Obwohl die Augen als Fenster zur Seele gelten, gibt es Leute, die sich damit nicht begnügen wollen. Sie schmücken das Fenster, indem sie ihre Augen entweder tätowieren oder winzig kleine Implantate darin anbringen lassen. Das Ganze nennt sich «Body Modification» und wird von Tattoostudios angeboten.

Im Internet kursieren Bilder der Eingriffe. Sie zeigen von implantierten Totenköpfen bis hin zu farbigen Wolken rund um die Pupillen ein seltsames Spektrum von Verschönerungen. Freilich gibt es auch Bilder, die illustrieren, wie solche Eingriffe im wahrsten Sinn des Wortes ins Augen gehen können. Dazu weiter unten mehr.

Augen-Tattoos

Bei einem Eyeball-Tattoo wird Farbe mit Spritzen unter die Bindehaut gestochen. Sie verteilt sich dann zwischen Bindehaut und Lederhaut – unkontrolliert, ganz ähnlich, wie wenn man einen Tropfen Farbe zwischen zwei Glasplättchen aufbringt, etwa beim Mikroskopieren. Somit kann man keine Muster aufs Auge stechen wie bei anderen Tattoos, sondern nur Einfärbungen des weissen Teils vom Auge erreichen. Je nachdem braucht es mehrere Sitzungen, bis keine weissen Stellen im Auge mehr übrig sind.  Es werden pro Auge mehrere Spritzen mit Farbe gestochen und dann wird gewartet, bis sich die Farbe verteilt. Pro Sitzung wird nur ein Auge gefärbt. Wird zu viel Farbe aufs Mal gespritzt, können sich die Tränensäcke einfärben – was auch mit dem Laser nicht mehr wegzukriegen ist. Im Internet kursieren Bilder von türkisfarbenen Tränensträhnen und enorm angeschwollenen Augen. Sie stehen für die Risiken und Nebenwirkungen des noch weitgehend unerforschten Schönheitstrends. Ausserdem besteht die Gefahr, dass bei einer Zunahme des Augendrucks Farbe vor die Netzhaut gespült wird. Dann wiederum droht schlimmstenfalls die Erblindung.

Warum tut man sich das an?

Eines der wenigen Tattoostudios der Schweiz, die Eyeball Tattoos machen, ist das Rock the Body in Baden. Vom „Badener Tagblatt“ gefragt, ob er seine eigenen Augen einfärben lassen würde, antwortete der Studiobesitzer: «Ich bin mir nicht sicher.» Er hat gute Gründe: Über die langfristigen Folgen des Eyeball-Tattoos ist wenig bekannt. Mögliche Nebenwirkungen sind Blutungen, Infektionen, Narbenbildung, Sehschärfeverlust, das Gefühl eines Fremdkörpers im Auge oder allergische Reaktionen auf die Farbpigmente. Ist das Auge einmal eingefärbt, lässt es sich nicht mit dem Laser entfärben, wie es bei Tattoos auf der Haut möglich ist.

Warum tut man sich das an? Eine junge Frau erklärt im Interview mit Radio SRF, dass die Leute seit dem Eingriff viel intensiveren Augenkontakt zu ihr suchen. Sie werden neugierig und interessieren sich für ihr Tattoo – manche reagieren aber auch ratlos darauf.

Augenimplantate

Ein weiterer Trend der Augenverschönerung kommt aus den Niederlanden: Augenimplantate, die unter dem Markennamen JewelEye erhältlich sind. Es handelt sich dabei um winzige Platinplättchen, die in die Conjunctiva, also die oberste Bindehautschicht des Auges, eingesetzt werden. Typische Formen der Plättchen umfassen etwa Herzchen oder Sternchen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Im Gegensatz zum Eyeball-Tattoo können hier bestimmte Formen oder Muster im Auge angebracht werden. Der Eingriff zur Platzierung des Implantats dauert eine Viertelstunde und findet, je nach Methode, unter Lokalanästhesie statt.

Man sieht: Die Augen sind nicht nur die Fenster zur Seele – sondern auch zu den neuesten Schönheitstrends und bizarren Internetphänomenen.

Gregor Szyndler

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