In der Tierwelt finden sich die unterschiedlichsten Formen von Pupillen. Sie sind angepasst auf die unterschiedlichen Lebensarten der Tiere und verraten uns heute noch vieles über eben diese. Zum Beispiel auch, ob es sich bei dabei um einen Fleisch- oder Pflanzenfresser handelt.

Es ist nur ein Loch. Ein schwarzes Loch, durch das Licht eindringt. Mal wird es grösser, mal kleiner, je nachdem, wie viel Licht ins Auge fällt – die Rede ist von der Pupille. Es gibt diverse Arten von Pupillen: runde und schlitzförmige zum Beispiel. Letzteres in den Ausführungen waag- und senkrecht. Menschen sowie grössere Raubtiere, zu denen Löwen, Bären und Wölfe gehören, haben runde Pupillen, wohingegen senkrechte Schlitzpupillen typisch für Katzen sind. Waagrechte Schlitzpupillen hingegen sieht man bei Ziegen oder Kröten.

Ganz ungewohnt wird es dann in der Unterwasserwelt: Tintenfische haben gar w-förmige, und Stachelrochen sichelförmige Pupillen. Ausschlaggebend für die Form der Pupillen sind die Muskeln. Sie bestimmen jeweils, wie viel Licht ins Auge eindringen darf. Sie schliessen und öffnen die Pupille, und je nachdem, wie die Muskeln angeordnet sind, ergibt sich daraus die Form der Pupille.

Ein ringförmiger Muskel hat eine runde Pupille zur Folge. Beim Lichteinfall zieht sich der ringförmige Muskel gleichmässig zusammen oder auseinander, sodass die Pupille immer kreisförmig bleibt. Für die Schlitzpupillen hingegen sind zwei Muskeln zuständig, die sich an der Seite des Auges befinden. Man muss sich diese beiden Muskelstränge wie ein Haargummi vorstellen, das man an zwei Enden auseinander- und zusammenzieht. Ob die Schlitzpupillen nun waagrecht oder senkrecht sind, hängt davon ab, wo die Muskeln angebracht sind.

Sind die Augen vorne oder seitlich?

Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum es diese verschiedenen Formen von Pupillen gibt. Tatsächlich haben sich diese im Laufe der Evolution entwickelt und sind für das betreffende Tier und seine Lebensweise die wohl beste Option. So erlaubt ein waagrechter Schlitz beispielsweise ein viel breiteres Gesichtsfeld, wodurch Feinde und Hindernisse besser und vor allem schneller entdeckt werden können. Das ist für Fluchttiere wie Kühe und Ziegen überlebenswichtig. Sie müssen nämlich den sich anschleichenden Feind frühzeitig entdecken, um rechtzeitig fliehen zu können. Die horizontalen Schlitzpupillen lassen sich deshalb vor allem bei Pflanzenfressern ausmachen, die sich auch dadurch kennzeichnen, dass sich ihre Augen seitlich am Kopf befinden. Diese Position der Augen unterstützt die Pupillen in ihrer Fähigkeit, möglichst in die Weite zu sehen.

Im Gegensatz dazu befinden sich bei den Raubtieren die Augen an der Vorderseite des Kopfes. Das erlaubt ihnen räumliches Sehen – das wiederum ist für die Raubtiere essenziell. Denn um gut zu jagen, müssen die Raubtiere abschätzen können, wie weit das Beutetier entfernt ist. Die Raubtiere müssen ausserdem ihre Beute anpeilen können, und das geht nur, wenn sie in der Lage sind, in drei Dimensionen zu sehen. Die vertikalen Schlitzpupillen sowie die runden Pupillen helfen beim räumlichen Sehen. Der Unterschied zwischen den Raubtieren mit vertikalen Pupillen und denen mit runden Pupillen liegt darin, dass letztere ihre Beute hetzen anstatt ihr aufzulauern.

Gilt Pupillenregel nur bei Landtieren?

Die Pupillen verraten demnach, um was für eine Tierart es sich handelt. Runde Pupillen und senkrechte Schlitzpupillen, die an der Vorderseite des Kopfes angebracht sind, sind ein Anzeichen dafür, dass es ein Raubtier ist. Waagrechte Schlitzpupillen, die sich an der Seite des Kopfes befinden, sprechen dafür, dass es sich um ein Fluchttier handelt. Diese Regel jedoch gilt vor allem für Landtiere. Ob das auch auf Wassertiere wie Fische, oder Flugtiere wie Vögel zutrifft, muss erst noch untersucht werden. Allerdings erwarten die Forscher um den Leiter Martin S. Banks von der University of California, die auch die Pupillen der Landtiere untersucht haben, keine grosse Abweichung von der Regel.

Florencia Figueroa

 

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