Nachtlinsen

Seit einiger Zeit auf dem Markt und doch wenig bekannt sind sogenannte Ortho-K-Linsen. Diese Linsen werden über Nacht getragen und korrigieren Kurzsichtigkeit von -0.75 bis -5 Dioptrien. Am Tag sieht der Träger dann ohne Sehhilfe scharf. Ich habe die Linsen ausprobiert.

Ich bin nicht der Brillen-Typ, das Gestell auf der Nase hat mich schon immer gestört. So habe ich einige Jahre weiche Kontaktlinsen getragen, doch darauf leider eine Allergie entwickelt. Dann habe ich durch eine Freundin das erste Mal von «Nachtlinsen» erfahren und hoffte auf eine elegante Lösung für meine Sehprobleme. Ich vereinbarte also einen Termin bei Thomas Hofmann vom Optometrie Zentrum Basel. Er führte unterschiedliche Untersuchungen durch und mass eine Kurzsichtigkeit von -2.5 Dioptrien auf dem rechten Auge und -2.75 auf dem linken.

Damit lagen meine Werte im akzeptablen Rahmen für die Nachtlinsen. Anfangs hatte ich Lichtringe im Sehfeld, sogenannte Halos, sie verschwanden jedoch nach wenigen Tagen, als die Korrektur sich zu stabilisieren begann.

Linsen über Nacht tragen – schadet das nicht?
Was mich zu Beginn etwas irritiert hat, ist die Tatsache, dass Ortho-K-Linsen nachts getragen werden. Üblicherweise wird stark davon abgeraten, Linsen über Nacht zu tragen. Thomas Hofmann erklärte mir, dass das Problem nicht das Tragen über Nacht, sondern die 24-stündige Reduktion der Sauerstoffzufuhr zur Hornhaut ist, wenn normale Linsen über Nacht nicht entfernt werden.

Diese Sauerstoffschuld kann nie ausgeglichen werden und das Gewebe wird übersäuert, was den Stoffwechsel und somit die Funktion des Hornhautgewebes stört. Das kann die Zellen der Hornhaut schädigen. Zusätzlich produzieren wir in der Nacht weniger Tränen. Insbesondere weiche Linsen trocknen somit auf dem Auge aus und kleben fest. Ortho-K-Linsen hingegen sind hart und müssen keine Flüssigkeit aufnehmen. Die Sauerstoffschuld, die über die Nacht trotzdem entsteht, kann tagsüber ausgeglichen werden.

Wie genau funktioniert die Korrektur?
Die Epithelschicht der Hornhaut ist die oberste Schicht des Auges. Sie wird fortlaufend erneuert, und zwar radiär von aussen nach innen. Wenn nun Linsen mit der entsprechenden Rückfläche getragen werden, folgt diese Erneuerung entlang der Rückfläche der Kontaktlinse und die Hornhautoberfläche kann somit modelliert werden. Da dieser Effekt reversibel ist, müssen die Linsen jede Nacht getragen werden.

Für mich die ideale Lösung
Nachdem ich die speziell für meine Augen angepassten Linsen erhalten habe, dauerte es etwa eine Woche, bis meine Kurzsichtigkeit vollständig korrigiert war. Ich bin von der Methode immer noch begeistert und werde dabei bleiben. Herausfordernd war zu Beginn lediglich das starke Fremdkörpergefühl, das ich von weichen Linsen nicht kannte. Meine Augen gewöhnten sich jedoch nach einigen Tagen daran. Bei aller Euphorie ist jedoch zu bemerken, dass nur wirklich gesunde Augen behandelt werden dürfen. Es ist deshalb wichtig, zur Anpassung einen Experten aufzusuchen.

Simone Weber

 

Dieser Artikel könnte Sie auch noch interessieren:

Brille – NEIN DANKE!