Es gibt Menschen, bei denen überlebt kein Staubkorn. Gehören Sie auch dazu? Oder gehören Sie eher zur der Sorte der „Staub-Toleranten“ und leben nach dem Motto, jede Bakterie hat ein Recht auf ein Eigenleben? Sicherlich liegt die beste Hygiene irgendwo in der Mitte.

Jürgen Tiede, Hygienebeauftragter der Vista, kennt sich mit Keimen und Bakterien aus und weiss, wieviel Hygiene im Alltag wirklich Sinn macht.

Keimquelle Nummer eins sind immer noch unsere Hände. „Forscher der Uniklinik Basel gehen davon aus, dass 99 Prozent der im Spital erworbenen Infektionen durch die Desinfektion der Hände reduziert werden können“, erklärt Jürgen Tiede.

„Besonders in der kalten Jahreszeit gibt es sogenannte saisonale, respiratorische Infekte. Sie betreffen die Atemwege, und für gesunde sowie erkältete Menschen mit schniefenden Nasen gibt es in öffentlichen Gebäuden Desinfektionsmittel für die Hände, die sie benutzen sollten, um Keime auszumerzen“, rät Jürgen Tiede. „Natürlich reicht es, sich die Hände mit Seife zu waschen, allerdings hätten Untersuchungen gezeigt, dass Seife bis zu 90 Prozent und Desinfektionsmittel bis zu 99 Prozent der Keime eliminieren.“

Ob Seife reicht oder die grossen Geschütze aufgefahren werden, muss jeder Mensch mit sich selbst ausmachen. Die Autorin dieses Artikels benutzt beispielsweise nur Seife und kam bisher ohne grössere Bakterien-Verunreinigungen durchs Leben. Sie gehört eher zur zweiten Kategorie, den „Staub-Toleranten“. Allerdings würde ihre Schweizer Grossmutter vehement widersprechen, da sie auf jeden Fall zur ersten Kategorie zählt, den „Staubkorn-Intoleranten“: Sie setzen jedem Staubkorn ein jähes Ende, bevor er sich zu einer Gruppe zusammenrottet oder gar als handfeste Fluse aufbegehrt. Aber zurück zu einem seriösen Thema:

Jürgen Tiede rät, gerade in der kalten Jahreszeit, wenn die Nasen nur so tropfen, immer saubere Taschentücher zu benutzen. „Nicht eines aus der Hosentasche verwenden – das ist eine regelrechte Keimschleuder.“ Der Experte hat Recht, würde meine Grossmutter sagen. Deshalb bunkert sie immer fünf XXL-Papiertaschentücher-Packungen regelmässig als Vorrat. Man weiss schliesslich nie, wann man sie benötigen könnte!

Während die Autorin schon mal Toilettenpapier oder Teile der Küchenrolle zum Naseputzen verwendet. Wenn es gerade griffbereit liegt, beispielsweise beim Kochen. Da denkt sie doch eher praktisch.

Hygiene in der Küche – Killerkeime auf Pouletfleisch

Allerdings ist es in der Küche doch ratsam, auf einige Hygienevorschriften zu achten: Nach der Zubereitung mit Pouletfleisch zum Beispiel, sollte man immer die Hände waschen, am besten desinfizieren. „Darauf befinden sich häufig die antibiotika-resistenten Darmkeime (ESBL E. coli). Heute kommt man mit diesen Keimen häufiger ausserhalb des Spitals in Kontakt als im Spital selbst oder Zuhause. Auch das Schneidebrett sollte gründlich gereinigt werden. Und für die Zubereitung von Fleisch und Gemüse sind immer zwei verschiedene Messer und Schneidebretter zu verwenden“, erklärt Jürgen Tiede.

Natürlich, würde meine Grossmutter sagen. Das weiss doch jeder. Die Autorin bisher nicht. Das erklärt dann auch diese unglückseligen Tage, als ich und meine Grossmutter furchtbar krank mit hämmernden Kopfschmerzen im Bett lagen. Nachdem ich dieses Pouletfleisch zubereitet hatte, dessen Farbe und Geruch mich irgendwie irritierten. Im Kühlschrank sollte daher auch auf Hygiene geachtet werden. Er ist regelmässig zu reinigen und abzutauen, um Schimmelpilzen als Keimherden vorzubeugen.

Durch Geld vermehren sich Glück und Keime – Achtung auch bei Türklinken, Flughafen-Terminals und Bedienelementen aller Art

Geld hat jeder gerne. Nicht nur auf der Bank, sondern auch in der Hand. Aber Vorsicht, danach ist Hände waschen empfohlen.

„Nach der Berührung mit Geld auf jeden Fall“, sagt Jürgen Tiede. „Geld ist ebenfalls ein ausgesprochener Keimträger. Ausserdem gilt es, sich die Hände zu waschen, nachdem man Schalter, Geländer und Türklinken angefasst hat.“ Letztere hat meine Grossmutter in den eigenen vier Wänden einmal in der Woche desinfiziert. Wohl ein bisschen viel der Hygiene. Aber, schaden kann es nicht.

Auch Geschäftsleute und Urlaubsreisende sollten ihre Augen aufhalten, wenn sie unterwegs sind: „Besonders an Flughäfen sind die Terminals und Touchscreens intensive Keimquellen. Hier treffen sich Keime aus der ganzen Welt“, erklärt Tiede. Also, wer international-global aufgeklärt wirken will, fasst diese Keimschleudern nicht an, sondern hält sich vornehm zurück. Auch, wenn der urbane Globetrotter niest, nimmt er bitte respektvoll die Armbeuge vor den Mund. Denn ein „Nieser“ versprüht eine geballte Ladung an Bakterien und Viren.

Handys, Computer und lange Fingernägel sind wahre Keimschleudern

„Vor allem auf Handys und Computern wimmelt es geradezu von Keimen. Zur Reinigung bieten sich Mikrofasertücher an – und natürlich der Gang ans Waschbecken nach der Benutzung. Speziell für Handys gibt es Desinfektionstücher“, macht der Hygienebeauftragte Tiede deutlich. Meine Grossmutter meint: Es schadet grundsätzlich nicht, Telefone täglich zu reinigen um die Keimschleuder zu entschleudern.

Lange Fingernägel sind ebenfalls ungünstige Keimherde. Daher sollte täglich unter den Nägeln gereinigt werden. „Wobei die eigene Bakterienflora immer weniger gefährdend ist als fremde Bakterien“, erklärt uns der Hygiene-Experte.

Wer sich an die Hygienevorschriften hält, muss nichts befürchten

Grundsätzlich gilt das Gesetz der Infektionskette, erklärt Tiede: „Also erst, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen und es eine Verletzung oder einen Schnitt am menschlichen Körper gibt, kann ein Infekt durch Hygienemangel entstehen. Besonders vor oder nach Operationen. Daher regelmässig die Hände waschen.“

Anke Reuss

Tipps zur Hygiene

• Hände waschen, besonders nach Kontakt mit niesenden Jetsettern und Globetrottern auf Flughäfen.

• Geld macht glücklich, aber nicht keimfrei: Wenn Sie mit Geld in Berührung gekommen sind, Hände waschen.

• Schalter, Geländer und Bedienelemente regelmässig reinigen und sich nach der Benutzung immer die Hände waschen.

• Waschbecken/Armaturen zuhause, besonders in der Küche regelmässig reinigen.

• Pouletfleisch mit Plastikhandschuhen bearbeiten oder danach Hände und Schneidebrett und Messer waschen. Kühlschränke regelmässig reinigen.

• Vor und nach Operationen immer die Hände waschen, am besten desinfizieren.

• Hände mehrmals am Tag gründlich mit Seife reinigen oder wenn möglich desinfiszieren und keine Angst davor haben, dass sich deren Säureschutzmantel auflöst.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

16 − zwei =