft werden. Lassen Sie Ihr Kind mitentscheiden, welche Sehhilfe es auf seiner Nase haben möchte. Vergessen Sie nicht: Darf Ihr Kind mitbestimmen, welche Brille es sein soll, wird es diese auch besser tragen.

Ein Kleinkind hat nur eine kurze Konzentrationsspanne und ist deshalb schnell abgelenkt. Erwarten Sie nicht, dass es aus hunderten ein Modell auswählen kann. Halten Sie die Auswahl deshalb klein, um Ihr Kind nicht zu überfordern.

Neue Sinneseindrücke ermöglichen

Sitzt die Brille zu guter Letzt auf der Nase, freuen Sie sich mit Ihrem Kind: Die Sicht auf die Welt steht ihm jetzt offen. Je nach Sehstärke nimmt ihr Kind seine Umgebung nun im wahrsten Sinne des Wortes mit neuen Augen wahr. Welche Sinneseindrücke es jetzt in geschärfter Optik neu erleben darf, das bestimmen Sie als Mutter oder Vater eines Kleinkindes massgeblich mit. Gehen Sie mit ihm nach draussen, entdecken Sie die Natur gemeinsam neu. Und stellen Sie sich darauf ein, eher mehr als weniger Zeit für einen Weg zu Fuss einzuberechnen. Kleine Forscherinnen und Forscher brauchen manchmal viel Zeit für neue Entdeckungen. Und vor allem, wenn die neue Brille ihr Blick für die Umgebung noch stärker schärft.

Susanna Valentin

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind schlecht sieht?

Unsere Experten beraten Sie und Ihr Kind gerne. Weitere Informationen finden Sie unter www.vista.ch
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Ein gespaltenes Auge

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Katzenaugen beim Menschen? Ja, das gibt es tatsächlich. Hervorgerufen wird diese Besonderheit durch ein Iriskolobom – leider verleiht sie Betroffenen aber nicht zusätzlich die spezielle Sehfähigkeit von Katzen.

Kolobom_Katzenaugensyndrom

Farbige Linsen mit lustigen Motiven können für gewisse Anlässe lustig und ein Hingucker sein – auch spezielle Designs wie zum Beispiel Katzenaugen sind erhältlich. Doch was manche für Geld kaufen, haben andere von Natur aus – das Katzenaugen-Syndrom. Dieses kann durch ein Iriskolobom hervorgerufen werden.

Verschiedene Arten

Zuerst zur Worterklärung: Kolobom stammt aus dem Griechischen und heisst so viel wie «entfernter Teil». Der Begriff bezeichnet in der Medizin eine angeborene oder erworbene Spaltbildung im Bereich des Auges. Korrekterweise spricht man von einem okularen Kolobom, wobei es verschiedene Arten gibt:

  • das Lidkolobom
  • das Papillenkolobom
  • das Linsenkolobom
  • das Aderhautkolobom
  • das Iriskolobom

Das Iriskolobom ist die häufigste Form, weshalb sie im Folgenden etwas näher erläutert wird. Das Wort «häufig» ist in diesem Zusammenhang allerdings relativ zu versehen, denn ein Kolobom tritt im Allgemeinen äusserst selten auf. Gemäss Experten sind, je nach Land, nur höchstens ein bis neun Menschen von 100’000 davon betroffen.

Wie der Name verrät, wird bei einem Iriskolobom die Iris, auch Regenbogenhaut genannt, in Mitleidenschaft gezogen. Die Pupille, die sich in der Mitte der Iris befindet, ist nämlich nicht rund, sondern schlüssellochförmig und erinnert so an die Schlitzpupillen von Katzen.

Ursachen

Iriskolobom

Beim Iriskolobom ist die Pupille schlüssellochförmig

​Grund für ein Kolobom ist, dass die Iris sich nicht richtig entwickelt hat. In den meisten Fällen ist die Spaltbildung angeboren. Dazu muss man wissen: Die Augen des Menschen entwickeln sich während der vierten und der 15. Schwangerschaftswoche. Kolobome jeglicher Art werden durch Störungen während dieser embryonalen Entwicklung verursacht. Die Augenbecherspalte schliesst sich während der Embryonalentwicklung nicht vollständig. Davon kann nur ein Auge betroffen sein (unilateral); es können aber auch beide Augen (bilateral) dieses Merkmal aufweisen.
Was die Störungen genau auslöst, ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass bestimmte Arzneimittel oder andere chemische Stoffe dafür verantwortlich sind, vor allem der Wirkstoff Thalidomid. Thalidomid erwies sich laut Experten als sehr gefährlich – es ist im Beruhigungsmedikament Contergan vorhanden, welches Ende der 50er und Anfang 60er Jahre Schwangeren als rezeptfreies Schlaf- und Beruhigungsmittel und gegen Übelkeit abgegeben wurde. Durch die Einnahme von Contergan kam es zu einer Häufung von schweren Fehlbildungen und gar zum Fehlen von Gliedmassen und Organen bei Neugeborenen. Zudem kam es zu einer unbekannten Zahl von Totgeburten.
Ebenfalls als Auslöser für Kolobome gelten ein paar erblich bedingte Faktoren wie das bereits erwähnte Katzenaugen-Syndrom. Es gibt aber noch mehr, beispielsweise  Trisomie 3, das Cohen, Lenz- und das CHARGE-Syndrom.

In seltenen Fällen tritt ein Kolobom im Erwachsenenalter auf. Ursachen sind dann meist Gewalteinwirkung oder Unfalltraumata.

Symptome und Behandlung

Inwiefern sich ein Kolobom auf das Sehvermögen auswirkt, hängt davon ab, an welcher Art der Betroffene leidet und wie gross der Übeltäter ist. Menschen mit einem Iriskolobom klagen oft, dass sie grelles Licht nicht gut vertragen. Papillenkolobome, die den Sehnervenkopf betreffen, und solche, die sich im Augenhintergrund auf der Aderhaut oder der Netzhaut befinden, können gar einen Gesichtsfeldausfall zur Folge haben. Des Weiteren können Kolobome Netzhautablösungen, Glaukome oder Schielen auslösen. Im schlimmsten Fall führen sie zur Blindheit des erkrankten Auges.

Leider gibt es keine Heilung. Es kann höchstens versucht werden, die mit der Krankheit einhergehenden Beschwerden zu lindern. Wer möchte, kann beim Iriskolobom die falsch entwickelte Pupille mit einer Kontaktlinse kaschieren. Doch etwas sollte nicht ausser Acht gelassen werden – das «Katzenauge» fällt auf, es ist ein besonderes Merkmal und einzigartig.

Florencia Figueroa

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