Die Farben von Sofa, Tapete und Vorhängen aufeinander abstimmen. Über die Farbenpracht eines Tulpenbeets staunen. Im Kunstmuseum stehen und die buntesten Gemälde bewundern. Für die meisten von uns ist das alles selbstverständlich. Dabei sind fast 200 Millionen Menschen weltweit farbenblind.

Je nachdem wie ausgeprägt die Farbenblindheit ist, desto mehr oder weniger kann sie den Alltag beeinflussen. Aussergewöhnliche Farbkombinationen der Kleidung tragen lediglich zur Erheiterung ihrer Umwelt bei, während die Sehschwäche für Piloten oder Kapitäne ein Ausschlusskriterium sind. Höchste Zeit also, sich etwas eingehender mit dem Farbsehen zu beschäftigen. Bei „farbtüchtigen“ oder „normalsichtigen“ Menschen entstehen im Gehirn aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau alle anderen Farbnuancen durch Mischung. Für diese Wahrnehmungen sind die Zapfen auf der Netzhaut verantwortlich. Sind sie beeinträchtigt, leidet auch das Farbsehen. Es gibt verschiedene Tests, die präzisieren, was der Volksmund „farbenblind“ nennt. Menschen mit Farbsehschwäche sehen gewisse Farbschattierungen nicht in vollem Ausmass. Und dies, obwohl auf der Netzhaut alle Zapfen vorhanden sind. Nur funktionieren nicht alle Zapfen so, wie sie sollten. Betrifft die Minderfunktion die Grün-Wahrnehmung, liegt eine Deuteranomalie vor, bei einer gestörten Rot-Wahrnehmung eine Protanomalie

Wenn manche Farben fehlen

Menschen mit partieller Farbenblindheit verfügen nur über zwei statt drei Farbrezeptoren-Typen auf der Netzhaut. Fallen die Rezeptoren für Rot weg, kann das zu ernsten Einschränkungen im Alltagsleben führen, weil auch rot blinkende Signale wie Bremslichter kaum noch wahrgenommen werden.

Wenn alle Farben weg sind

Nur selten kommt die totale Farbenblindheit oder Achromatopsie vor. Betroffene sind sehr lichtempfindlich und können gar keine Farben unterscheiden. Diesen Personen bleibt meist auch der Führerschein verwehrt, weil mit der totalen Farbenblindheit oft auch ein geschwächtes Schärfesehen einhergeht.

Gendefekte verursachen Farbenblindheit

Ursache von Farbenblindheit und Farbsehschwäche sind meistens Gendefekte – von denen Männer übrigens viel häufiger betroffen sind. Es gibt aber auch Beeinträchtigungen der Farbtüchtigkeit, die mit Altersgebrechen wie Makula-Defekten einhergehen. Deshalb macht es Sinn, beim Verdacht auf Farbenblindheit den Augenarzt aufzusuchen.

Wie wird Farbenblindheit getestet?

Pseudoisochromatische Tafeln sind Farbtafeln mit Unmengen runder Flecken in verschiedenen Farbnuancen. Farbtüchtige Probanden lesen daraus Zahlen oder Buchstaben ab. Liegt eine wie auch immer geartete Farbsehbeeinträchtigung vor, sehen Probanden die falschen Zahlen oder Ziffern – oder, je nach der Schwere der Beeinträchtigung, gar keine. Um Farbsinnstörungen zu diagnostizieren, wird der Farnsworth-Panel-D15-Test eingesetzt. Dabei müssen Probanden verschieden getönte Farbplättchen sortieren. Bei der Diagnose einer Rot-Grün-Schwäche hilft das Anomaloskop – eine Art Mikroskop, in das die Probanden mit jeweils einem Auge hineinblicken müssen. Durch Schraubendrehungen müssen sie einen Farbton nachmischen. Damit kann der Grad der Farbenblindheit genau angegeben werden.

Was können Betroffene tun?

Geheilt werden kann die Farbenblindheit (noch?) nicht und auch Brillen, Kontaktlinsen oder Technik können das nicht kompensieren. Jedoch können Spezialbrillen mit roten Gläsern störende Blendungen verringern, so dass das Sehvermögen bei totaler Farbenblindheit nicht noch mehr beeinträchtigt wird. Ausserdem gibt es Brillen, die die Farbkontraste verstärken.

Gregor Szyndler

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