Pilzkeratitis kennt man vor allem aus tropischen Ländern. Nun sind mehrere Fälle in Deutschland bekannt geworden. Der Auslöser für die Krankheit wurde schnell gefunden: weiche Kontaktlinsen.

Ob man nun die Brille putzt oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Und wenn man es nicht tut, ist das höchstens störend. Bei Kontaktlinsen jedoch kann die mangelnde Hygiene schwerwiegende Folgen haben, zum Beispiel Pilzkeratitis. Dabei handelt es sich um eine Hornhautentzündung, die durch eine Infektion durch einen Pilz verursacht wird.

Laut dem Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie der Universität Würzburg ist der Schimmelpilz der Gattung Fusarium einer der wichtigsten Erreger der Pilzkeratitis. Das Problem bei diesen Pilzen ist, dass sie sich kaum behandeln lassen, denn gemäss dem Lehrstuhl «sind diese Pilze häufig resistent gegen die verfügbaren Medikamente.» Oftmals seien Hornhauttransplantationen deshalb nötig, in schlimmen Fällen bestehe der letzte Ausweg gar darin, das infizierte Auge operativ zu entfernen und durch ein Glasauge zu ersetzen.

Bislang kam die Pilzkeratitis in dieser Form tatsächlich vor allem in tropischen Ländern vor. Doch Mitte August 2017 wurden auch in Deutschland mehrere solcher Fälle entdeckt. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass es die Krankheit in Deutschland vorher nicht gab. Dass man erst vor Kurzem auf sie aufmerksam wurde, hängt vielmehr damit zusammen, dass das Nationale Register für Pilzkeratitiden, also Hornhaut-Infektionen durch Pilze erst im Jahr 2016 eingerichtet wurde. Davor gab es in Deutschland gar keine Möglichkeit, Fälle von Pilzkeratitis zu melden.

Hygiene ist das Wichtigste

Vom neuen Instrument wurde rege Gebrauch gemacht. 15 Fälle von Pilzkeratitis wurden so bekannt. Bei ihren Analysen, so der Lehrstuhl der Universität Würzburg, haben die Experten verschiedene Schimmelpilze der Gattung Fusarium als Verursacher identifiziert. Neun Patienten bedurften einer Hornhauttransplantation, bei drei Patienten musste das Auge operativ entfernt werden. Anders gesagt: Nur bei drei der ursprünglich 15 Patienten schlugen die Medikamente gegen die Pilzkeratitis erfolgreich an.

Die Frage, die sich als nächstes stellte, war: Woher kommt die Pilzkeratitis? Die Antwort war schnell gefunden: von den weichen Kontaktlinsen. Denn von den 15 Patienten, die tatsächlich Pilzkeratitis hatten, trugen die meisten weiche Kontaktlinsen. Doch warum ausgerechnet weiche Kontaktlinsen so problematisch sind, ist laut den Experten noch unklar. In einem Punkt sind sich die Fachleute jedoch einig. So schreibt der Lehrstuhl an der Universität Würzburg auf seiner Website: Wer die Hygieneregeln im Umgang mit weichen Kontaktlinsen nicht beachtet, nimmt eine Gefahr in Kauf: Schimmelpilze können die Linsen kontaminieren und die Hornhaut des Auges infizieren. Und weiter: Ob man betroffen ist, merkt man meist durch eine starke Rötung des Auges, teils erhebliche Schmerzen und eine Sehverschlechterung.

Regeln zur Hygiene bei Kontaktlinsen

  • Unbedingt die Hände waschen vor dem Anfassen der Linsen
  • Linsen gründlich reinigen, bevor sie in das Reinigungsbad kommen
  • Das Reinigungsmittel nie mehrmals verwenden
  • Linsen nicht länger tragen, als vorgesehen

Inwiefern sich die Pilzkeratitis in unseren Gefilden verbreitet hat, ist noch ziemlich unklar. Augenärzte sind deshalb angehalten, Fälle zu melden, denn nur anhand dieser Daten können die Erreger analysiert, Therapien verbessert und eine statistische Basis erstellt werden. Für Träger von Kontaktlinsen gilt es, einfache Regeln zu beachten, um die Hygiene bei den Kontaktlinsen zu verbessern.

Florencia Figueroa

 

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