Es gibt Menschen, denen sind sonnige Sommertage am grell glitzernden Rhein oder Spaziergänge in der goldenen Herbstluft ein Gräuel. Wie im Reflex greifen sie zur Sonnenbrille oder ziehen sich Hut oder Kapuze über die Augen. Der Grund: schmerzhafte Lichtempfindlichkeit.

Der Fachbegriff für die anormale Lichtempfindlichkeit ist Photophobie. Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch ist individuell lichtempfindlich – es lässt es sich also nicht verallgemeinern, ab wann eine krankhafte Empfindlichkeit vorliegt. Wenn der Schmerz bei sehr hellem Licht über längere Zeit das Wohlbefinden oder gar die Sicht beeinträchtigt, dann sollte sich das ein Spezialist ansehen. Denn in vielen Fällen deutet Lichtschmerz auf gravierendere Erkrankungen wie etwa Regenbogenhautentzündungen hin.

Auch bei einer Reihe von weiteren Augenerkrankungen kann Photophobie auftreten – ebenso bei Migräne, Hirnblutungen oder Meningitis. Aller Wahrscheinlichkeit nach bestehen sogar Zusammenhänge zwischen Photophobie und Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. Zu guter Letzt tragen chronische Schmerzen, Schlafmangel und Stress zur Verstärkung der Beschwerden bei. Bis heute sind die Ursachen der gesteigerten Lichtempfindlichkeit nicht geklärt. Eine verbreitete Annahme geht davon aus, dass die sogenannten Ganglienzellen, die die Impulse an den Sehnerv weiterleiten, eine grosse Rolle spielen.

Desensibilisierung kann helfen

Die naheliegendste Therapie, die sich Betroffene selbst verschreiben, das Aufsetzen der Sonnenbrille und das Meiden des Sonnenlichts, ist ein zweischneidiges Schwert. Denn so nistet sich die Photophobie durch die verringerte Helligkeit oft erst richtig ein.

Besser ist, sich medizinisch beraten zu lassen und sich allenfalls speziell getönte Brillengläser verschreiben zu lassen. Auch eine Desensibilisierung kann helfen. Natürlich ist die Sonnenbrille extrem wichtig, um die Augen vor Schäden durch Sonnenlicht zu schützen. Anstatt sich aber immer hinter den dunklen Gläsern zu verstecken, darf man diese beim Kaffeetrinken im Schatten auch getrost mal absetzen.

Wenn man auf seiner Mission gegen die Lichtempfindlichkeit von einem lieben Menschen begleitet wird oder sich ablenkt, überwindet man mit Geduld die Überempfindlichkeit. Und vielleicht beruhigt ja auch ein bisschen Musik. Vorschlag der Redaktion: «Let the sunshine in» oder «Ain’t no sunshine when she’s gone».

Gregor Szyndler

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