Doppelt hält besser? Nicht beim Sehen. Bei übermässigem Alkoholgenuss kann es schnell vorkommen, dass sich vom Bierglas bis zu den Freunden alles verdoppelt. Wir erklären, wie Alkohol und unser Sehvermögen zusammenhängen.

Es ist ein Nervengift – dass sich Alkohol auf den Körper auswirkt, verwundert deshalb wohl niemanden gross. Man fragt sich eher, wie das Genussmittel uns beeinflusst. Diese Frage lässt sich tatsächlich nicht abschliessend beantworten. Es kommt nämlich darauf an, wie viel man trinkt und wie oft. Jedenfalls zählt Alkohol weltweit zu den führenden Gesundheitsrisiken. Hierzulande ist laut dem Bundesamt für Gesundheit jeder 12. Todesfall auf übermässigen Alkoholkonsum zurückzuführen. Zum Glück aber trinken laut dem BAG die meisten Schweizer Alkohol in völlig unproblematischer Weise. Dass man aber ab und zu ein Gläschen zu viel erwischt, kann durchaus passieren.

Häufig wirkt sich der übermässige Alkoholkonsum auch auf das Sehvermögen aus: Die Augen scheinen plötzlich nicht mehr mitmachen zu wollen. Mehr noch: Man sieht alles doppelt! Aber keine Panik. Die Diplopie, wie das Phänomen in der Medizin genannt wird, ist etwas, was häufig vorkommt, wenn man betrunken ist – und verschwindet so schnell wie es gekommen ist.

Zuerst einmal gilt es jedoch, die Diplopie zu unterscheiden. Es gibt nämlich zwei: die monokulare und die binokulare. Die monokulare Diplopie bedeutet, dass man die Doppelbilder auch dann sieht, wenn ein Auge geschlossen ist. Bei der binokularen Diplopie hingegen sieht man die Doppelbilder nur dann, wenn beide Augen geöffnet sind. Die Diplopie muss auch nicht zwangsläufig mit Alkohol in Zusammenhang stehen, sondern kann auch andere, unter anderem schwerwiegende Ursachen haben. Die Auslöser reichen von Müdigkeit oder Durchblutungsstörungen, über Medikamente bis hin zu Unfällen, Schielerkrankungen, Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen.

Trotz Schielen keine Doppelbilder

Gehen wir nun aber davon aus, dass der Betroffene lediglich zu tief ins Glas geschaut hat und aus diesem Grund doppelt sieht. Warum das so ist, liegt an den Botenstoffen, die verantwortlich sind für die genaue Kommunikation der Nervenzellen. Durch den übermässigen Alkoholgenuss werden diese nämlich durcheinandergebracht. So kommt es, dass wir nicht mehr richtig artikulieren können, das Gleichgewicht verlieren und das Sehvermögen leidet: Wir fangen an, schlecht oder sogar doppelt zu sehen.

Um zu verstehen, warum es so weit kommt, muss man das Konzept des Sehens durchleuchten: Sowohl das rechte als auch das linke Auge erfassen Bilder – beide aus einem leicht anderen Winkel. Diese Bilder gelangen ins Gehirn, das daraus ein dreidimensionales Ganzes formt. Erforderlich für das räumliche Sehen sind neben dem Gehirn eine intakte Netzhaut, auf die das Bild projiziert wird, aber auch geschickte Augenmuskeln, die die Augen miteinander in die korrekte Richtung blicken lassen. Stehen wir jedoch unter Alkoholeinfluss, können die Augenmuskeln sich nicht mehr richtig ausrichten, was dazu führen kann, dass wir entweder unscharf oder gar doppelt sehen.

Diplopie nur vorübergehend

Man kann also beruhigt sein: In der Regel entsteht die vorübergehende Diplopie, weil die zwei Bilder der Augen nicht im richtigen Verhältnis zueinanderstehen. Ausgelöst kann dieser Zustand durch übermässigen Alkoholkonsum, wodurch die Diplopie wieder abklingt, sobald der Alkoholpegel im Körper abnimmt. Sollte die Diplopie jedoch akut auftreten und länger anhalten, ist es auf jeden Fall angebracht zum Arzt zu gehen und der Ursache der Diplopie genauer auf den Grund zu gehen.

Florencia Figueroa

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